5:2-Erfolg

Feuer frei: So kam es zur Schalker "Tor-Orgie" gegen Nürnberg

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Kaum zu glauben: Die Schalker feiern ihren 5:2-Sieg über den 1. FC Nürnberg.

Wer hätte das gedacht: Gegen den 1. FC Nürnberg gelingen den "Tor-Allergikern" des FC Schalke 04 fünf Treffer.

Gelsenkirchen - Als es bei der in dieser Saison so unberechenbaren Schalker Berg- und Talfahrt wieder für ein paar Höhenmeter aufwärts gegangen war, suchte Christian Heidel erst einmal wieder die Bodenhaftung. Schalkes Sportvorstand verdeutlichte noch einmal, wie schwer die Rückkehr in jene Regionen fallen dürfe, in die dieser Verein dem eigenen Verständnis nach hingehört. So würde es laut Heidel „ewig dauern, auf Rang drei vorzurücken. Wenn wir überhaupt dahin kommen“.

Aus dem 55-Jährigen sprach am Samstagabend die Erfahrung eines krisengestählten Sportvorstandes, der eine ähnliche Situation zwei Jahre zuvor schon einmal durchleben musste. Wie der glücklose Trainer Markus Weinzierl war auch dessen Nachfolger Domenico Tedesco mit fünf Niederlagen in die Saison gestartet und hat sich damit ein Hypothek aufgeladen, die nur äußerst mühselig wieder abzutragen ist. Immerhin erleichterte der 5:2 (2:1)-Sieg über den 1. FC Nürnberg den Rucksack, den die Schalker mit sich tragen, doch um einiges.

Duell "mit unseren Brüdern"

Das Duell „mit unseren Brüdern“, wie Tedesco die in tiefer Fanfreundschaft verbundenen Franken unlängst nannte, hatte mit einer beeindruckenden Choreografie begonnen: Die gesamte Arena wurde dabei in die Farben blau und weiß und rot und schwarz getaucht, wobei die Vereinswappen jeweils in den gegenüberliegenden Kurven gezeigt wurden. „Das ist geil, bei so einer Choreo einzulaufen“, meinte Schalkes Rückkehrer Bastian Oczipka. 

Die Spieler schienen sich von diesem aufwendigen Spektakel inspirieren zu lassen, jedenfalls wurde auch das Spiel für Schalker Verhältnisse regelrecht orgiastisch, was Tempo, Angriffsfußball und Torchancen anging. Vor allem die Blauweißen schienen auf einmal verinnerlicht zu haben, dass Schüsse auf das gegnerische Gehäuse in diesem Sport äußerst zielführend sein können. Insgesamt wies die Statistik am Ende 21 Torschüsse für die Gastgeber und zwölf für die Clubberer aus, für Partien in der Arena in dieser Saison ein bemerkenswerter Wert. Ebenso wie das Endergebnis mit aus Sicht der Schalker Stadionbesucher fast ungaublichen fünf Treffern für das eigene Team. Das in den elf Spielen zuvor insgesamt nur acht Mal erfolgreich finalisiert hatte.

"Ein bisschen Spektakel war vielleicht ganz gut"

Tedesco hatte vor dem Anpfiff in der Kabine zwar nicht „Feuer frei“ gerufen, „doch wollten wir das Heft in die Hand nehmen und Chancen kreieren“, wie der 33-Jährige nachher berichtete. Ein Plan, der eher dem auswärtsschwachen Gegner geschuldet war, als einer revolutionären taktischen Umstellung des Teams. „Ein bisschen Spektakel war vielleicht ganz gut für die Leute“, meinte Heidel. Eine etwas untertriebene Einschätzung. Die Schalker Anhänger gierten nach den offensiven Attacken ihrer Mannschaft geradezu in Entzückung und wähnten sich im siebten Fan-Himmel, als diese einen Angriff nach dem anderen auf das Nürnberger Tor startete. Das am Ende die Tore von Steven Skrzybski (26./84.), Amine Harit (32.), Guido Burgstaller (70.) und Bastian Oczipka (90.) standen, war das verdiente Resultat dieser Sturm- und Drangphase der Knappen.

Viele Chancen der Nürnberger

Ob diese taktische Ausrichtung auch ein Modell für zukünftige Spiele sein wird, ist aber fraglich. „Du zahlst bei dieser Spielweise immer einen Preis“, sagte Tedesco und wies zurecht auf die vielen Chancen der Nürnberger sowie den Umstand hin, dass sich die Schalker erst spät ihres Sieges sicher sein konnten. Denn die „Clubberer“ hielten durch Palacios (38.) und Zrelak (78.) zunächst Anschluss, ehe sie nicht zuletzt auch wegen der gelb-roten Karte für Bauer (67.) auf die Verliererstraße gerieten.

Schalke bezwingt den Club klar

Letztlich hatte die Partie, wie es sich unter Brüdern gehört, doch noch schiedlich-friedlich geendet: Beide Fankurven sangen „Schalke und der FCN“ und feierten so zwei Mannschaften, die zu einem sehr unterhaltsamen Abend beigetragen hatten. Und dass die Schalker ihren „Brüdern“ fünf Tore eingeschenkt hatten, begründete Tedesco entwaffnend aufrichtig mit der Aussage: „Ganz ehrlich, das haben wir gebraucht.“

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