Fährmann: Im zweiten Versuch Neuers Nachfolger

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GELSENKIRCHEN - Vor zweieinhalb Jahren sollte er Nachfolger von Manuel Neuer werden, im zweiten Anlauf hat er es geschafft: Ralf Fährmann ist endlich die unumstrittene Nummer eins bei "seinem" FC Schalke 04 - und braucht sogar den Vergleich mit seinem Vorgänger nicht zu scheuen.

Von Thomas Lipinski 

"Jedes Kompliment tut gut", sagt der 25-Jährige, der mit den Königsblauen am Freitag (20.30 Uhr/Sky) gegen den FSV Mainz 05 den fünften Bundesliga-Sieg in Serie anstrebt: "Ich möchte von Spiel zu Spiel wachsen." Rein statistisch bewegt sich der gebürtige Sachse, der als 14-Jähriger nach Gelsenkirchen kam, auf Neuers Niveau.

81,8 Prozent der Schüsse hat Fährmann in seinen neun Saisonspielen abgewehrt, nur Deutschlands Nummer eins ist mit 84,5 Prozent in der Bundesliga noch besser (Quelle: Impire). Mit 30 Prozent vereitelter Großchancen liegt er sogar vor Neuer (26,7). "Seine Leistungen sind selbstredend", sagt Trainer Jens Keller und spricht von einer "Weltklasseleistung" zuletzt beim 2:1 bei Bayer Leverkusen: "Er bringt der Mannschaft wahnsinnig viel Stabilität." Das macht sich auf dem Schalker Punktekonto bemerkbar: Mit Fährmann im Tor gewann der Tabellenvierte sieben von neun Partien, holte somit vier Zähler mehr als mit Timo Hildebrand zuvor in zwölf Spielen.

Fünfmal blieb der 1,96-m-Hüne ohne Gegentreffer, im Schnitt nur alle 135 Minuten ließ er einen Ball durch. Für Fährmann liegt in der Ruhe die Kraft. "Mein Bruder hat immer gesagt: Erste Regel in Krisensituationen - Ruhe bewahren. Das ist das Beste", sagt er und nennt sich selbst einen "gelassenen Torwart", der versucht, "Ruhe auszustrahlen". Das war nicht immer so. Als er 2011 nach Neuers Verkauf zu Bayern München aus Frankfurt zurückkehrte, galt er als unsicherer Kantonist, der die Nerven nicht im Zaum hat. "Mit der psychischen Spielbelastung hatte er Probleme", gibt auch Keller zu. Als Fährmann Ende November Hildebrand ablöste, war auch zunächst noch "der eine oder andere Schnitzer drin", wie der Coach sagt, "aber er hatte Spielglück. Wenn er einen Fehler gemacht hat, ist nichts passiert".

Nach zwei Jahren Zwangspause nach einem Kreuzbandriss und dem zwischenzeitlichen Abrutschen in der teaminternen Torhüterrangliste auf Platz drei gewann Fährmann von Spiel zu Spiel an Selbstbewusstsein. "Wenn ich meine Leistung so bringe wie in den letzten Spielen, gibt es in der Torwartfrage in der nächsten Saison keine Diskussion", sagt er. Die lange Wartezeit hat Fährmann "gefrustet". Er dachte über einen Vereinswechsel nach, suchte Zuflucht im Kraftraum und legte "sechs Kilo Muskelmasse" zu. Das hilft im Spiel, aber nicht nur da: "Im Sommer im Freibad ist es auch ganz gut." Mit dem fünften Sieg in Folge nach der Winterpause würden Fährmann und Co. den besten Rückrundenstart seit zwölf Jahren hinlegen. 2002 stand noch Oliver Reck im Schalker Tor. -

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen: Schalke: Fährmann - Höwedes, Felipe Santana, Matip, Kolasinac - Boateng, Neustädter - Farfan, Meyer, Draxler (Goretzka) - Huntelaar. - Trainer: Keller Mainz: Karius - Pospech, Bell, Noveski, Junior Diaz - Geis - Moritz, Park (Saller) - Koo - Nicolai Müller, Okazaki. - Trainer: Tuchel Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen) - SID

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