Schalke patzt zum Auftakt

So ehrlich verteidigt sich Schiri Ittrich nach Tedesco-Rüffel und Video-Durcheinander

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Schiedsrichter Patrick Ittrich zeigt Matija Nastasic die rote Karte.

Da steckte viel Sprengstoff drin: Schalke verpatzt in Wolfsburg den Auftakt, doch der Schiedsrichter sorgt für die größten Schlagzeilen.

Wolfsburg – Am Ende der Partie bot Domenico Tedesco sein gesamtes Repertoire an Zeichensprache auf. Wie ein Lotse auf dem Rollfeld eines Flughafens wedelte der Schalker Trainer mit den Armen und signalisierte Dinge, die nur seine Spieler kapierten. Als Tedesco in der 88. Minute allerdings mit viel italienischem Temperament den vierten Offiziellen an der Seitenauslinie ins Gebet nahm, verstand auch Patrick Ittrich die Intention. Der Schiedsrichter rannte auf Tedesco zu und redete eindringlich und sichtbar aufgebracht auf ihn ein. „Da bin ich dann halt etwas deutlich geworden“, sagte der 39-jährigen Hamburger. Tedesco behauptete: „Es war auch eine kleine Beleidigung dabei.“

Am Ende dieses ereignisreichen Nachmittages in der Vokswagen-Arena gab es einiges zu besprechen. Die aus Schalker Sicht enttäuschende 1:2 (0:1)-Niederlage (bei uns im Ticker zum Nachlesen) zum Saisonauftakt rückte dabei fast schon in den Hintergrund. Drei rote Karten, von denen letztlich nur zwei galten, ein zweimaliges Einschalten des Video-Assistenten in Köln und das emotionale Zwiegespräch zwischen Schiedsrichter und Schalker Cheftrainer – Ittrich musste nach dem Schlusspfiff nach 96 Minuten Spielzeit in der Schiri-Kabine erst einmal den Puls auf Normalniveau bringen. „Ich bin gerade auf 180“, hatte er Interview-Anfragen direkt nach dem Schlusspfiff wohl auch aus Eigenschutz erst einmal abgewehrt.

"Es war ein sehr schwieriges Spiel"

Ein paar Minuten später allerdings stellte sich der Hamburger Unparteiische den Fragen – und das auf eine äußerst respektable und ungekünstelte Art und Weise. „Es war ein sehr schwieriges Spiel“, gab Ittrich unumwunden zu. Zwei Mal war er während der Partie vom „Mann im Kölner Keller“, wie Schalkes Sportvorstand Heidel den Video-Assistenten Wolfgang Stark bezeichnete, auf eine mögliche Fehlentscheidung aufmerksam gemacht worden. Zum einen verschlimmerte er die Strafe für Schalkes Matija Nastasic, dem er in der 65. Minute nach einem Zweikampf zunächst Gelb gezeigt hatte. Nach Intervention des Video-Assistenten Stark betrachtete sich Ittrich die Szene selbst noch einmal am Monitor und kam zu dem Schluss, „dass alle Kriterien für Rot gegeben waren“: „Eine hohe Dynamik, das gestreckte Bein und eine offene Sohle.“ Drei Minuten später nahm er eine gegen den Wolfsburger Wout Weghorst gezückte rote Karte nach Ansicht des Videobeweises wieder zurück. Dass Ittrich schließlich dem Wolfsburger Anthony Brooks in der 85. Minute auch noch die rote Karte gezeigt hatte, lag daran, dass er sich schlichtweg vergriffen hatte. „Es war ein Irrtum.“ Ittrich korrigierte diesen umgehend.

Ittrich suchte die Aussöhnung mit Tedesco

Ittrich gestand nach der Partie auf sehr ehrliche und deshalb auch äußerst sympathische Art und Weise, wie sehr ihn diese hektische Partie an seine eigenen Grenzen geführt hatte: „Das war eine der schwierigsten Begegnungen meiner Karriere.“ Während in einigen Online-Portalen schon vom „Video-Irrsinn in Wolfsburg“ die Rede war, verteidigte Ittrich sämtliche gefällte Entscheidungen nachvollziehbar und profund. Und suchte auch die Aussöhnung mit Tedesco. Dem eigenen Empfinden nach konnte Ittrich bei dem Zwiegespräch mit dem Schalker Trainer zwar keine Beleidigung erkennen. „Ich hatte ihm gesagt, dass es ein sehr schweres Spiel für mich sei und war auch emotional dabei“, sagte Ittrich. Und ergänzte: „Wenn sich Herr Tedesco beleidigt gefühlt hat, dann tut es mir sehr leid.“ Und dann war der 39-Jährige froh, einen sehr aufreibenden Dienst beenden zu können.

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