Julian Draxler geht hoch ambitioniert in die Saison

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Julian Draxler, hier mit Bundestrainer Joachim Löw (rechts), will nach dem Gewinn des WM-Titels jetzt mit dem FC Schalke auch in der Bundesliga durchstarten.

GELSENKIRCHEN - Julian Draxler redet nicht groß drum herum, seine persönliche Bilanz der vergangenen Bundesliga-Saison fällt katastrophal aus. Der 20-jährige spricht dann vorzugsweise von einem „Tal“, das er durchschritten habe. Aber er redet auch davon, es in der neuen Saison besser zu machen. Weitaus besser.

Von Jens Greinke

So stieg das wohl größte Schalker Talent der letzten Jahre drei Tage früher als geplant wieder ins Training ein. „Ich wollte ein positives Zeichen setzen in Richtung ganz Schalke. Ich wollte zeigen, dass ich wieder der Alte bin und hoch motiviert“, sagt Draxler, der als Fußball-Weltmeister aus der Sommerpause nach Gelsenkirchen zurück kehrte.

Zwar gab ihm Bundestrainer Joachim Löw lediglich im Halbfinale ein paar Minuten Einsatzzeit. „Doch alle 23 Spieler haben Anteil an diesem Titel“, sagt Draxler. Außerdem habe er sich während des Turnieres in Brasilien weiter entwickelt. „Ich habe von Menschlichen und Sportlichen her viel dazu gelernt“, berichtet der gebürtige Gladbecker.

Außerdem habe der WM-Titel seinen Appetit auf Erfolg gesteigert: „Wenn man einmal weiß, wie es sich anfühlt, dann hat man auch mehr Hunger.“ Legt man Draxlers Selbstreflexion zugrunde, dürfen die Schalker Fans in der kommenden Saison tatsächlich einen anderen „Jule“ erleben. Lediglich zwei Treffer gelangen ihm 2013/14 – eine Quote, die weder den Ansprüchen der Fans noch seinen eigenen genügt haben.

„Es gab mehrere Faktoren dafür, dass es nicht so lief. Ich habe mir immer gesagt, dass ich keinen Druck habe. Was nicht stimmte. Und: Ich habe auch zu wenig getan“, gibt der 20-Jährige zu. Doch in diesem Sommer habe er alles analysiert, auch mit Hilfe seines persönlichen Umfeldes: „Man braucht jemanden, der einem die Augen öffnet. Und solche Leute habe ich, Gott sei Dank.“

Draxler fühlt sich nun „gereift“, auch weil er nun „weiß, wie es ist, wenn man am Boden ist.“ Zudem glaubt Draxler, dass er mittlerweile mit den Diskussionen über seinen Wert als Fußballer umgehen kann. „Diese Zahl hat mich in der vergangenen Saison natürlich begleitet“, sagt er über jene 45 Millionen Euro, die ihm einen Ausstieg aus seinem bis 2018 laufenden Vertrag ermöglichen würden. „Ich habe ja keine Saison gespielt, nach der 20 Vereine bereit gewesen wären, diesen Betrag für mich auszugeben“, lautet seine Selbsterkenntnis.

Draxlers Ziele mit dem FC Schalke 04 sind ambitioniert. „Angesichts unseres Kaders müssen wir um die ersten drei Plätze kämpfen. Wir haben in diesem Jahr eine gute Mannschaft, mit der einiges drin ist.“ Mit Borussia Dortmund sieht Draxler Schalke auf Augenhöhe: „Ich denke, dass wir durchaus konkurrenzfähig mit dem BVB sind.“ Bayern München ist für ihn derweil auf einem anderen Niveau: „Vom Papier her sind die Bayern eigentlich nicht angreifbar.“

Ernsthafte Sorgen bereitet Draxler die aktuelle Personal-Situation. Beim Schalke-Cup am Wochenende hatten Trainer Jens Keller ein Dutzend Spieler gefehlt. „Wir müssen das unbedingt in den Griff kriegen“, mahnt Schalkes Nummer 10, der seine Rückennummer nicht nur symbolisch verstanden wissen will: „Am liebsten würde ich auch auf dieser Position spielen. Wenn der Prince und der Max (Anm. der Red.: Kevin-Prince Boateng und Max Meyer) so eine große Klappe haben, dann mache ich das auch“, sagt Draxler schmunzelnd. Letztlich wird es ihm aber egal sein, wo er spielt. Hauptsache, es läuft besser als zuletzt.

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