Schalker Derbysieg glättet erst einmal alle Wogen

+

GELSENKIRCHEN - In der für die Schalker quälend langen Nachspielzeit von vier Minuten hielt es auch den Klub-Vorstand nicht mehr auf den Sitzen. Horst Heldt, Alexander Jobst und Peter Peters hatten sich wie alle blauweißen Sympathisanten erhoben und zitterten dem Schlusspfiff entgegen.

Von Jens Greinke

Bis Schiedsrichter Peter Gagelmann die Pfeife zum finalen Signal endlich in den Mund nahm und den 2:1 (2:1)-Sieg der Schalker über Borussia Dortmund manifestierte. Danach spielten sich teilweise irrwitzige Szenen ab. Schalkes Zeugwart Enrico Heil rannte wie ein Derwisch auf den Platz und schüttelte jeden, der bei drei nicht auf dem Baum war – ausgenommen die schwarz-gelb gewandeten Menschen.

Trainer Jens Keller schrie seinen Jubel in recht markanter Pose heraus, und aus dem durchtrainierten Körper von Schalke-Keeper Ralf Fährmann wich die Spannung wie aus einem gebrochenen Flitzebogen. Fährmann, der am Samstag seinen 26. Geburtstag feierte, sank zu Boden und gab nachher zu: „Das war ein brutal emotionaler Tag für mich. Ich muss gestehen, dass ich nach dem Schlusspfiff Tränen in den Augen hatte.“

Schalker Jubel-Triumvirat

Horst Heldt hatte das zurückliegende Derby ebenfalls extrem berührt. Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Jobst und Peters hatte der 44-jährige Manager auf der Tribüne ein Jubel-Triumvirat gebildet. Heldt sagte angesichts der extrem druckvollen Schlussoffensive der Borussia und der langen Nachspielzeit: „Da merkt man erst einmal, wie lang vier Minuten sein können.“

Revierderby: FC Schalke - BVB 2:1

Zum Glück für die Schalker hatte aber die eigene Defensive weiter stabil gestanden. Zudem hatten den Dortmundern an diesem Nachmittag einfach die Ideen gefehlt, um das Blatt noch einmal zu wenden. „Der BVB hat am Ende gedrückt ohne Ende“, sagte Heldt. Zum Ausgleich reichte es letztlich allerdings nicht mehr.

Fans sorgten für tolle Atmosphäre

Auch, weil die Schalker Fans in der Arena in der Schluss-Viertelstunde ein Spektakel veranstaltet hatte, das man selbst auf Schalke nur selten erlebt. „Die haben uns gepusht ohne Ende“, beschrieb der starke Dennis Aogo die Atmosphäre: „Am Ende waren die Beine schon sehr schwer. Da hat uns die Unterstützung regelrecht getragen, das hat noch einmal richtig Energie gegeben.“

Energie gab dieser Samstagnachmittag offenbar für den gesamten Klub. Der „Fehlstart“ (Horst Heldt) in der Bundesliga ist nach den beiden Siegen über Werder Bremen und Borussia Dortmund erst einmal etwas abgeschwächt worden, zudem wehte am Samstagabend ein extrem frischer Wind durch die Katakomben der Arena.

Aogo: "Das gibt Selbstvertrauen"

„Das gibt Selbstvertrauen“, sagte Aogo mit Blick auf die kommenden Aufgaben in der Champions League gegen NK Maribor (Dienstag, 20.45 Uhr) und bei 1899 Hoffenheim. Dass die Schalker durch den Derby-Sieg auch noch die Dortmunder in der Tabelle vorerst hinter sich ließen, machte den Abend nicht nur für Jens Keller „zuckersüß“. Dessen Position scheint nun wieder gefestigt.

Nach der extrem starken ersten Halbzeit der Schalker und den Treffern von Joel Matip (10.) und Eric Maxim Choupo-Moting (23.) wurde auf der Tribüne bereits gewitzelt, dass der Kontrakt des 42-Jährigen noch in der Halbzeitpause verlängert würde.

Wetklo machte die Mannschaft heiß

Die Einstimmung auf die Partie hatte dieses Mal allerdings nicht nur der Trainer, sondern auch Ersatzkeeper Christian Wetklo übernommen. Der 34-jährige, bekennende Schalke-Fan, der wahrscheinlich sämtliche Aufnahme-Prüfungen der Ultras Gelsenkirchen mit Bravour meistern würde, hatte die Mannschaft mit einer sehr emotionalen Ansprache heiß gemacht. „,Wetti’ ist ja schon so etwas wie unser zweites Maskottchen“, sagte Fährmann: „Er hat uns Mut zugesprochen und an unsere Moral appelliert.“

Mehr verriet Fährmann nicht, „das bleibt alles intern“. Danach verließ der Schalker Keeper das Stadion, um „mit Familie und Freunden“ seinen Geburtstag etwas zu feiern. „Vielleicht schauen wir uns das Spiel ja noch mal an“, sagte der Keeper mit einem Lächeln im Gesicht.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare