Ex-Trainer im TV

David Wagner spricht von fehlender Qualität auf Schalke - und räumt eigene Fehler ein

David Wagner meldete sich erstmals seit seinem Aus als Schalke-Trainer zu Wort. Im Doppelpass räumte er Fehler ein und sprach dem Kader die nötige Qualität ab.

Hamm - Seit knapp fünf Monaten ist David Wagner nicht mehr im Amt. Seitdem ist es ruhig geworden um dem Ex-Trainer von Schalke 04. Nun, ein Tag nach dem Derby-Debakel gegen Borussia Dortmund, hat sich 49-Jährige erstmals wieder in der Öffentlichkeit geäußert.

NameDavid Wagner
Geburtstag19. Oktober 1971 in Geinsheim, Trebur
TöchterLea Wagner, Lynn Wagner

David Wagner spricht von fehlender Qualität auf Schalke - und räumt eigene Fehler ein

Natürlich ging es um den drohenden Abstieg der Schalker in die 2. Liga. Immer wieder heißt es - auch von den Konkurrenten der Königsblauen in der Bundesliga sinngemäß: Der S04-Kader gehöre von der Qualität her nicht in diese Tabellenregion. Doch die Wahrheit ist: Die Knappen sind weiter abgeschlagen Letzter.

Aber wieso? David Wagner betonte wie schon in seiner Amtszeit: „Seit mehr als einem Jahr ist dieser Verein mit einer Verletzungsproblematik konfrontiert, die seinesgleichen sucht“, sagte der Ex-Trainer live im TV im Dopelpass auf Sport1.

Dabei verwies er auf die Aufstellung von Schalke gegen den BVB und nannte die Youngster Matthew Hoppe, Malick Thiaw, Timo Becker und Nassin Boujellab. „Das sind vier gute Fußballspieler, aber eben auch noch sehr jung“, meinte David Wagner.

David Wagner: Für Ex-Trainer reicht Schalkes Qualität nicht im Kampf um den Klassenerhalt

Er ergänzte: „Aktuell ist die Qualität nicht gut genug oder nicht Klassenerhalts-Kampf entsprechend.“ Der Ex-Trainer räumte ein, dass es nicht gut aussehen für Schalke. Aktuell sei es mehr Hoffnung als der tatsächliche Glaube an das sportliche Wunder. „Aber“, sagte David Wagner im Doppelpass, „die Hoffnung soll bleiben, so lange es geht.“

Für ihn ist aber auch klar: Schalke muss die Planungen für die 2. Liga angehen - und war möglichst schnell. Dafür brauche S04 mit Blick auf die Trennung von Sportvorstand Jochen Schneider jemanden, „der die Planung federführend übernehmen kann. Auch für denjenigen wäre es hilfreich, welche finanziellen Möglichkeiten er hat.“

Schalkes Ex-Trainer David Wagner nimmt Jochen Schneider für Transfers in Schutz

Dass diese auf Schalke begrenzt sind, ist ein offenes Geheimnis bei Schulen von über 240 Millionen Euro. Und das sei noch „sehr nett“ formuliert, meinte David Wagner, der Jochen Schneider darauf in Schutz nahm. Denn aufgrund der Umstände habe man in der Transfer-Politik „nicht viele Optionen“, so der Ex-Trainer. „Dann nimmt man halt Optionen, die unter Umständen wenig Spielpraxis habenn.“ Das passende Schalker Beispiel ist aktuell wohl Rückkehrer Klaas-Jan Huntelaar.

Wenn diese Transfers dann ohne große Vorbereitung und - wie in diesem Jahr - ohne wirkliche Winterpause funktionieren müssen, „dann passieren diese Verletzungen“, sagte David Wagner: „Der Körper ist da nicht bereit.“ Hinzu käme der „ganze Druck vom Abstiegskampf, in dem sich der Verein und die Mannschaft seit gefühlt drei Jahren befinden“. „Der macht dich dann auch nicht lockerer“, erklärte Schalkes Ex-Coach.

David Wagner: Drei-Jahres-Plan auf Schalke früh zum Scheitern verurteilt

Deswegen sei David Wagner mit einem ganz anderen Plan auf Schalke angetreten. „Unsere Idee war: Eine Mannschaft, die fast abgestiegen ist, muss verändert werden. Wenn du in einer Kabine so viele negative Erlebnisse hattest, musst du die Fenster aufmachen und frische Lust reinbringen“, erläuterte Schalkes Ex-Coach.

Der Fahrplan beim Antritt von David Wagner sei gewesen: Im ersten Jahr war Platz neun bis zwölf angepeilt worden, „im zweiten Jahr dann einstellung, im dritten Jahr wollten wir wieder international spielen.“

Doch dann kam es anders: „Wir dachten: Die Mittel, die zur Verfügung gestellt werden sollten, könnten reichen. Acht Wochen später war von diesen finanziellen Möglichkeiten nicht mehr ganz so viel da“, erklärte der Ex-Trainer.

David Wagner gesteht sich Fehler auf Schalke ein

Was folgte, waren Verletzungen. „Ich kann es auch nicht hören, aber das ist die Geschichte“, meinte David Wagner. Die Misere begann für ihn im Winter 2019/20. Vor allem Defensiv-Stützen wie Benjamin Stambouli und Salif Sané waren über Wochen weggebrochen. Ersatz verpflichtete Schalke nicht . Wo sich auch der Ex-Trainer einen Fehler ankreidete.

„Dass ich in der Winterpause nicht herausgegangen bin und kommuniziert habe, wie es uns wirklich geht, um auch öffentlich Druck aufzubauen, damit vielleicht doch Geld für Transfers akquiriert wird, ist sicherlich ein Fehler, den ich gemacht habe“, sagte David Wagner.

Einen weiteren machte er nach eigener Aussage in beziehungsweise nach der Corona-Pause im Frühjahr, „die ja für uns alle neu war“, meinte er. So sei es im ersten Spiel nach Corona - dem Derby beim BVB - mit Salif Sané, Suat Serdar und Daniel Caligiuri drei Spieler ins Rennen geschickt zu haben, die zuvor lange verletzt waren. David Wagner verwies auf die Unterschiede zwischen gesund, fit und matchfit - Letzteres sei das Trio nicht gewesen.

David Wagner ist bereit für eine neue Aufgabe als Trainer

„Und wenn du kein Glück hast, was Verletzungen angeht, bist du eine Mannschaft, die um den Klassenerhalt spielt“, sagte David Wagner. „Ein Verein wie wir ist dann nicht mehr konkurrenzfähig, wenn wir bei Transfers nichts machen können.“ Ein Zustand, der auf Schalke immer noch die bittere Realität ist.

Er selbst habe das Ganze für sich aufgearbeitet. Er wisse, warum die Hinrunde in seinem ersten Jahr gut und die Rückrunde so schlecht gelaufen sei. Bis Sommer 2022 steht David Wagner noch auf Schalke Vertrag. Er machte aber keinen Hehl daraus, wieder einen neuen Verein übernehmen zu wollen. Die Bundesliga sei eine Option, „und ich finde England auch nach wie vor sehr spannend“, sagte er.

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/dpa

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