Aufsichtsratsboss von S04

Clemens Tönnies in der Kritik: Baustellen auf Schalke - und im eigenen Betrieb

Schalke-Boss Clemens Tönnies steht in der Kritik. Die Corona-Infektionen in seinem Schlachtbetrieb werden ihm zum Teil angelastet, hinzu kommt die Krise von S04.

  • Clemens Tönnies steht in der Kritik.
  • Neben den Corona-Infektionen in seinem Betrieb kommt die Krise bei Schalke 04.
  • Der Aufsichtsratsboss der Königsblauen wehrt sich.

Hamm - Es ist gerade einmal zwei Monate her, als Clemens Tönnies der Deutschen Fußball Liga (DFL) seine Unterstützung anbot. In seinem Fleischkonzern, im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh, ließ der Aufsichtsratschef von Schalke 04 damals über einen Unternehmenssprecher mitteilen, könnte man die Corona-Schnelltests auswerten und damit einen Teil dazu leisten, dass in den Bundesligen wieder Fußball gespielt werden kann. Heute - knapp neun Wochen später - sucht Tönnies selbst nach einem Ausweg und ist über jede Unterstützung froh, die er bekommen kann.

Name

Clemens Tönnies

Geboren

27. Mai 1956 in Rheda, Rheda-Wiedenbrück

Vermögen

2,3 Milliarden USD (2020)

Ehefrau

Margit Tönnies

Denn der Corona-Ausbruch in Deutschlands größtem Schlachtbetrieb mit über 700 Infizierten wirft Fragen auf - und sorgt bei der Bevölkerung für Wut und Unverständnis. Im Mittelpunkt: Clemens Tönnies, dem der Ausbruch des Virus zumindest zum Teil angelastet wird. Als geschäftsführender Gesellschafter ist er mitverantwortlich, für angemessene Arbeitsbedingungen und Hygienemaßnahmen inmitten der Coronakrise zu sorgen.

Vor Tönnies' Villa in Rheda-Wiedenbrück kam es zu Protesten einiger Bürger, weil Schulen und Kitas geschlossen wurden. Zudem forderte Robert Tönnies, der Neffe von Clemens Tönnies und Mitinhaber des Schlachthofs, den Rücktritt seines Onkels.

Schalke-Boss Tönnies in der Kritik: Kein Gedanke an Rücktritt

Der wiederum lehnte diese Forderung ab. Er werde das Unternehmen "nicht in einem schweren Sturm verlassen", soll Clemens Tönnies nach Informationen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel in einem Brief an seinen Neffen geschrieben haben.

Schalkes Klub-Boss Clemens Tönnies steht wegen der Corona-Fälle in seinem Betrieb in der Kritik.

Für Clemens Tönnies ist dies der nächste Skandal in einer Zeit, die so gar nicht nach dem Geschmack des 64-Jährigen läuft. Im August 2019 hatte er mit rassistischen Äußerungen über Menschen in Afrika für einen Aufschrei und große Empörung gesorgt. Als Konsequenz ließ er sein Amt als Aufsichtsratschef bei Schalke 04 nach einer öffentlichen Entschuldigung und langer Debatte für drei Monate ruhen.

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) untersuchte den Vorfall, die Ethik-Kommission des Verbandes entschied aber, kein Verfahren gegen Tönnies einzuleiten. Der Schalke-Boss habe "bei der eingehenden Anhörung und Befragung überzeugend vermitteln konnte, dass er kein Rassist ist", hieß es vonseiten des DFB.

Schalke-Boss Tönnies in der Kritik: Auch bei Königsblau läuft es nicht rund

Damals lief es für Schalke zumindest sportlich noch rund, das Team von Trainer David Wagner stand nach vielen guten Auftritten in der Spitzengruppe der Bundesliga. Doch davon ist nichts geblieben, S04 taumelte schon vor der Corona-Pause durch die Liga und hat sich auch nach der Unterbrechung nicht gefangen.

Der letzte Erfolg in der Liga datiert vom 17. Januar - die 14 darauffolgenden Spiele, die Schalke allesamt nicht gewonnen hat, bedeuten schon jetzt einen Negativrekord für die Gelsenkirchener. Fraglich, ob die verbleibenden Spiele gegen den VfL Wolfsburg (Samstag, 15.30 Uhr/im Live-Ticker auf WA.de sowie live im TV und Stream) und beim SC Freiburg (27. Juni, 15.30 Uhr) Anlässe zum Jubeln liefern werden.

Die ausbleibenden sportlichen Erfolge haben zwangsläufig Auswirkungen auf die Finanzen der wirtschaftlich ohnehin schon angeschlagenen Schalker. Dass der Klub auch 2021 nicht international spielen und somit keine zusätzlichen Einnahmen generieren wird, steht fast schon fest.

Schalke-Boss Tönnies in der Kritik: Er bestimmt den Nachfolger von Finanzvorstand Peters

Wer sich mit dem Bereich Finanzen künftig als Vorstand auseinandersetzen wird, ist dagegen noch völlig offen - zu Beginn des Monats hatte Peter Peters um die Auflösung seines Vertrages gebeten - nachdem er 27 Jahre im Verein war. So zumindest die offizielle Version.

Wer Peters als Finanzvorstand beerbt, wird auch Tönnies mitentscheiden. Als Vorsitzender des Aufsichtsrates hebt oder senkt er seinen Daumen bei derartigen Personal-Fragen. Dem Boss von Schalke 04 bleibt nur die Hoffnung, den richtigen Nachfolger für den vakanten Posten zu finden, um zumindest seinen Fußballverein wieder in ruhigeres Fahrwasser zu führen.

Als Chef seiner Fleischerei wird Clemens Tönnies schließlich noch lange Zeit heftigen Gegenwind spüren. sid

Rubriklistenbild: © picture alliance/David Inderlied/dpa

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