Nach Hinspiel-Pleite

Schalke Trainer Keller: "Müssen realistisch sein" 

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MADRID - Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, doch als Klaas-Jan Huntelaar einen Tag vor dem Rückspiel bei Real Madrid gefragt wurde, ob es den noch ein Fünkchen Zuversicht gäbe, sagte der Niederländer: „Nein, ich denke nicht.“

Von Jens Greinke

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Wohl selten waren die Ambitionen auf einer Dienstreise so niedrig wie bei dem Trip in die spanische Hauptstadt, den die Schalker Delegation gestern Vormittag antrat. Horst Heldt wollte zwar nicht von einer Stimmung wie beim Betriebsausflug sprechen, doch weiß auch der Manager, dass die Blauweißen nach der 1:6-Niederlage im Hinspiel keine Chance haben werden, doch noch ins Viertelfinale der Champions League einzuziehen. „Das Unmögliche möglich zu machen, dürfte für uns schwierig werden“, sagt Heldt. Und Trainer Jens Keller ergänzt: „Wir müssen einfach realistisch sein.“

Geld als Trost

Der FC Schalke 04 kann sich über das bevorstehende Aus im Achtelfinale der Champions League mit rund 30 Millionen Euro hinwegtrösten. Allein an Prämien haben die Königsblauen 17,7 Millionen Euro kassiert. Hinzu kommt der fixe Anteil am deutschen Marktpool in Höhe von 2,6 Millionen Euro, ein zweiter Anteil berechnet sich nach dem sportlichen Abschneiden. Die vier Heimspiele spülten geschätzte sechs Millionen Euro in die Kasse. In der vergangenen Saison kassierte Schalke 27,8 Millionen Euro plus Zuschauereinnahmen. - sid

Der 43-Jährige setzt deshalb auch andere Prioritäten. Und die liegen im Alltagsgeschäft Bundesliga. Weshalb Keller verhindern wird, dass sich noch mehr Stammspieler verletzen. Klaas-Jan Huntelaar und auch Kevin-Prince Boateng werden deshalb den Anpfiff im Bernabeu-Stadion (20.45 Uhr) wohl nur auf der Ersatzbank erleben. „Das sind die ersten beiden Spieler, für die ein solche Maßnahme in Frage käme“, sagt der Coach. Zumal sich Huntelaar beim 2:1-Sieg in Augsburg am vergangenen Freitag auch noch eine kleine Prellung an der Wade zugezogen hatte. „Ich spüre da immer noch was“, sagt der Torjäger, der in den jüngsten beiden Bundesliga-Spielen der Schalker fünf Tore geschossen hat. Und nicht nur deshalb von enormen Wert für den Endspurt im Liga-Alltag sein wird. Seit der 30-Jährige zu Beginn des Jahres nach seiner langen Verletzungspause ins Team zurück gekehrt ist, ist die Mannschaft scheinbar von einem neuen Geist beseelt. Wie Torwart Ralf Fährmann ist Huntelaar einer der Garanten für das mittlerweile wieder inspirierte Spiel der Schalker Mannschaft, das in der Hinrunde oft so belanglos wie eine Talkshow mit Markus Lanz war.

Aufgrund der deprimierenden Aussichtslosigkeit, doch noch eine Runde weiter zu kommen, wird die Partie in Madrid eher den Charakter einer Lehrveranstaltung für die Schalker Mannschaft haben. Klaas-Jan Huntelaar, der 2009 selbst das Trikot von Real getragen hatte, ist der einzige Spieler, der bereits im Bernabeu aufgelaufen ist. „Wir können da viel kernen, gerade unsere jungen Spieler“, sagt der „Hunter“: „Man bekommt ja nicht so oft die Gelegenheit, im Bernabeu zu spielen.“

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Der Umstand, dass Real nicht in Bestbesetzung antreten wird, weckt bei den Schalkern ebenfalls keine falschen Hoffnungen. „Die haben einen Kader, der eigentlich nur aus potentiellen Stammspielern besteht“, sagt Huntelaar und ergänzt: „Real kann zwei gute Mannschaften aufstellen.“ Gareth Bale, Karim Benzema, Xabi Alonso oder Angel di Maria werden wahrscheinlich nicht in der Startelf stehen, dafür kommen dann eben Spieler wie Fabio Coentrao, Isco oder Raphael Varane zum Einsatz. „Bei denen haben selbst die Ersatzspieler einen Marktwert von 30 Millionen Euro“, sagt Jens Keller.

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