Corona-Pause im Fußball

Bundesliga-Neustart im Mai? So sieht das DFL-Konzept aus - Warten auf die Politik

Die Bundesliga hofft, mit dem Konzept zu Geisterspielen für BVB, Schalke und Co. die Politik überzeugt zu haben. Wie sieht es aus ? Gibt es heute eine Entscheidung?

  • Die Bundesliga-Klubs warten auf grünes Licht für den Neustart des Spielbetriebs nach der durch das Coronavirus bedingten Pause..
  • Schalke 04, der BVB und Co. sind von der Entscheidung der Politik abhängig-
  • Es gibt aber auch kritische Stimmen bezüglich eines Bundesliga-Neustarts im Mai.

Hamm - Die Deutsche Fußball Liga (DFL) ist vorbereitet für den Wiederbeginn der Bundesliga. Jetzt fehlt noch das grüne Licht aus dem Kanzleramt und von den Ministerpräsidenten, damit Schalke 04, der BVB und alle anderen Profi-Klubs wieder ins Meisterschaftsrennen eingreifen können.

Nachdem das Arbeitsministerium und die Sportministerkonferenz vom Konzept der DFL zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs während der Corona-Krise überzeugt wurden, schaut die Liga nun am Donnerstag auf die Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Länderchefs. Bei einer Zustimmung für Geisterspiele aus dem Kanzleramt könnte womöglich Mitte oder Ende Mai in den leeren Stadien der Liga - auf Schalke wird sogar schon das Bier abgepumpt - wieder der Ball rollen. Ist das realistisch? Was spricht dafür, was dagegen? Wir beantworten vorab die wichtigsten Fragen.

Bundesliga-Neustart im Mai? Die Eckpunkte des DFL-Konzepts

  • Tests: Engmaschige Corona-Tests sind die Grundlage des Konzepts der DFL und für dessen Funktionieren essenziell. Bei allen an Training und Wettkampf Beteiligten soll mindestens einmal wöchentlich ein Corona-Test erfolgen, auf jeden Fall immer direkt am Tag vor den Spielen. Mindestens vor der Abfahrt ins Stadion soll Klarheit über den Gesundheitszustand aller Beteiligten herrschen. Die DFL rechnet mit rund 20.000 Tests, es gibt Kooperationen mit fünf Laborverbünden.
  • Positive Corona-Tests: Bei einem positiven Corona-Fall im Umfeld des Teams aus der Bundesliga keine automatische Meldung an die Presse erfolgen, nur der Betroffene soll sofort isoliert und dessen Kontaktpersonen getestet werden, allerdings wird nicht automatisch die gesamte Mannschaft unter Quarantäne gestellt. Über mögliche Gruppen-Quarantänen entscheiden die jeweiligen Gesundheitsämter. Dennoch sollen die Klubs wie BVB, Schalke und Co. vorsorglich "für einen ausreichend großen Kader im Saisonfinale sorgen". Auch für die häusliche Quarantäne gibt es detaillierte Vorgaben: So soll sich die betroffene Person in unterschiedlichen Räumen wie ihre Familienmitglieder aufhalten und in einem separaten Bett schlafen. Eine Entlassung aus der Quarantäne soll "im Regelfall frühestens 14 Tage nach Symptombeginn" erfolgen.
  • Personen im Stadion: Verteilt auf die drei Zonen "Innenraum", "Tribüne" und "Außengelände" dürfen sich rund um das Stadion "zeitgleich maximal ca. 300 Personen" aufhalten. In jeder der Zonen dürfen jeweils "maximal ca. 100 Personen zeitgleich anwesend sein". Während einer Bundesliga-Partie rechnet die DFL demnach mit 98 Personen im Innenraum - dazu gehören 22 Spieler auf dem Rasen, 18 Ersatzspieler, fünf Schiedsrichter, vier Balljungen und 20 Mitglieder aus den Funktionsteams der Mannschaften.
  • Hygiene: Das oberste Gebot ist die Wahrung des Abstands - wo auch immer das möglich ist. So empfiehlt die DFL, etwa in den Kabinen Startelf und Auswechselspieler zu trennen. Teamfotos, Handshakes vor dem Spiel, das gemeinsame Aufstellen der Mannschaften - all das wird es nicht geben. Auf den Ersatzbänken soll nur jeder zweite oder dritte Sitzplatz genutzt werden. Ziel der Maßnahmen im Stadion: Die Teams sollen "vorbildliches Verhalten" nach außen demonstrieren, da im Stadion "der Blick der Öffentlichkeit" in der derzeitigen Situation auf den Fußball "nochmals größer" sein werde als bisher.

Doch auch hinter den Kulissen werden Hygiene-Regeln groß geschrieben: Zur Minimierung des Infektionsrisikos sollen Türen offen gelassen werden, um das Anfassen von Türgriffen zu vermeiden, Essen für die Teams soll bereits abgepackt ins Stadion gebracht, Trinkflaschen sollen personalisiert werden. Darüber hinaus empfiehlt das Konzept die Nutzung von Einzelduschen oder das Duschen zu Hause oder im Hotel. Wellnessbereiche werden ganz gesperrt. Auch die Medien müssen sich einschränken: Das TV-Konzept in den Stadien soll "minimiert " werden, die üblichen Pressekonferenzen nach dem Spiel findet nur virtuell statt.

  • Training und Unterbringungen: Die Hygiene-Regeln, die bei Spielen gelten, kommen auch bei einer Wiederaufnahme des Mannschaftstraining zum Tragen, das komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden soll. Vor dem Betreten des Trainingsgeländes wird bei jeder Person die Temperatur gemessen, das gemeinsame Essen fällt aus. In den Kabinen und Duschen soll ein Abstand von zwei Metern eingehalten werden, sinnvoll sei deshalb das "heimische Umziehen und Duschen".

Fitnessgeräte dürfen nur mit Handschuhen und Mundschutz benutzt werden und müssen anschließend desinfiziert  werden. Wäsche und Schuhe sollen die Spieler selber waschen. Bei Auswärtsspielen sollen die Teams wenn möglich ein exklusives Hotel mit einer minimalen Anzahl an Hotel-Personal beziehen. Abgesehen von einer Desinfektion vor Bezug soll auf die übliche Reinigung der Zimmer verzichtet werden.

  • Privater Bereich: Neben mittlerweile selbstverständlichen Vorsichtsmaßnahmen wie dem Vermeiden von Menschenansammlungen, einem Abstand zu Dritten oder dem regelmäßigen Händewaschen sollen die Profis zu Hause viel trinken, auf vitaminreiche Ernährung achten und ihre Atemwege und Schleimhäute "möglichst warm halten". Dazu sollen sie ihre eigenen Kontaktpersonen notieren und deren Gesundheitszustand beobachten.

Bundesliga-Neustart im Mai? Konkrete Entscheidung am 30. April offen

Obwohl die Sportministerkonferenz (SMK) den Wiederbeginn trotz der Corona-Krise für Mitte/Ende Mai empfiehlt und diese Position die Grundlage für die Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder sein soll, geht die SMK nicht von einem endgültigen Beschluss am Donnerstag aus.

"Wir rechnen derzeit nicht mit einer Entscheidung über Öffnungen nach dem Gespräch der Kanzlerin mit den MinisterpräsidentInnen morgen", teilte ein Sprecher des SMK-Vorsitzenden Anja Stahmann am Mittwoch auf SID-Anfrage mit: "Die ganzen Auswirkungen der vorsichtigen Öffnungen werden sich vermutlich erst im Verlaufe der kommenden Woche vollständig abschätzen lassen."

Deshalb geht die SMK davon aus, dass es frühestens Anfang Mai einen Beschluss geben wird. "Die Fortsetzung des Spielbetriebes in der Fußball-Bundesliga vor leeren Zuschauerrängen erachtet die SMK nach wie vor ab Mitte oder Ende Mai für vertretbar", hatte die Bremer Sportsenatorin und Grünen-Politikerin Stahmann zuletzt gesagt.

Bundesliga-Neustart im Mai? Das fordern die Sportminister

Die Sportminister der Bundesländer haben dem deutschen Profi-Fußball grundsätzlich grünes Licht für einen Neustart gegeben, aber ein strenges Vorgehen im Falle eines positiven Corona-Tests gefordert.

"Die SMK weist daraufhin, dass im Falle einer positiven Testung von Spielern und Betreuern Quarantänemaßnahmen für das betroffene Team erforderlich sind", heißt es in einer Beschlussvorlage der Runde für das Kanzleramt, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor hatte die Rheinische Post darüber berichtet.

Bundesliga-Neustart im Mai? Das sagt die Gewerkschaft der Polizei (GdP)

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) habe vor den Beratungen von Kanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten noch einmal an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der sich zuletzt für einen Wiederbeginn der Bundesliga aussprach, appelliert, die Folgen von möglichen Geisterspielen zu überdenken.

"NRW ist der Fußballstandort Nummer eins. Es gibt es sogar mehrere Klubs, die sich noch Chancen auf den Titel ausrechnen. Deshalb ist nachvollziehbar, dass sich Laschet in den vergangenen Tagen für einen baldigen Neustart der Bundesliga ausgesprochen hat", sagte der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Michael Maatz: "Dabei hat er aber die Folgen der Geisterspiele nicht genügend berücksichtigt."

Die Meinung, dass Geisterspiele ohne Folgen für die Verbreitung des Coronavirus bleibe, sei nach Meinung der GdP eine Illusion. "Wir wissen noch immer viel zu wenig, wie das Coronavirus gestoppt werden kann. Aber wir wissen, dass auch Geisterspiele  tausende von Fußballfans anlocken können, die live dabei sein wollen, wenn ihre Mannschaft spielt. Sei es im Umfeld der Stadien, vor den Mannschaftshotels oder irgendwo sonst in den Innenstädten". so Maaztz.

Weiter erläuterte er: "Kommt es zu größeren Ansammlungen von Fans, muss die Polizei dagegen vorgehen. Auch wenn sich die Polizisten dabei selber in Gefahr bringen, mit dem Virus infiziert zu werden."

dpa/sid/WA

Rubriklistenbild: © picture alliance/Chris tian Charisius/dpa

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