Update 18.30 Uhr

Sicherheitsbedenken: HSV gegen Lippstadt abgesagt

[UPDATE 18.30 Uhr] HAMM - Das für Samstag, 21. Februar, geplante Oberligaspiel der Hammer SpVg gegen den SV Lippstadt 08 findet aufgrund von Sicherheitsbedenken der örtlichen Polizei nicht statt.

Es klingt geradezu unglaublich: Die für Samstag angesetzte Partie in der Fußball-Oberliga zwischen der Hammer SpVg und dem SV Lippstadt fällt aus. Der Grund sind Sicherheitsbedenken. Nicht etwa wegen des Aufeinandertreffens der Fans der beiden beteiligten Vereine. Sondern vielmehr, weil szenebekannte und gewaltbereite Anhänger des Nord-Regionalligisten VfB Oldenburg ihr Kommen angekündigt haben sollen.

Die Initiative zu diesem drastischen Schritt ging von der HSV aus. Am Dienstagmittag hatte Rainer Plocziki, Sicherheitsbeauftragter der HSV, Kenntnis von entsprechendem Schriftverkehr in diversen sozialen Medien erhalten - und war alarmiert.

"Um ehrlich zu sein, ich habe gedacht: Scheiße, und das in der 5. Liga", sagte Plocziki, selbst Polizist. Er informierte die Führung der Hammer Polizei darüber, dass sich offenkundig 20 bis 30 "Fans" aus dem Norden auf den 200 Kilometer langen Weg nach Hamm machen wollten. Anhänger der Kategorie "nicht ganz nett", wie Plocziki es vorsichtig formulierte.

Was folgte, war die Absage. Zum Hintergrund: Für die Begegnung am Samstag hatten sich Anhänger von RW Ahlen angesagt, um die befreundeten Lippstädter Fans zu unterstützen. Was ein ohnehin als Risikospiel eingestuftes Spiel zusätzlich problematisch erscheinen ließ, mit einigen rivalisierenden HSV-Anhängern entspannen sich prompt bei Facebook und Whatsapp "Diskussionen".

Zur Absage allerdings führten letztlich Ankündigungen aus Oldenburg. Dorthin, wo einst HSV-Trainer Goran Barjaktarevic und Benjamin Doll (Marketing) aktiv waren, gibt es lose Kontakte von Hammer Fans, die VfB-Anhänger signalisierten für Samstag ihre "Unterstützung" - was bei Plocziki die Alarmglocken schrillen ließ.

"Wir können keine 20 bis 30 Mann, die vor dem Stadion warten, im Zaum halten", sagte der Sicherheitsbeauftragte, der sich am Dienstagabend noch einmal den Schriftverkehr genau vor Augen führte. Und bei seiner Meinung blieb, das Spiel besser nicht am Samstag stattfinden zu lassen. "Wir haben das mit dem Verein abgestimmt", erklärte Polizeisprecher Ulrich Biermann.

Polizei riet zur Verlegung 

Eine "polizeiliche Anordnung" aber, wie in der Pressemitteilung der HSV dargestellt, habe es nicht gegeben, zumal die Polizei wie beim Pokalspiel gegen Preußen Münster, als 100 Beamte im Einsatz waren, durchaus Kräfte bei Risiko-Partien bereitstellt. Die Behörde habe vielmehr zu einer Verlegung geraten.

Auch die HSV hatte bereits den Sonntag als neuen Termin ins Auge gefasst, weil dann der VfB Oldenburg und RW Ahlen ebenfalls im Einsatz sind. Das Problem dabei: Im Hammer Osten findet die Laufserie statt mit geschätzt 1000 Beteiligten. Weder in punkto Parkmöglichkeiten noch in Sachen Sicherheit wäre das eine adäquate Ausweichmöglichkeit gewesen, betonte Plocziki.

Und so muss ein neuer Termin für das Spiel gefunden werden. "Es ist bedauerlich, dass der SV Lippstadt und wir nun Leidtragende einiger weniger Chaoten geworden sind, denn wir hätte am Samstag liebend gerne gespielt, um uns nach der bitteren Niederlage in Ennepetal schnell wieder zu rehabilitieren", sagte HSV-Abteilungsleiter Dirk Blumenkemper.

Sicherheit der Fans geht vor

"Solche Dinge haben im Fußball nichts zu suchen, aber die Sicherheit unserer Zuschauer geht uns selbstverständlich vor." Aus allen Wolken fielen derweil die Verantwortlichen des Kontrahenten SV Lippstadt, die von der Mitteilung der HSV völlig überrumpelt wurden und darauf verwiesen, dass es vorerst keine offizielle Absage durch den Verband gegeben habe.

Staffelleiter Reinhold Spohn war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen. "Wir sind von diesen Vorkommnissen mehr als überrascht. Wenn die ganzen Dinge wirklich der Realität entsprechen, werden wir die Entscheidung, das Spiel abzusagen, natürlich mittragen", meinte SV-Präsident Thilo Altmann. "Auf jeden Fall ist es ein trauriger Tag für den Fußball." Trainer Daniel Farke war ebenfalls vor der Absage durch die Hammer nicht über die Vorgänge informiert, wollte sich auch nicht öffentlich äußern, sagte lediglich: "Wir nehmen es so, wie es kommt." - fh

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