Odonkor-Aussage "kam nicht von mir"

Zwiespältige Gefühle bei Gottwald nach Entlassung als HSV-Trainer

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Oliver Gottwald, am Sonntag als Trainer der Hammer SpVg entlassen, ärgert sich über die vielen Störgeräusche von außen, die ihm seine Arbeit erschwert hatten.

Hamm - Es war ein überaus kurzes Zusammenspiel zwischen Oliver Gottwald, bis Sonntag Trainer der Hammer SpVg, und David Odonkor, seit einer Woche Sportlicher Leiter des Fußball-Oberligisten.

Warum er so unmittelbar nach der Verpflichtung des früheren Nationalspielers entlassen wurde und wie es ihm jetzt geht, verriet der 45 Jahre alte Wittener in einem Gespräch mit Patrick Droste.

Herr Gottwald, wie steht es um Ihre Gefühlslage einen Tag nach Ihrer Entlassung? Gefrustet oder verärgert? Oder gar ein wenig erleichtert?

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Gottwald: Auf eine Art bin ich erleichtert. Meine Arbeit wurde mir in den letzten Wochen mit den ganzen Störgeräuschen nicht leicht gemacht. Leute, die im Verein nicht für den Fußball-Bereich tätig sind, haben mir reingeredet, so dass ich mich damit auseinandersetzen musste. Das kam zu den sportlichen Sachen erschwerend hinzu. Dadurch hatte man nie mal die Möglichkeit, in Ruhe zu arbeiten. Vorher habe ich meinen Trainerjob bei der HSV nämlich mit sehr viel Herzblut und Leidenschaft gemacht. Aber ich bin nun mal ein Typ, ich bin ich. Ich muss morgens mit einem guten Gewissen in den Spiegel schauen. Und das kann ich. Ich bin mit mir im Reinen.

Fing der Ärger denn mit der Verpflichtung von David Odonkor an? Oder gab es vorher auch schon Unstimmigkeiten?

Gottwald: Es gab auch vorher schon Probleme, wenn Leute reingeredet haben, die im Verein in anderen Bereichen tätig sind. Natürlich hat Herr Hickmann das Recht, einen Sportlichen Leiter zu installieren. Aber mit mir ist da nichts abgesprochen worden, ich bin darüber im Vorfeld nicht informiert worden. So etwas ist schade. Denn man muss sich doch kennenlernen und beschnüffeln, wenn man zusammenarbeiten soll.

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Aber zuerst schienen Sie von der Zusammenarbeit begeistert. Sie haben in der Pressemitteilung der Hammer SpVg, als der Einstieg von David Odonkor als Sportlicher Leiter offiziell verkündet wurde, gesagt: „Das ist ein qualitativer Quantensprung in unserer täglichen Arbeit. Was David bei uns einbringen wird, ist kaum zu toppen“. Wie stehen Sie jetzt zu dieser Aussage?

Gottwald: Ich bin da zitiert worden, ohne dass man mich gefragt hat. Diese Aussage kam nicht von mir. Das Gute an dieser Sache ist lediglich die Tatsache, dass die Leute, die mich kennen, wissen, dass ich so etwas nie gesagt habe. Das geht echt gar nicht, dass man da ein Zitat von mir veröffentlicht, das nicht der Wahrheit entspricht, das ich gar nicht gesagt habe.

Die Verantwortlichen der Hammer SpVg werfen Ihnen nun vor, dass Sie die Mannschaft seit Saisonbeginn kaum weiter entwickelt hätten und dass mehrere Matchbälle verpasst wurden, um sich auf den vorderen Plätzen der Oberliga festzusetzen. Wie stehen Sie dazu?

Vorstellung: David Odonkor wird Sportlicher Leiter der Hammer SpVg

Gottwald: Erst einmal muss ich sagen, dass ich Achim Hickmann dankbar bin, dass er mir diese Chance gegeben hat, bei der Hammer SpVg zu arbeiten, und dass er mir dieses Sprungbrett verschafft hat. Ich denke, dass ich diese Chance weitestgehend genutzt habe. Zur sportlichen Entwicklung kann ich nur sagen, dass die von März, als ich angefangen habe, bis Juni sehr gut war. Natürlich haben wir in der neuen Spielzeit einige Matchbälle nicht genutzt. Aber ich habe es trotzdem geschafft, dass die Mannschaft anders auftritt, dass sie mehr Stabilität hat. Und wenn man Gegner wie Stadtlohn, Marl-Hüls, Bielefeld II oder Neuenkirchen schlägt, kann man nicht unbedingt von Stillstand reden, zumal wir mit TSG Sprockhövel und Siegen gegen die beiden Spitzenreiter verloren haben. Es waren einfach zu viele Baustellen, um die ich mich kümmern musste.

Eine der Baustellen war Ihr Spieler Danny Radke, den Sie suspendiert hatten. Eine im Nachhinein falsche Entscheidung?

Gottwald: Bei ihm war einfach irgendwann ein Punkt erreicht, wo ich gesagt habe: Es reicht. Es waren ja schon im Vorfeld einige Sachen vorgefallen. Ich denke, dass ich in seiner Karriere einer der Trainer bin, der am längsten schützend die Hand über ihn gehalten hat. Ich hatte mit ihm Minimum zwei Gespräche pro Woche, um ihn wieder runterzuholen. Aber irgendwann hat es gereicht, das war beim Spiel in Gütersloh, als er beleidigt weggegangen war, als er einen Freistoß nicht schießen durfte. Daher habe ich die Reißleine gezogen.

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