Zoff um Degelmanns Kritik - TSC fühlt sich ausgegrenzt

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Im Zentrum der TSC-Kritik: Wiescherhöfens Spielertrainer Steven Degelmann (rechts).

Hamm - Das Verhältnis zwischen dem TuS Wiescherhöfen und dem TSC Hamm war zuletzt nicht das beste. Seit Sonntag hat es einen neuen Tiefpunkt erreicht. Die Verantwortlichen des TSC fühlen sich durch Aussagen von TuS-Spielertrainer Steven Degelmann, die er nach dem Derby in der Fußball-Bezirksliga gegenüber dem WA tätigte, ausgegrenzt.

Sie sprachen auf der Facebook-Seite des Klubs von „Hetze“ an der Grenze zum Rassismus. Seither tobt die Diskussion in dem sozialen Netzwerk.

Was ist passiert? Wiescherhöfen hatte eine über weite Strecken recht faire und erst in den Schlussminuten hitzige Partie, in der die TSC-Akteure Emir Bajric und Enes Akyüz wegen Meckerns vom Platz gestellt worden waren, mit 3:2 gewonnen. Nach dem Abpfiff hatte es vor den Kabinen Wortgefechte gegeben. Degelmann kritisierte das Verhalten der Gäste: „Ich bin enttäuscht, wie man sich immer wieder so benehmen kann. Wir werden unsere Konsequenzen ziehen und den TSC nicht mehr zu unserem Turnier einladen“, sagte er und schob eine Art Boykott-Aufruf hinterher: „Ich hoffe, dass andere Vereine unserem Beispiel folgen.“

Das brachte den TSC in Rage. „Diese an Rassismus und Abgrenzung nahe liegende Aussage werden wir nicht so im Raum stehen lassen“, schrieb der Klub via Facebook und verlangte eine offizielle Entschuldigung des TuS Wiescherhöfen. Die gab es nicht. Der TuS-Vorstand wehrte sich gegen die Vorwürfe: „Rassismus und Ausgrenzung haben in unserer heutigen Welt, und schon gar nicht im Fußball, nur den Hauch einer Berechtigung. Die nach dem Spiel getätigte emotionale Aussage unseres Trainers hat nach unserem Verständnis nichts mit Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit zu tun“, hieß es in der Stellungnahme. Vielmehr bezöge sich Degelmanns Statement auf die „unschönen und beleidigenden Aussagen“ von TSC-Akteuren „gegen unsere Zuschauer“ nach Schlusspfiff.

Beim TSC-Vorsitzenden Veysel Cerci stieß das auf wenig Gegenliebe: „Ich verstehe nicht, wie sich ein Verein vor einen Trainer stellen kann, der andere dazu aufruft, einen Klub auszugrenzen. Ich bin sehr, sehr enttäuscht. Der Kommentar von Degelmann ging unter die Gürtellinie. Das war Nachtreten“, sagte er dem WA. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es weiter: „Der TuS Wiescherhöfen sollte selbstkritisch nach den Gründen suchen und nicht die Schuld bei anderen suchen, damit es ihnen nicht wie Goethes Zauberlehrling ergeht: ,Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los.’“ Der Klub sei beim TSC immer ein gern gesehener Gast.

Trainer Erdal Akyüz ergänzte: „Es geht nicht um den Verein. Wir fühlen uns von Degelmann angegriffen, und das nicht zum ersten Mal“. Der Coach wies den Vorwurf des schlechten Benehmens nach Abpfiff zurück. „Auf dem Platz haben wir auch unseren Beitrag dazu geleistet, dass es hitzig wurde. Wir sagen nicht, dass wir Engel sind.“

Der TSC hat die Aussagen Degelmanns an die Bezirksspruchkammer weitergeleitet. Die soll prüfen, ob sie den Tatbestand des unsportlichen Verhaltens erfüllen. Erste Konsequenzen hat der Streit: Zwei türkisch-stämmige Sponsoren kündigten ihre Werbung im Stadion an der Wielandstraße. Das bestätigte der TuS-Vorsitzende Manfred Roland.

Degelmann, der am Dienstag seine Prüfung zur Trainer-B-Lizenz in Kaiserau ablegte, fühlt sich vom TSC missverstanden. „Was ich nach dem Spiel gesagt habe, war in keinster Weise rassistisch. Ich bin kein Rassist, das weise ich weit von mir. Mit ging es um das grundsätzliche Benehmen von TSC-Spielern nach Spielschluss“, sagte der 33-Jährige. „Es ist schade, dass so schnell der Rassismus-Vorwurf kommt. Damit ist die eigentliche Sache dann plötzlich kein Thema mehr.“

In puncto Boykott-Aufruf ruderte Degelmann allerdings zurück: „Das war eine Spur zu weit, das hätte ich mir sparen können. Jeder Verein soll und muss für sich entscheiden, wen er zu Turnieren einlädt.“ Ähnlich sah es Roland: „Das war keine glückliche Aussage. Da hat er sich etwas weit aus dem Fenster gelehnt.“ - sst

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