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Abschied von den Global Champions und Neuaufbau mit jungen Pferden

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Von: Rainer Gudra

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Zoe Osterhoff plant für die Saison 2022 einen Neuaufbau mit jungen Pferden.
Zoe Osterhoff plant für die Saison 2022 einen Neuaufbau mit jungen Pferden. © Rainer Gudra

Die Saison brachte für die Hammer Springreiterin Zoe Osterhoff teils dramatische Einschnitte mit sich. Dennoch gewinnt sie dem Jahr 2021 auch gute Seiten ab.

Das Jahr 2021 brachte für die Hammer Springreiterin Zoe Osterhoff teils dramatische Einschnitte mit sich: Trennung von Trainer und Geschäftspartner Alexander Bontemps, Umzug in die Niederlande in den Stall von Teamweltmeister Jur Vrieling, vergebliches Bangen um ihr Spitzenpferd nach einer schweren Kolik, eine langwierige Verletzung bei ihrer Nummer zwei und – damit verbunden – viele sportliche Rückschläge. Dennoch gewinnt die 22-Jährige, eine der weltbesten im U25-Bereich, dieser Zeit auch gute Seiten ab. „Ich habe sehr viel an Erfahrung hinzu gewonnen und durfte sehr viele interessante und wichtige Leute kennen lernen“, sagt sie.

Paderborn statt Paris oder St. Tropez

Im kommenden Jahr will Osterhoff wieder durchstarten. Dieses Mal aber nicht in der glamourösen Welt der Global Champions League mit Stationen in Abu Dhabi, St. Tropez, Paris, London oder Hamburg, sondern eine Liga tiefer. „Für die Global League braucht man sehr gute Pferde. Die habe ich jetzt auch, aber die sind dafür noch zu jung“, sagt sie. „Da mache ich lieber einen Schritt zurück, konzentriere mich auf die Youngster und möchte Ende 2022 wieder angreifen. Ich bin mir sicher, dass sich das lohnen wird.“ Paderborn, Pforzheim oder Peelbergen heißen nun die Stationen im Zuge des Neuaufbaus.

Tod des Spitzenpferdes

Mit der Oldenburger Stute Chacenny starb im Sommer ihr Spitzenpferd 14-jährig an einer Kolik. Und Elovely, ihr zweiter Sportkollege für die Wettbewerbe auf höchstem Fünfsterne-Niveau, verletzte sich relativ früh in der Saison beim Turnier in St. Tropez sehr unglücklich. Gerade wieder fit, steht dem bald 13-jährigen Wallach nun wegen eines eingewachsenen Zahns eine OP bevor – macht weitere acht Wochen Pause. „Aber besser jetzt im Winter, dann habe ich ihn für die Outdoor-Saison wieder fit“, sagt die Reiterin.

Emotional war der Tod von Chacenny für Osterhoff sehr schwer zu verkraften, sportlich auch. In der Weltrangliste ging es runter bis auf Position 655. Tendenz: gerade wieder steigend. Ein neues Pferd auf dem Niveau – unbezahlbar. „Was da auf den Auktionen für Preise aufgerufen werden, das steht in keinem Verhältnis mehr zu irgendwas“, sagt sie. So blieben ihr für die Turniere auf Top-Niveau nur zwei Vierbeiner, die „eigentlich meine Nummer vier oder fünf im Stall waren, die sich dann aber in der Not super nach vorne entwickelt haben“.

Fünfter Platz im Großen Preis

Als da wären: Ferrari VDL, 11-jährig und aus holländischer Zucht, sowie It‘s A Miracle, eine erst 8-jährige Schimmelstute (Dakar x Heartbreaker). Ferrari, der erstmals Ende Mai auf 1,50-Meter-Niveau in St. Tropez reüssierte, sorgte für Aufsehen, Punkte für die Weltrangliste und Prämien. „Das Pferd ist so cool. Und ich bin froh, dass Paul Schockemöhle als Mitbesitzer mir in dieser Situation den Rücken freigehalten und mich hat machen lassen.“ Und It’s A Miracle, ebenfalls mit königlich niederländischem Brand, entpuppte sich tatsächlich als kleines Wunder und schaffte ansatzlos den Sprung aus der Youngster-Tour in den großen Sport.

Noch am vergangenen Sonntag belegte Osterhoff mit ihr den fünften Platz im internationalen Großen Preis im niederländischen Peelbergen (CSI2*). Mit Hawaii-S, 9-jährig von Inshallah de Muse, belegte sie zudem in einem sehr gut besetzten 1,45-Meter-Springen den vierten Platz, dem 8-jährigen Franzosen Djinn de Riverland und dem gerade 7-jährigen Jamie gab sie dort Turniererfahrung. Gerade vom holländischen Youngster, gezogen von Bubalu VDL (Olympiazweiter 2012 und WM-Goldpferd 2015 unter Jur Vrieling), ist sie überzeugt: „Jamie ist sehr vorsichtig, Ich muss ihn behutsam aufbauen und er braucht deshalb noch ein bisschen Zeit. Aber er ist meine große Zukunftshoffnung.“

Ferrari hat verdiente Pause

Während Ferrari derzeit Pause hat („Der musste in diesem Jahr so oft an die Schüppe, das hat er sich mal so richtig verdient“), sucht die Reiterin nach Möglichkeiten, die drei anderen Vierbeiner – allesamt im eigenen Besitz – sowie für weitere Nachwuchshoffnungen passende Turniere zu finden. Aber Veranstaltungen sind im zweiten Corona-Winter erneut rar gesät. „Eigentlich wollte ich jetzt am Wochenende in Frankfurt international reiten“, sagt sie. Aber das Turnier in der Festhalle wurde ebenso abgesagt wie erst am Montag der im Januar geplante K+K-Cup in Münster, das Hallenturnier schlechthin im westfälischen Winter. „Das sind Traditionsveranstaltungen, die vom Publikum leben – und ohne muss man das nicht machen“, hat Osterhoff Verständnis für die Entscheidung der Organisatoren.

Glücklich über Wechsel

So werden es in erster Linie wohl kleinere Turniere in der Nähe ihrer neuen Wahlheimat Holwierde bei Groningen sein, um die Hallensaison zu überbrücken. Dorthin hatte es sie im Frühjahr mit ihren Pferden gezogen, nachdem sie als Jungunternehmerin drei Jahre lang mit Alexander Bontemps in Bissendorf bei Osnabrück einen Ausbildungs- und Handelsstall betrieben hatte. „Ich bin super happy, dass ich den Schritt gemacht habe nach Holland. Ich habe so viel von Jur (Vrieling) lernen können und ich versuche immer noch, mir so viel wie möglich von ihm abzuschauen und mitzunehmen“, sagt Osterhoff. Das will sie umsetzen bei der Arbeit mit ihren Nachwuchssportlern. Der Erfolg, da ist sie sich sicher, wird kommen. „Und“, sagt sie, „es wird besonders viel Spaß machen zu sehen, wie die Jungen sich unter dem eigenen Sattel entwickeln.“

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