HSV zittert sich in Bielefeld zum 3:2-Sieg

Der Ball im Netz, die Bielefelder geschockt: Hugo Magouhi dreht nach seinem 1:0 für die Hammer SpVg jubelnd ab. - Fotos: Stock

Bielefeld - Am Ende saß keiner mehr. Trainer, Betreuer und Ersatzspieler der Hammer SpVg hatten sich längst von ihrem Holzbänkchen erhoben, als Schiedsrichter Alexander Ernst die Oberliga-Partie im Stadion Rußheide abpfiff. Aus Sicht der HSV: endlich abpfiff. Sie rettete bei der U 23-Auswahl von Arminia Bielefeld in der dramatischen Schlussphase einen knappen 3:2-Erfolg ins Ziel – und bleibt auswärts damit weiter ohne Niederlage.

Hamms Trainer Oliver Gottwald riss mit Schlusspfiff seine Arme in die Höhe und pustete einmal kräftig durch. 3:0 hatte seine Mannschaft bereits geführt, ehe sie in der Schlussoffensive der Bielefelder unterzugehen drohte. „Nach dem dritten Tor hätten wir eigentlich den Deckel drauf machen müssen, stattdessen sind wir noch einmal ins Rutschen gekommen“, sagte der Wittener. Das Lächeln bekam er trotz neuerlicher Gegentreffer nach Standards dabei nicht aus dem Gesicht. Finster blickte dagegen sein Bielefelder Kollege Daniel Scherning drein, dessen Elf den Anschluss an die vorderen Plätze verpasst hatte. „Es reicht nicht, 30 Minuten gut zu spielen. Das war ein verdienter Sieg für Hamm“, sagte er zerknirscht.

Scherning hatte die Hammer SpVg bei ihrer 1:4-Niederlage gegen Spitzenreiter Sprockhövel beobachten lassen. Diese Erkenntnisse waren jedoch unbrauchbar, denn Gottwald hatte zwar nur zwei personelle Veränderungen in der Start-Elf (Damir Kurtovic für Niklas Rieker und Hugo Magouhi für Marcel Ramsey) vorgenommen, dazu im Mittelfeld von einer „Flachen Vier“ auf Raute umgestellt. Doch sein Team spielte wie komplett ausgewechselt. Es zeigte Qualitäten, die ihm am Sonntag zuvor über weite Strecken gefehlt hatten: Laufbereitschaft und Präsenz im Zweikampf.

Die Gäste waren zunächst die klar bessere Mannschaft. Semih Yigit ließ Steffen Lang – eine vor vier Leihgaben aus dem Profikader im Arminia-Team – wie einen Jugendspieler stehen, doch seine scharfe Hereingabe fand keinen Abnehmer (10.). Zwei Minuten später traf Tayfun Cakiroglu mit einem kapitalen Schuss aus 35 Metern den Pfosten. Kurz darauf parierte Bielefelds Keeper Christopher Balkenhoff einen Versuch von Magouhi, dem auffäligsten HSVer in der ersten Halbzeit.

Der Ivorer war es auch, der die Gäste in Führung brachte. Nach einer Kombination über Yakup Köse und Serdar Yigit scheiterte zunächst Jochen Höfler an Balkenhoff. Den Nachschuss stocherte Magouhi zur verdienten Führung über die Linie (26.). Danach wurde die Partie etwas offener, doch das Aufbauspiel der Gastgeber um den enttäuschenden früheren Erstliga-Profi Peer Kluge, der auf der Sechserposition untertauchte, war viel zu behäbig. Marco Hober (23.) und Almir Kusumovic (36.) vergaben die einzigen Torchancen für die Arminen. „Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn Hamm zur Pause 2:0 oder 3:0 geführt hätte“, gab Scherning zu.

Seine Laune besserte sich zu Beginn der zweiten 45 Minuten nicht. Im Gegenteil. Keine fünf Minuten waren gespielt, als Michael Kaminski eine Freistoßflanke von Cakiroglu zum 0:2 ins Tor köpfte (50.). Als danach in kurzer Folge erst Kevin Thume (54.) und dann Magouhi (56.) bei schnellen Gegenangriffen das 0:3 verpassten, hatte Scherning genug. Er brachte drei frische Leute, unter ihnen Andre Kording und der Ex-Rödinghausener Nico Schneck. Die beiden rissen die Partie an sich – und ihre Nebenleute mit. „Nach den Wechseln hatten wir eine Mannschaft auf dem Platz, die mir gefällt“, sagte Scherning.

Aus der guten Oberliga-Partie wurde nun eine sehr gute. Die Bielefelder drängten die HSV in die Defensive, aus der die Gäste mit schnellen Vorstößen jedoch gefährlich blieben. Erst scheiterte Semih Yigit aus spitzem Winkel (69.), und nur eine Minute später lupfte Serdar Yigit den Ball nach Vorarbeit des lauffreudigen Höfler aus 16 Metern über Balkenhoff hinweg zum 0:3 ins Tor (70.). Beruhigt zurücklehnen konnten sich die Gäste aber nicht. Auf der Gegenseite staubte Björn Jopek, zuletzt Union Berlin, nach vorherigem Lattentreffer von Leon Rinke zum 1:3 ab (72.). Das 2:3, das Rinke ganz freistehend hätte erzielen müssen (83.), besorgte drei Minuten später Kording (86.), auf den nach einem Eckball kein HSVer geachtet hatte.

Weitere Treffer fielen in der hektischen und dramatischen Schlussphase nicht mehr – auch nicht für die HSV. Höfler scheiterte mit einem an Semih Yigit verursachten Foulelfmeter an Balkenhoff (90.+2). Kurz darauf fand das Drama sein Ende. Ein gutes für die HSV. Wie so oft gegen Bielefeld.

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