Im Aktuellen Sportstudio des ZDF

Hammer Felix Krellmann duelliert sich mit Star-Schiri Gräfe an der Torwand

Felix Krellmann (vorne) in Aktion.
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Felix Krellmann (vorne) in Aktion.

Eigentlich hatte Felix Krellmann dieses Tor längst verdrängt. Zumal der Treffer des Hammers am 8. März 2020 zum zwischenzeitlichen 2:0 letztlich keinen Wert mehr hatte. Aber das Tor war so schön, dass es ihn jetzt ins ZDF-Sportstudio bringt.

Hamm – Krellmann verlor die Partie der Mittelrheinliga mit der SpVg Frechen 20 trotz der Führung durch zwei Gegentore in der Nachspielzeit noch mit 2:3 gegen die SpVg Wesseling-Urfeld. Umso überraschter war er, als er am Montag erfuhr, dass dieser Treffer zum schönsten Tor des Amateurfußballs erkoren wurde und er am Samstagabend im ZDF-Sportstudio vor einem Millionenpublikum an der berühmt-berüchtigten Torwand gegen Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe antreten wird.

„Eigentlich hatte ich geplant, am Samstag mit einem Freund Bundesliga im Fernsehen zu gucken. Jetzt fahre ich nach Mainz. Das ist ja mal richtig cool“, sagt Krellmann und zeigt sich im Vorfeld der live übertragenen Sportsendung noch recht gelassen: „Bislang bin ich sehr entspannt. Aber es würde mich wundern, wenn ich dann kurz vorher nicht doch ein bisschen nervös sein werde.“

Erst Lohauserholz, dann SV Westfalia Rhynern

Krellmann hatte das Fußballspielen in Lohauserholz begonnen, ehe er in der Jugend zum SV Westfalia Rhynern wechselte, wo er auch jahrelang Stammspieler in der ersten Mannschaft war. Im Winter 2015 zog er nach Köln, wo er an der Sporthochschule studierte und er sich dem FC Hürth anschloss. Nach eineinhalb Jahren wechselte er im Sommer 2017 zur SpVg Frechen 20 in die Landesliga, mit der er kurze Zeit später in die Mittelrheinliga aufstieg.

„Frechen kann man mit Rhynern vergleichen. Da gibt es keine Fußball-Söldner, sondern es ist ein sehr familiärer Verein, bei dem man nicht nur wegen des Fußballspielens gerne ist, sondern auch wegen der Menschen“, sagt Krellmann, der nach Abschluss des Sportstudiums vor zwei Jahren mittlerweile eine Ausbildung zum Technischen Systemplaner macht.

Regelmäßiges Training in Zweiergruppen

Auch in Köln und Umgebung liegt wegen der Corona-Pandemie derzeit genauso wie in Hamm der Spielbetrieb noch lahm, trotzdem treffen sich die Akteure der SpVg Frechen regelmäßig auf dem Sportplatz zum Training. „Wir machen dann in Zweiergruppen was. Das ist von der Stadt abgesegnet und macht mehr Spaß als immer nur laufen zu gehen. Und es hilft ein bisschen, um im Rhythmus zu bleiben und den Kontakt zu den anderen Jungs nicht abreißen zu lassen. Und bald geht ja wohl auch wieder mehr“, meint der Hammer, der Anfang dieser Woche von seiner Vergangenheit beziehungsweise seinem Tor von vor einem Jahr eingeholt wurde.

Da wurde er vom Medienbeauftragten der SpVg Frechen kontaktiert und gefragt, ob er die Nummer von Krellmann an die Verantwortlichen der Fußball-Community „Hartplatzhelden“ weiterleiten könne. Der mittlerweile 27-Jährige gab sein Okay und bekam wenig später die Nachricht, dass er wegen seines Treffers aus der Partie gegen Wesseling-Urfeld ausgewählt worden sei, um am Samstag im Sportstudio gegen die Torwand zu schießen. „Die Hartplatzhelden kooperieren seit Jahren mit dem Sportstudio, küren die schönsten Tore aus dem Amateurfußball und schicken den Sieger an die Torwand, um gegen den prominenten Studiogast anzutreten“, erklärt Krellmann. „Und offensichtlich haben die aufgrund des Stopps im Spielbetrieb keine aktuellen Treffer und haben daher mein Tor aus dem letzten Jahr herausgekramt.“

Heber aus mehr als 30 Meter Entfernung

Auch wenn der Schuss von Krellmann der SpVg Frechen an diesem 8. März 2020 keine Punkte brachte, er war dennoch sehenswert. Marvin Oluwa hatte den Ball unter Bedrängnis am eigenen Strafraum weit nach vorne geschossen. An der Mittellinie versuchte Lucas Carell von der SpVg Wessling-Urfeld das Spielgerät unter Kontrolle zu bekommen, was aber nicht gelang. Krellmann ging dazwischen, erobert das Leder, lief noch einige Meter und überwand Gästekeeper Jörg Gäber mit einem feiner Heber aus mehr als 30 Meter Entfernung.

„Das ist schon so lange her. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, ob ich gesehen habe, dass der Torwart zu weit vor dem Tor stand oder ob ich einfach draufgehalten habe. Aber es muss auf jeden Fall eine richtige Entscheidung gewesen sein. Sonst wäre der Ball ja nicht reingegangen“, sagt Krellmann über das Tor zum 2:0 unmittelbar vor dem Pausenpfiff.

Als den Gästen aber nach dem Wechsel zuerst der Anschlusstreffer und dann in der zweiten sowie dritten Minute der Nachspielzeit der Ausgleich und letztlich sogar der 3:2-Sieg gelungen war, hatte Krellmann diesem Tor nicht mehr viel Bedeutung beigemessen – bis am Montag der Anruf kam und er nun noch einmal von dieser Bogenlampe erzählen wird, ehe er an der Torwand gefordert ist.

Ein paar Probeschüsse sind gestattet

Zeit zum Üben, um bei den insgesamt drei Versuchen unten rechts und oben links möglichst treffsicher zu sein, hatte er in den vergangenen Tagen nicht. Allerdings wurde ihm in einer Mail vom ZDF mitgeteilt, dass er sich um 20 Uhr am Sendesaal in Mainz-Lerchenberg einzufinden habe. Dort hätte er dann auch noch Zeit, um ein paar Probeschüsse abzugeben. Ob es letztlich ein Vorteil ist, dass er nicht gegen einen Bundesliga-Profi, sondern gegen einen Unparteiischen antreten wird, weiß er noch nicht. „Gegen einen Schiedsrichter hat man vielleicht eine bessere Chance, den Gutschein von 1000 Euro zu gewinnen. Aber gleichzeitig kann man auch doof aussehen, wenn man gegen den verliert“, sagt Krellmann. Doch wenn er an der Torwand nur annähernd so gut trifft wie im vergangenen Jahr mit seinem Schuss aus über 30 Metern, dann kann eigentlich nichts schiefgehen.

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