Fußball

Spieler der SG Bockum-Hövel unterschreibt Profivertrag in der Türkei

Yakup Kilinc (links), hier im Duell mit der Hammer SpVg, hat in der Türkei einen Profivertrag unterschrieben.
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Yakup Kilinc (links), hier im Duell mit der Hammer SpVg, hat in der Türkei einen Profivertrag unterschrieben.

Erst im vergangenen Sommer war Yakup Kilinc aus den A-Junioren von RW Ahlen zum Fußball-Landesligisten SG Bockum-Hövel gewechselt. Jetzt zieht es den talentierten Innenverteidiger bereits weiter.

Hamm - Der 19-Jährige hat in der Türkei bei Sancaktepe FK, einem Istanbuler Stadtteilverein aus der TFF 2. Lig, einen Vertrag unterschrieben und wird sein Geld nun als Fußball-Profi in der dritten türkischen Liga verdienen. „Da hat sich für mich ein absoluter Traum erfüllt. So etwas stellt man sich ja immer vor, wenn man als Kind mit dem Fußballspielen anfängt“, sagt Kilinc.

Es war Anfang des Jahres, als er von einer kleinen Laufeinheit wieder nach Hause gekommen war. Da fand er auf seinem Smartphone eine kurze Nachricht von Ersin Baydemir, Inhaber der Uefa-Trainer-B-Lizenz und Mitglied der Trainer-Academy von Fenerbahce Istanbul. „Ich wusste, dass Ersin ständig auf der Suche nach guten jungen Spielern ist. Und er hatte wohl von meinem Talent gehört. Er fragte mich dann, ob ich nicht Innenverteidiger sei“, erinnert sich Kilinc und antwortete mit einem knappen „Ja“. Umgehend bekam er eine Nachricht mit der Frage „Türkei?“ zurück. „Da war ich richtiggehend geschockt. Ich habe da nicht lange gezögert, sondern sofort zugesagt. Ich wusste sofort, was er wollte“, erklärt er. „Er hatte einen Verein in einer professionellen Liga für mich.”

Anschließend ging alles sehr schnell. Kilinc, der bei den Sportfreunden Bockum mit dem Fußballspielen anfing und anschließend bei RW Ahlen ausgebildet wurde, musste einen Corona-Test absolvieren und saß bereits drei Tage später zusammen mit seinem Vater in einem Flieger Richtung Istanbul. „Mein Vater hat mich seit meiner Kindheit unterstützt, stand immer hinter mir und war auch früher mein Trainer“, sagt er. Nach der Ankunft schauten sich die beiden das Trainingsgelände von Sancaktepe zusammen an, ehe Kilinc den bis 2023 laufenden Vertrag unterschrieb und anschließend schon an den ersten Trainingseinheiten teilnahm.

Wohnung auf dem Trainingsgelände

Bei seinem neuen Verein wohnt Kilinc direkt auf dem Trainingsgelände, kann von seinem kleinen Balkon das Stadion sehen und fühlt sich in der Mannschaft von Coach Adem Akin bereits sehr gut aufgenommen.

„Das ist ein spannendes Projekt hier. Der Verein setzt auf junge Spieler, die für höhere Aufgaben ausgebildet werden sollen. Es sind auch einige andere Jungs aus Deutschland in unserem Team, so dass es mir sehr leicht fiel, in der Mannschaft anzukommen“, sagt der in Antalya geborene und in Bockum-Hövel aufgewachsene Kilinc.

Bei der SG sehen die Verantwortlichen den Wechsel des Innenverteidigers, der zusammen mit Justin Krausch ein starkes Duo im zentralen Abwehrblock gebildet hatte, mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“, wie es Trainer David Schmidt betont. Denn nachdem Kilinc im vergangenen Sommer nur knapp den Sprung in den Regionalliga-Kader von RW Ahlen verpasst hatte, war der Spielertrainer der SG froh, den jungen Defensivspezialisten in das Adolf-Brühl-Stadion locken zu können. „Yakup hat definitiv das Potenzial, höherklassig zu spielen. Er ist mit seinen 19 Jahren bereits sehr zweikampfstark, verfügt über ein gutes Passspiel und hat eine für einen Innenverteidiger feine Technik“, sagt der Coach. „Für uns ist sein Weggang schon ein herber Verlust. Wir hatten von Anfang an auf ihn gesetzt und ihm im Seniorenbereich zu viel Spielpraxis verholfen. Aber so ein Wechsel ist natürlich auch Werbung für unseren Verein und gut für unseren Ruf. Wir haben ihm bei seiner Entwicklung geholfen und haben sicherlich auch einen gewissen Anteil daran, dass er jetzt in einer türkischen Profi-Liga Fuß fassen kann.“

Schmidt ist nicht enttäuscht

Daher ist Schmidt auch in keiner Weise enttäuscht über den kurzfristigen Abgang seines Stammspielers. „Yakup hat uns frühzeitig über seine Absichten informiert. Und wir hatten vorher abgesprochen, dass wir ihn nicht fesseln werden, wenn er ein höherklassiges Angebot bekommt. Allerdings denke ich, dass ihm ein weiteres Jahr bei uns sicherlich gut getan hätte, um sich vor dem nächsten Schritt noch ein wenig mehr an den Seniorenfußball zu gewöhnen.“

Kilinc selbst spricht ebenfalls in den höchsten Tönen über seinen Ex-Verein, auch wenn er lediglich ein halbes Jahr in Bockum-Hövel aktiv war und in dieser Zeit bis zum coronabedingten Lockdown Anfang November nur fünf Meisterschaftsspiele bestritten hat. „Ich war, glaube ich, der jüngste Spieler im Team. Und trotzdem hat man zu 100 Prozent auf mich gesetzt. Ich hatte die Freiheiten, auch Fehler machen zu können. David hat mir immer ein gutes Gefühl gegeben, und dadurch konnte ich viel Selbstbewusstsein entwickeln. Das war eine sehr wichtige Zeit für mich“, sagt Kilinc. „Und auch in der SG-Mannschaft mit der guten Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern habe ich mich sehr wohl gefühlt, was dazu beigetragen hat, dass sich mich entwickeln konnte.“

Jetzt aber gehören die wenigen Monate in Bockum-Hövel bereits der Vergangenheit an. Was für ihn jetzt zählt, ist seine neue Herausforderung bei Sancaktepe FK, wo er nun seinem ersten Einsatz als Fußball-Profi entgegenfiebert.

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