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„Wunden lecken“ bei der HSV nach dem So-gut-wie-Abstieg

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Von: Rainer Gudra

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Große Niedergeschlagenheit herrschte nach dem 1:3 gegen Clarholz bei den Spielern der Hammer SpVg.
Große Niedergeschlagenheit herrschte nach dem 1:3 gegen Clarholz bei den Spielern der Hammer SpVg. © Reiner Mroß/Digitalbild

Zwei Siege aus neun von insgesamt zehn Spielen in der Abstiegsrunde der Fußball-Oberliga Westfalen werden der Hammer SpVg nicht zum Klassenerhalt reichen.

Hamm - Das 1:3 (1:1) am Sonntag gegen Clarholz besiegelte wohl den Abstieg in die Westfalenliga, auch wenn abenteuerliche Rechenmodelle vor dem letzten Saisonspiel am kommenden Sonntag beim Schlusslicht Westfalia Herne noch eine minimale Restchance ergeben. So oder so wird es einen Umbruch geben – mit einem neuen Trainer. Nur: wer geht den Weg in die Westfalenliga mit?

Erst einmal sacken lassen

„Es ist nicht einmal 24 Stunden nach dem, was da gestern passiert ist. Wir sind noch dabei, unsere Wunden zu lecken“, sagte Dirk Blumenkemper, Abteilungsleiter Fußball, am Montagmittag auf Anfrage. „Wenn wir uns gesammelt haben, werden wir uns in den nächsten Tagen zusammensetzen. Noch ist die Saison ja auch nicht beendet.“

Dann soll nach der Demission von Steven Degelmann auch die Trainerfrage weiter erörtert werden: „In den letzten zwei Wochen hat es Fortschritte gegeben. Aber auch hier wirkt das Ergebnis vom Sonntag nach. Wir müssen jetzt die Reaktionen der Aspiranten abwarten; vielleicht hatte der eine oder andere doch zu große Hoffnungen, einen Oberligisten trainieren zu können.“

Am Ende fehlt die Routine

In der härtesten Ausscheidungsrallye der jüngeren Oberliga-Geschichte mit fünf Absteigern aus einer 11er Gruppe fehlte es der HSV letztlich an Routine, weil Torjäger Marcel Todte und Kapitän Philipp Grodowski verletzt waren und sich Hosan Ahmed durch taktische Disziplinlosigkeiten ins Abseits manövriert hatte. „Ich denke, dass wir mit unserer Erfahrung sicherlich hätten helfen können. Aber das gehört auch zum Fußball“, sagt Todte, der nach seinem Studium inzwischen Vollzeit arbeitet und deshalb in seine Heimat Minden zurückkehren wird: „Der Aufwand wäre sonst zu groß.“

Ocansey unterschreibt in Gütersloh

Er ist nicht der einzige Abgang: Vincent Ocansey unterschrieb am vergangenen Wochenende beim FC Gütersloh, Sturmkollege Frederik Falk ist sich seit geraumer Zeit mit dem Landesligisten SV Herbern einig, und Andrei Lorengel wird als Zugang des SVF Herringen die Kreisliga A bereichern. Torhüter Tim Oberwahrenbrock wurde zuletzt bereits vom jungen Jonas Trebing vertreten, während neben Edeltechniker Ahmed auch die Winterzugänge Caisey Backhaus und Lutonda Ntiti vorzeitig ausgemustert worden sind.

Patrick Schmidt, Mika Oxe, Anil Saraman, Emre Cakir, Jannik Guhse, Julius Woitaschek, Sebastian Stroemer haben schon früher im Jahr ihre Zusage für eine weitere Saison bei der HSV gegeben – das hatte ursprünglich aber auch Lorengel.

Grodowskis Zukunft noch offen

Offen ist die Zukunft von Philipp Grodowski, dessen Verbleib auf Basis einer mündlichen Vereinbarung bereits veröffentlicht worden war. „Ich habe aber noch keinen Vertrag unterschrieben“, sagt der Kapitän, der Anfragen von zwei höherklassigen Vereinen vorliegen hat. „Sollte es da keine Einigung geben, könnte ich mir gut vorstellen, eine Zukunft in Hamm zu haben“, sagte er.

Derweil bittet auch Holger Wortmann um ein bisschen mehr Abstand zum Geschehenen, bevor es Antworten auf weitere Fragen gibt. „Die Personalplanung ist weit fortgeschritten. Es wird zum Ende der Woche Namen geben. Bei den Neuzugängen ist bei einem Spieler noch Gesprächsbedarf, weil es nur für die Oberliga war, alles andere ist sowohl als auch“, sagt der Sportliche Leiter und Interimstrainer. „Ansonsten sollte man auch den Spielern die Möglichkeit geben, sich in aller Ruhe mit der Situation auseinanderzusetzen. Das macht ja auch etwas mit den Jungs. Ich werde am Dienstag beim Training noch mit einigen Leuten sprechen.“

Zugänge aus unteren Spielklassen

Als Zugänge gemeldet sind bisher ausschließlich Spieler aus unteren Ligen: Giuliano Nieddu (SVE Heessen, vorher schon für RW Ahlen in der Ober- und Regionalliga aktiv), Davin Wöstmann (Torjäger des Bezirksligisten SV Neubeckum), Thorben Beckmann (Torhüter SC Sönnern) sowie Lamine Kourouma (Abwehrspieler beim Landesliga-Aufsteiger Westfalia Soest).

Auch für Grodowski ist in der Nachbetrachtung klar, warum die HSV – Stand heute – absteigen wird: „Wir haben nach den zwei Jahren zuvor jetzt immer wieder gezeigt, dass wir in der Oberliga konkurrenzfähig sind, wurden aber immer wieder durch individuelle Fehler zurückgeworfen. Wir haben die jungen Spieler, und davon haben wir viele, immer in Schutz genommen, aber jetzt wird abgerechnet. Und da ist es dann egal, ob jung oder alt – so steigt man ab.“

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