Fußball

Wohlfühlfaktor statt Wandervogel: Benny Vogel hält Heessen die Treue

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Defensiver Eckpfeiler: Benny Vogel (links) hält dem SVE Heessen die Treue.

Benny Vogel hält dem SVE Heessen seit mittlerweile 16 Jahren die Treue – künftig in der Bezirksliga. Anfragen anderer Klubs lehnte der Defensivspieler stets ab.

Hamm - Vereinstreue scheint in der heutigen Zeit ein Relikt aus vergangenen Tagen zu sein. Lockt irgendwo ein Klub mit ein paar Euro mehr, dann setzen viele Spieler im Frühsommer ihre Abmeldung auf und heuern flugs bei einer anderen Mannschaft an. Ein Jahr später wiederholt sich die Geschichte oftmals – und schon wird wieder der Verein gewechselt. Auch Benedikt-Nico Vogel, den alle nur Benny rufen, hatte immer mal wieder lose Anfragen von anderen Klubs. Doch der mittlerweile 27-Jährige lehnte jedes Mal ab.

„Es gab nie den Reiz, woanders hinzugehen. Das gesamte Etwas passt einfach beim SVE. Wenn ich zum Platz komme, kenne ich mindestens 90 Prozent der Leute“, erklärt er, warum er seit 16 Jahren ununterbrochen für die Heessener aufläuft und keinen Gedanken an einen Vereinswechsel verschwendet.

Dabei hat er im Marienstadion mit seiner Mannschaft genauso viele Höhen wie Tiefen erlebt. Doch das rein Sportliche ist nicht alles, was für Vogel zählt. „Es ist beim SVE ein familiäres Umfeld mit vielen supernetten Leuten und Ehrenamtlichen, die viel Freizeit für den Verein opfern“, betont der Defensivspezialist. „Außerdem tut sich da jedes Jahr etwas, so wie zuletzt mit dem neuen Vereinsheim oder der Kita. Das finde ich spannend und klasse.“

Der BV 09 Hamm war die erste Station

Seine fußballerische Karriere hatte er allerdings gar nicht im Heessener Marienstadion gestartet, sondern 1997 im Alter von vier Jahren am Nordendamm beim BV 09 Hamm. Im Sommer 2004 zog es ihn dann zum damaligen SV 26 Heessen, der zwei Jahre später mit dem SC Eintracht zum SVE verschmolz – und der seitdem ohne Wenn und Aber seine fußballerische Heimat ist. „Ich hätte vielleicht ein, zwei Ligen höher spielen können. Aber mir war schon recht früh klar, dass Fußball nie mehr als ein Hobby für mich sein wird. Und da ist der Wohlfühlfaktor beim SVE für mich deutlich wichtiger als woanders 50 Euro mehr im Monat zu bekommen“, stellt er klar.

Schon in der Jugend hatte er mit den B-Junioren einen Abstieg verkraften müssen, durfte dann aber mit den A-Junioren den Aufstieg in die Bezirksliga feiern. Und auch bei den Senioren ging es mal hoch aus der Kreisliga A (2015) und zwei Jahre später wieder raus aus der Bezirksliga nach unten (2017).

"Einer der bittersten Augenblicke"

Besonders ärgerlich war für ihn vor einem Jahr der nach einer furiosen Kreisliga-Saison knapp verpasste Aufstieg in der Relegationsrunde zur Bezirksliga. „Nach der Meisterschaft waren wir im Freudentaumel. Und dann scheitern wir so knapp. Das war schon hart und definitiv einer der bittersten Augenblicke meiner Fußball-Karriere“, erinnert sich Vogel an die Geschehnisse aus dem vergangenen Frühsommer, als die Heessener ihren Traum von der Rückkehr in die Bezirksliga auf unglückliche Weise begraben mussten.

Das damals Verpasste hat der SVE nun nachgeholt, wenn auch unter komplett anderen Bedingungen.Durch den Abbruch der Saison wegen des Coronavirus wurde das Team aus dem Marienstadion am grünen Tisch zum Meister und Aufsteiger erklärt. „Leider gab es keine Aufstiegsparty, aber die holen wir nach“, sagt Vogel. „Aber nach dem vergangenen Jahr war uns das dieses Mal völlig egal. Es zählt nur der Aufstieg. Als die Nachricht bei uns in die Whatsapp-Gruppe kam, war die Freude bei allen schon sehr groß. Denn die Bezirksliga ist eine coole Sache, auf die wir als Mannschaft alle großen Bock haben.“

Nur eine Niederlage aus 18 Partien

Dass der Aufstieg völlig verdient war, steht nicht nur für Vogel außer Frage. Die Heessener hatten nach einer kurzen Sommerpause im vergangenen Jahr mit ihrem neuen Spielertrainer Rouven Meschede auf beeindruckende Weise schnell wieder zu alter Form gefunden und standen beim Abbruch mit nur einer Niederlage aus 18 Partien erneut an der Spitze der Kreisliga A.

Und dazu hat auch Benny Vogel, der vor Beginn der aktuellen Spielzeit von seinem Coach zum neuen Mannschaftskapitän bestimmt worden war, einmal mehr seinen Teil zu beigetragen. Vom defensiven Mittelfeldspieler ist er mittlerweile zum Innenverteidiger umfunktioniert worden und baut aus der Zentrale zusammen mit seinem Nebenmann Dominik Giffey das Spiel des SVE auf. „Da unsere Gegner meist recht tief stehen, sind wir schon hinten gefordert, Struktur in unsere Aktionen zu bekommen“, sagt Vogel, der in diesem Jahr allerdings noch kein Spiel für den SVE bestritten hat.

In der Vorbereitung auf das traditionsreiche Anton-Rehbein-Hallenturnier hatte er sich seinen Fuß gebrochen und war erst eine Woche vor der Saisonunterbrechung, die vom Verband aufgrund des Coronavirus angeordnet worden war, wieder ins Lauftraining eingestiegen. Daher hielt er sich zuletzt zuhause fit und setzte sich zum Beispiel auf sein Ergometer. „Klar will man fit bleiben. Mein Sportprogramm ziehe ich weiter durch. Aber so langsam nervt es, das immer alleine zu machen“, hofft er, dass er möglichst schnell wieder auf dem Fußballplatz stehen und zumindest im Training wieder dem Ball nachjagen kann.

Rouven Meschede lobt seinen Kapitän

Sein Coach ist jedenfalls froh, dass ihm sein Kapitän zur neuen Saison – wann immer diese auch starten wird – wieder zur Verfügung stehen wird. „Ich schätze die ruhige und gelassene Art von Benny auf und neben dem Platz sehr. Er ist ein sehr sachlicher und vor allem zuverlässiger Spieler, der immer seine Leistung abruft. Meiner Meinung nach hat er das beste Aufbauspiel aller Innenverteidiger in der Kreisliga. Er ist absolut gesetzt bei uns, solche Spieler wie ihn braucht man einfach“, sagt Rouven Meschede und hofft, dass er noch lange auf die Dienste seines Mannschaftsführers zurückgreifen kann.

Denn der verschwendet auch im Hinblick auf die Zukunft keinen Gedanken an einen Vereinswechsel – es sei denn, es tritt für ihn eine berufliche Veränderung ein.

Derzeit studiert er noch Sport und Gesundheitstechnik an der Hochschule Hamm-Lippstadt. „Aber da werde ich bald fertig sein. Und wohin es mich dann verschlägt, weiß ich nicht“, sagt er, kann sich aber eigentlich nicht vorstellen, für einen anderen Verein als den SVE aufzulaufen. „In Heessen ist alles top, zumal wir ja jetzt auch noch aufgestiegen sind und wieder in der Bezirksliga spielen. Ich bin jedenfalls froh, dass ich kein Wandervogel bin.“

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