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WM-Silber für Linn Kleine

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Von: Rainer Gudra

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Mit der Auswahl des Deutschen Hochschul-Sportverbandes gewann Linn Kleine (rechts) WM-Silber.
Mit der Auswahl des Deutschen Hochschul-Sportverbandes gewann Linn Kleine (rechts) WM-Silber. © Kleine

Die Hammer Leichtathletin Linn Kleine hat ihre erste internationale Medaille gewonnen. Die 20-Jährige sicherte sich bei der Cross-Weltmeisterschaft der Studierenden im portugiesischen Aveiro Platz zwei mit dem Frauenteam des Deutschen Hochschulsport-Verbandes (adh) und Rang zehn in der Einzelwertung unter Läuferinnen aus 13 Nationen. 

Hamm - Und das, obwohl die Bedingungen alles andere als optimal waren. Alleine die Anreise mit dem Flug bis Porto, dem anschließenden Shuttle an den Wettkampfort einschließlich Coronatest und aller Hygienemaßnahmen dauerte 16 Stunden. „Schon eine sehr große Belastung“, meinte Kleine. Ich wollte alles für die Mannschaft geben. Als ich im Ziel gehört habe, dass es für Silber gereicht hat, war die Freude riesig. Die Siegerehrung werde ich nie vergessen“, beschreibt sie ihre Gefühlslage nach dem Wettbewerb. Weiteres Highlight: Kleine ging am Tag zuvor bei der Eröffnungsfeier dem deutschen Team als Fahnenträgerin voran. „Ein absoluter Gänsehautmoment“, sagt sie.

Zweitschnellste Deutsche

In der Teamwertung waren die Britinnen nicht zu schlagen, Rang drei ging an Spanien. Für die 9 693 Meter lange Strecke benötigte Kleine als zweitschnellste Deutsche hinter Celine Kaiser (Uni Freiburg) und vor Selma Benfares (Uni Saarbrücken) genau 33:02 Minuten. „Das war schon eine sehr starke Zeit, zumal die Strecke sehr schwierig war. Sie war eine echte Herausforderung“, sagt Kleine, die Psychologie an der Uni Bochum studiert.

Der Großteil des Rennens spielte sich auf einer Motocrosspiste ab. „Sie bestand hauptsächlich aus Sand, der zwischendurch zu Hügeln aufgeschüttet war, und Rasen. Und sie war phasenweise sehr matschig“, berichtet Kleine. „Drei Monate lang hat es vorher nicht geregnet, aber als wir da waren, dann permanent.“ Starkregen und Sturm sorgten in Aveiro, an der Atlantikküste gelegen, für erschwerte Bedingungen. „Richtiges Crosswetter also. An vielen Stellen sind wir tief im Matsch eingesunken. Es zählte also definitiv auch der Kampfgeist im Rennen.“

Der Wettbewerb auf der sehr kurvigen Strecke verlief für die Hammerin gut: „Ich hatte von Beginn an immer Kontakt zur Führung, konnte aber gut meinen eigenen Schritt laufen. Die Streckenbesichtigung am Vortag hat mir auf jeden Fall geholfen“, berichtet sie.

Formkurve zeigt „sehr steil“ nach oben

Den Grundstein zur Teilnahme an der Weltmeisterschaft hatte Kleine im vergangenen November gelegt – mit Platz vier bei der Deutschen Hochschulmeisterschaft in Mengerskirchen. Ihre Formkurve zeigte schon da nach oben – inzwischen sogar „sehr steil nach oben“, wie die Athlein sagt. „Vor einem Jahr bin ich noch 36:00 über die 10 000 gelaufen.“ Nun pulverisierte sie am 22. Februar ihre Bestzeit über zehn Kilometer auf der Straße und lief beim Do It Fast-Lauf in Dortmund 34:07 Minuten – sehr zur Freude ihres Heimtrainers Pierre Ayadi.

Und am 6. März, beim Lauf unter dem Bayer-Kreuz in Leverkusen, kam sie nach 33:15 Minuten ins Ziel – eine Zeit, die ihr sogar ein bisschen Hoffnung macht, ins Blickfeld für die großen Europameisterschaften in diesem Jahr (15. bis 21. August) im Münchener Olympiastadion zu geraten. Ihr Blick geht inzwischen über die U23-Klasse und deren Wettbewerbe hinaus. „Ich hoffe, dass ich diese Form mit in den Sommer nehmen kann. Und im Stadion ist das ja noch einmal etwas anderes. Vielleicht gibt’s da einen Pacemaker, man läuft mit Spikes, die Bahn ist schneller.“ Eigentlich war die Zielvorgabe für 2022 eine Zeit von 33:15 Minuten, inzwischen „habe ich mir schon eine 32er noch für dieses Jahr vorgenommen.“

Großes Ziel ist die Qualifikation für die Universiade

Da es für 2022 im U23-Bereich neben der deutschen keine weitere internationale Meisterschaft gibt, ist für Kleine die Qualifikation für die 31. Universiade, die Welthochschulspiele, das ganz große Ziel. Die „Chengdu 2021 FISU World University Games“ werden in der Zeit vom 26. Juni bis zum 7. Juli in der Hauptstadt der chinesischen Provinz Sichuan ausgetragen. Aber selbst mit Silber, Platz zehn im Einzel und ihren Top-Zeiten hat Kleine das Ticket längst nicht sicher. „Ich habe die Norm zwar unterboten, aber man weiß ja nie, wie schnell die Konkurrentinnen sind und wie viele andere das auch schaffen.“ Um die besten Vorausetzungen für weitere Top-Zeiten zu schaffen, wird Kleine am 31. März ein vierwöchiges Höhentrainingslager beziehen. Es geht nach Flagstaff in den US-Bundesstaat Arizona, wo auf 2 100 Meter perfekte Bedingungen herrschen.

Obwohl die Hammerin im Perspektivkader des Deutschen Leichtathletikverbandes notiert ist, muss sie die Kosten selber tragen. Mehr als 3000 Euro kommen da zusammen. „Aber“, sagt sie, „so ein Trainingslager ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Vorbereitung, deshalb bezahle ich das dann auch selbst.“

Am 28. April kehrt Kleine aus den USA zurück, bereits am 8. Mai steht zeitnah mit der Deutschen Meisterschaft auf der Langstrecke in Pliezhausen bei Tübingen der erste Härtetest auf dem Programm.

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