Handball

Wird Torwart Oliver Krechel eine Alternative für den ASV II?

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Die ASV-Drittligamannschaft könnte auch zur Alternative für Oliver Krechel werden.

Oliver Krechel und der ASV Hamm-Westfalen haben sich auf keinen neuen Vertrag einigen können. Der Torwart sucht einen neuen Klub, könnte sich aber auch beruflich neu orientieren. Oder gibt es eine Überraschung?

Hamm - Es ist noch gar nicht so lange her, da kam es vor, dass Oliver Krechel nach einer gelungenen Parade für den Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen seinen Gegenspieler bis zur Mittellinie verfolgte und ihm nach dem gewonnenen Duell noch ein paar freundliche Worte mit auf den Weg gab. Krechel ist ein Torhüter, der auf der Platte seine Emotionen auslebt. Seit dem Beginn der Coronakrise kann er das nicht mehr. Und auch beim ASV wird er das künftig nicht mehr können – zumindest nicht im Trikot des Zweitliga-Teams.

Krechels Vertrag läuft zum Saisonende aus. In den Vertragsverhandlungen mit den ASV-Verantwortlichen kam es zu keiner Einigung. So weit, so üblich. Doch damals konnte der Torhüter noch nichts ahnen vom Virus und den Spuren, die es im Profisport hinterlassen würde. „Wir wären sonst vielleicht zu einem anderen Ergebnis gekommen. Aber letztlich haben sich unsere Wege getrennt“, sagt Krechel, der Anfang März noch in guten Verhandlungen mit anderen Klubs stand, nun aber die veränderten Voraussetzungen mit voller Wucht zu spüren bekommt. „Jetzt herrscht kompletter Stillstand. Wenn du bei den Vereinen nachfragst, ob sie Interesse haben, kommt als Antwort: Klar, aber wir haben keine Planungssicherheit, können dein Gehalt nicht garantieren.“

Nur genau diese Planungssicherheit ist unabdingbar für den 29-jährigen Familienvater. „Mit Familie ist es schwierig, bis zum Sommer auf Angebote zu warten“, ist Krechel nachdenklich geworden. „Ich spiele auch mit dem Gedanken, den Handball beiseite zu schieben, und mich beruflich neu zu orientieren.“

Ausbildung zum Bankkaufmann

Die Voraussetzungen für einen Einstieg ins außersportliche Berufsleben hat Krechel während seiner Zeit beim HSC Coburg geschaffen. Dort absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann, die ihm heute den Weg ebnen könnte. „Ob wir dann in Hamm bleiben oder den Schritt noch weiter in Richtung Heimat gehen, hängt vom Gesamtpaket ab“, sagt er. Denn Handball spielen möchte er schon noch.

Sollte er sich für den Ausstieg aus dem Profi-Sport entscheiden, wäre sogar eine Fortsetzung seiner Karriere beim ASV wieder eine Option – dann allerdings in der zweiten Mannschaft, die gerade in die 3. Liga aufgestiegen ist. „Natürlich ist das ein Thema“, bestätigt Christof Reichenberger, Sportlicher Leiter des ASV-Unterbaus. „Ob daraus etwas wird, liegt aber weniger an uns, als an ihm. Wir haben mit Oliver gesprochen, ihm mitgeteilt, was wir machen könnten. Und wenn er uns das Signal gibt, dann fangen wir an, uns weiter zu kümmern.“

Auch die beiden bereits verpflichteten Torhüter Patrick Krömer und Tim Faber seien darüber informiert, dass der Verein eventuell erwäge, noch einen dritten Keeper zu verpflichten.

"Absoluter Mist für Mannschaftssportler"

Unabhängig davon, wohin sein Weg in Zukunft führen wird, kann auch Krechel nur schwer damit umgehen, seinen Sport momentan nicht betreiben zu können. „Das ist absoluter Mist für Mannschaftssportler, eine Einschränkung mit der man kaum leben kann“, sagt er und sieht die Torhüter gegenüber den Feldspielern ein wenig im Nachteil. „Als Feldspieler kannst du den Ball nehmen und vor die Wand werfen. Als Torwart bist du darauf angewiesen, Würfe auf das Tor zu bekommen. Ich glaube, dass der eine oder andere daran zu knabbern hat, wieder in Schuss zu kommen. Und meine Frau kann mir da auch nicht helfen – die wirft wie ein Kind.“

Kraft und Lauftraining sind dagegen kein Problem. „Ich gehe einmal am Tag zu meinem Teamkollegen Markus Fuchs in die Garage. Er hat da ein kleines Fitnessstudio aufgebaut, wo wir separat trainieren“, sagt Krechel. „Ansonsten habe ich sehr viel Zeit für andere Dinge. Da ist viel liegen geblieben in den letzten Monaten: Steuererklärung, Keller aufräumen, alles erledigt.“ Darüber hinaus genießt er die Zeit mit Ehefrau Sarah und der fast zweijährigen Tochter Emmi. Bobbycar, Fahrrad fahren, spielen – auch hier hat sich ein gewisser Rhythmus entwickelt.

Die kommenden Tage werden für Krechel entscheidende sein. „Da kommt es darauf an, ob ich nebenbei weiter Handball spiele oder in zwei Wochen doch noch ein Verein kommt, der sagt, wir haben jetzt Sicherheit“, überlegt er. „Ansonsten könnte auch meine Frau nach der Elternzeit wieder in den Job einsteigen.“ Einen Verein in der Region um 200 Kilometer von seinem Lebensmittelpunkt entfernt „könnten wir uns auch vorstellen“, so Krechel, der sich allerdings auch in Hamm sehr wohl fühlt. „Wir haben hier viele Bekannte, soziale Kontakte – deswegen ist das nicht auszuschließen, dass wir hier bleiben.“

Kein Groll gegen den ASV

Dass die aktuelle Saison nicht zu Ende gespielt werden konnte, empfindet der gebürtige Mendener noch immer als „sehr schade. Wir hatten zwar eine Schwächephase, aber ich glaube, dass durchaus noch etwas möglich gewesen wäre.“ So muss er damit leben, dass am Ende für den Herbstmeister nur Tabellenrang fünf in der Chronik geführt wird. Und ihm damit die mögliche Weiterbeschäftigung im Falle eines Aufstiegs verwehrt blieb. „Das geht fast allen vertragsfreien Spielern so, sollte aber auch jedem zeigen, wie wichtig es ist, sich nach Alternativen umzusehen.“

Der Mann, der die Nummer 23 beim ASV trug, bleibt trotz der prekären Lage positiv, hegt keinen Groll gegen seinen Klub. „Nein, absolut nicht. Das ist einfach der Lauf der Dinge“, sagt er. „Es gibt Sachen, die nicht so gelaufen sind, wie ich mir das gewünscht hätte. Aber auch Dinge, die sich die Geschäftsführung mit Franz Dressel und Thomas Lammers anders vorgestellt haben.“ Entsprechend hat er den Spaß an seinem Sport nicht verloren, kann sich auch eine spätere Rückkehr auf die Profibühne vorstellen, falls es in der kommenden Saison nichts werden sollte. „Ich sage ja nicht, dass ich komplett aufhöre“, betont Krechel. „Ich habe weiter Ziele im Handball. Und wenn sich jetzt kein Verein findet, ist es ist nicht auszuschließen, dass ich in zwei Jahren wieder mitmische.“

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