Hausbesuch

Wiescherhöfens Trainer Thorsten Heinze hat durch den Fußball Freunde fürs Leben gefunden

Ein Piratenschiff mit einer integrierten Hütte hat Wiescherhöfens Coach Thorsten Heinze in seinem Garten gebaut.
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Ein Piratenschiff mit einer integrierten Hütte hat Wiescherhöfens Coach Thorsten Heinze in seinem Garten gebaut.

Hausbesuche heißt unsere neue Serie im Lokalsport. Wir besuchen die Fußball-Trainer von der Kreisliga A bis zur Oberliga zuhause - diesmal Wiescherhöfens Thorsten Heinze.

Hamm - Ein Piratenschiff mit einer integrierten Hütte, einer Torwand, einer Schaukel, einem Sandkasten, einer Werkbank und einer kleinen Lounge – so etwas steht normalerweise irgendwo auf einem großen Abenteuerspielplatz, aber nicht in einem Garten. Bei Thorsten Heinze, Trainer des Fußball-Landesligisten TuS Wiescherhöfen, ist dies aber anders. Genauso ein Spielgerät, das er in Anlehnung an den Hollywood-Blockbuster „Fluch der Karibik“ auf den Namen „Black Pearl“ getauft hat, befindet sich zur großen Freude seines siebenjährigen Sohnes in seinem Garten hinter dem 2013 gekauften Reihenhaus im Westen der Stadt Hamm. Aber damit nicht genug: Ein Fußball-Tor und ein kleiner Swimming-Pool runden dieses Kleinod ab. „Ich habe das alles selber gebaut“, betont der 39-Jährige nicht ohne Stolz und fügt hinzu: „Das ist unser Rückzugsort. Gerade in der Corona-Zeit war es sehr gut, so etwas zu haben.“

Doch sein Garten und das Werkeln mit Holz sind nicht die einzigen Hobbys von Heinze, der als Büroleiter der Provinzialversicherung in Werne arbeitet. So fotografiert er für sein Leben gern, denkt sich immer wieder außergewöhnliche Shootings aus. „Am Anfang habe ich ein paar Familienfotos geknipst. Jetzt mache ich viele charakterstarke Portraits für Freunde, habe auch schon zwei Hochzeiten abgelichtet“, erklärt er.

An der Wielandstraße aufgewachsen

Doch die meiste Zeit geht natürlich für den Fußball drauf. So kickt er viel mit seinem Sohn im Garten und verfolgt intensiv die ersten Schritte in der großen Fußballwelt seines Filius, der gerade vom TuS Wiescherhöfen zum SV Westfalia Rhynern gewechselt ist. Noch engagierter kümmert sich Heinze allerdings um seine Landesliga-Truppe beim TuS Wiescherhöfen, die für ihn eine Herzensangelegenheit ist. Denn er ist quasi auf der Platzanlage an der Wielandstraße aufgewachsen, haben seine Eltern doch früher jahrelang das Vereinsheim des TuS geleitet. Und so war es selbstverständlich, dass er 1987 im Alter von fünf Jahren ebenfalls für die Kicker aus Wiescherhöfen auflief. Bis auf ein Jahr in der B-Jugend beim damaligen SCE Hamm war er in der gesamten Jugend für seinen Heimtklub aktiv, wechselte dann später bei den Senioren zur Hammer SpVg, ehe ihn der Weg über Westfalia Rhynern, Lüner SV und SG Oestinghausen wieder nach Wiescherhöfen führte. „Als Mark Bördeling dann bei uns als Coach aufhörte, habe ich den Trainerschein gemacht“, erinnert sich Heinze, der anschließend aber nicht beim TuS die sportlichen Geschicke einer Mannschaft übernahm, sondern 2015 beim A-Kreisligisten VfL Mark einstieg. Und dort legte er eine überragende, aber letztlich nicht von Erfolg gekrönte erste Saison hin. Während der gesamten Spielzeit verlor er mit seinem Team nur eine einzige Partie (1:2 gegen BV 09 Hamm), dennoch reichte es nicht zum erhofften Aufstieg in die Bezirksliga. Das erste Entscheidungsspiel verloren Spielertrainer Heinze und Co. im Elfmeterschießen. Und in der zweiten Runde kam nach einem 2:2 zuhause und einem 1:1 auswärts das Aus. „Das war schon extrem bitter“, gibt er unumwunden zu. Im zweiten Jahr lief es dann in der Mark jedoch weniger gut, so dass im April 2018 die Zusammenarbeit beendet wurde und Heinze als Spieler nach Wiescherhöfen zurückkehrte.

Seit dem Frühjahr 2020 ist er dort nun als Chefcoach tätig und will in der neuen Saison alles daran setzen, den Klassenerhalt zu schaffen. In der wegen Corona abgebrochenen Saison hatte der TuS die erste Partie noch gewonnen, anschließend aber vier Niederlagen kassiert, ehe die Pandemie die Austragung weiterer Begegnungen verhinderte. „Ich denke, wir sind von der Breite und von der Qualität her besser als vor einem Jahr aufgestellt“, meint er und hat klare Vorstellungen davon, wie sich seine Spieler zu verhalten haben und wie er seine Mannschaft führen wird.

„Nach dem Abpfiff in die Augen schauen“

„Zu meinen Jungs sage ich, sie sollen nicht auf den Platz gehen, um Freunde zu finden, sondern um zu gewinnen. Da kann man auch mal einen wegflexen. Aber nach dem Abpfiff muss man sich in die Augen schauen, das, was auf dem Platz war, vergessen, ein Bier gemeinsam trinken und nach vorne gucken“, stellt er klar.

Er selbst ist außerhalb des Platzes im Umgang mit seinem Team für jeden Spaß zu haben, aber sobald er den Fuß auf den Rasen setzt, soll klar sein, wer das Sagen hat. „Das müssen die Spieler akzeptieren. Aber die haben damit kein Problem“, betont er, zumal seine Rolle in dieser Saison noch ein wenig anders definiert sein wird als in der vergangenen. Denn da hatte er noch ab und an selbst das Trikot übergestreift und war als Spieler aufgelaufen. Dies soll jetzt aber vorbei sein. „Ich habe mich in der Vorbereitung bewusst nicht fit gemacht, damit ich erst gar nicht in die Versuchung komme“, sagt der mittlerweile 39-Jährige, dem aber anzumerken ist, wie schwer ihm diese Entscheidung gefallen ist. Daher will er so oft wie möglich zumindest bei den Alten Herren auflaufen und dem Ball nachjagen: „Ich bin immer noch heiß darauf, Tore zu schießen.“

Doch auch der Trainerjob übt für ihn einen großen Reiz aus. So hat er damit nicht nur die Möglichkeit, weiter aktiv in der Fußballszene unterwegs zu sein, sondern auch eine Menge Freude daran gefunden, junge Spieler zu fördern und zu sehen, wie sie sich unter seiner Regie entwickeln. Dies versucht er in dieser Saison so gut zu schaffen, dass ihm seine Schützlinge am Ende der Spielzeit eine Partie liefern, wie er sie sich in seinen kühnsten Träumen erhofft: „Mein perfektes Spiel wäre es, wenn wir bei Nieselregen unter Flutlicht die Begegnung, die vorher schon voller Emotionen war, in Unterzahl drehen, in der 88. Minute das 3:3 machen, in der fünften Minute der Nachspielzeit das 4:3 erzielen und damit am letzten Spieltag den Klassenerhalt schaffen würden“, sagt Heinze – und bekommt leuchtende Augen.

Kochen, Wäsche und zocken

Aber seine Augen strahlen sowieso die ganze Zeit, wenn er über Fußball erzählt. „Ich habe dadurch Freunde fürs Leben gefunden, die immer für mich da sind und auf die ich mich verlassen kann“, sagt er. „Und ich kenne dadurch überhaupt unglaublich viele Menschen. Alleine wenn ich morgens Brötchen hole, treffe ich mindestens 20 Leute. Meine Frau ist immer verblüfft, wer mich alles grüßt.“

Noch glückseliger ist er allerdings, wenn er über seine Frau, seinen Sohn und seine Tochter aus einer früheren Beziehung, die immer am Wochenende kommt und die im kommenden Jahr ihr Abitur bauen will, erzählen kann. So kocht er für seine Familie liebend gerne, kümmert sich um die Wäsche, hat sich sogar die erste Playstation seines Lebens gekauft, um mit seinem Sohn Fifa zu zocken – und ist vor einiger Zeit sogar nachts extra aufgestanden und ist zu einem Fastfood-Laden gefahren, der seine alten Sitzbänke ausrangiert hatte. „Die habe ich mir geholt und bei uns in den Partykeller gebaut“, sagt er und schaut sich von der Terrasse schon wieder in seinem Garten um und überlegt, was er noch alles bauen oder verändern kann. „Über die Abdeckung vom Swimming-Pool kommt noch eine Terrasse. Und der Rasen muss an ein paar Stellen nachgesät werden. Der hat durch das viele Fußballspielen mit meinem Sohn während des Lockdowns doch sehr gelitten“, sagt er und freut sich schon auf die Arbeit, die auf ihn zukommt.

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