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Wiescherhöfens Trainer Gambino stinksauer: „So etwas noch nie erlebt“

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Von: Patrick Droste

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Sichtlich bedient: Torwart-Routinier Marco Behrend ärgert sich über die fehlende Unterstützung.
Sichtlich bedient: Auch Torwart-Routinier Marco Behrend ärgert sich über die fehlende Unterstützung. © Reiner Mroß / Digitalfoto

Am Sonntag wollte sich Salvatore Gambino gar nicht äußern. Am Montag platzte es dann aber aus dem Trainer des Fußball-Landesligisten TuS Wiescherhöfen heraus. „So etwas habe ich in meinem ganzen Fußballer-Leben noch nie erlebt. Das ist unglaublich, unfassbar“, schimpfte der 38 Jahre alte Ex-Profi, der unter anderem in der Bundesliga für Borussia Dortmund und den 1. FC Köln gespielt hat.

Hamm – Der Grund für seinen Ärger: Der TuS, mit lediglich einem Punkt auf der Habenseite abgeschlagenes Tabellenschlusslicht, hatte für das Auswärtsspiel am Sonntag beim TuS Altenberge nicht genügend Akteure zusammen bekommen und musste die Partie absagen. „Die erste Mannschaft ist doch bei jedem Verein das Aushängeschild, die muss doch Priorität haben – egal, auf welchem Tabellenplatz sie steht. Wir sagen ab, und die Zweite, Dritte und Vierte spielen. Da stimmt doch was nicht“, wetterte Gambino – und fügte angesichts der Nicht-Abstellung von Spielern aus den unteren Teams hoch zur Ersten zerknirscht hinzu: „Was ein Chaos, das ist nicht meine Welt.“

Marc Lapcevic, der Vorsitzende des TuS Wiescherhöfen, versuchte am Montag die Wogen ein wenig zu glätten und wies zuerst einmal auf die grundlegende Problematik des mittlerweile zu kleinen Kaders hin. Durch die Entlassung von Spielertrainer Thorsten Heinze und die Abgänge von Marius Michler sowie Paulker Ugbonvie Emmanuel und Otitochukwu Caleb Uwechue, die beide inzwischen versuchen, in Norwegen als Profi ihr Geld zu verdienen, hat Gambino nur noch 18 Akteure auf dem Papier zur Verfügung. „Und dann ist der eine privat verhindert, der andere verletzt oder gesperrt. Hinzu kommt, dass die Bereitschaft bei allen nicht mehr so groß ist, was man sportlich vielleicht nachvollziehen kann, aber menschlich nicht“, sagt Lapcevic. „Und dann passiert es auf einmal, dass nur noch neun Akteure zur Verfügung standen.“

Daher habe der Verein im Vorfeld der Partie in Altenberge überlegt, wie man am besten mit der Situation umgehen kann. „Es war klar, dass nicht alle vier Seniorenmannschaften antreten können“, betont der Vorsitzende, der sich nach Absprache mit seinen Vorstandskollegen entschied, dass das Spiel der Ersten abgesagt wird: „Das ist natürlich unglücklich. Denn es ist schon unser Ziel, unser Flaggschiff, was die erste Mannschaft trotz des schlechten Abschneidens weiter ist, am Leben zu halten. Aber wir hatten uns erhofft, dass die Chancen der Zweiten gegen BV 09 Hamm größer sind, was zu holen. Das hat sich leider als Trugschluss erwiesen.“

Denn die Reserve kämpft in der Kreisliga A gegen den Abstieg und soll möglichst die Klasse halten. „Wir wollen die Zweite ja auch nicht völlig ausbluten lassen. Das Gleichgewicht muss stimmen. Jeder hat den Anspruch, konkurrenzfähig zu sein“, sagt Lapcevic und wehrt sich gegen Gerüchte, dass sich Spieler aus dem Kreisliga-Team weigern würden, in der Ersten zu spielen. So seien mit Florian Kahlert und Marcel Lysk bereits zwei Spieler aus der Reserve fest zum Landesliga-Team hochgezogen worden. „Unser Ziel ist es weiterhin, dass alle Mannschaft am Spielbetrieb teilnehmen. Das wird nicht einfach, und ob es klappt, muss man abwarten.“

Torwart-Oldie Marco Behrend ist jedenfalls über die Vorgehensweise genauso erzürnt wie sein Trainer. „Wir hatten uns vorgenommen, die Saison vernünftig zu Ende zu bringen. Ich finde es beschämend, dass man als Landesligist nicht zu einem Spiel antritt. Das bringt mich auf die Palme. Das ist ein No-Go, das geht einfach gar nicht“, sagt der 35-Jährige. „Das ist sicherlich unseren vielen Verletzten geschuldet. Aber die Unterstützung ist auch da. Da müssen doch die Jungs aus der Zweiten hoch in die Erste, und die Zweite bekommt Unterstützung von der Dritten.“

Behrend selbst hat schon zweimal in der zweiten Mannschaft ausgeholfen – und erwartet dies auch von den Akteuren des Reserveteams. „Als wir gegen Heiden gespielt und die Partie der Zweiten ausgefallen ist, haben die Jungs lieber in der Dritten gekickt. Wenn man so denkt, macht das doch alles keinen Sinn. Man muss sich doch gegenseitig unterstützen und dabei helfen, dass man die Saison vernünftig beenden kann und dass es zu keiner Wettbewerbsverzerrung kommt“, sagt er und fügt hinzu: „An unserem Trainer liegt es jedenfalls nicht.“ Gambino selbst verschwendet trotz der internen Probleme (noch) keinen Gedanken daran, die Brocken hinzuwerfen. „Ich werde das auf jeden Fall hier durchziehen“, stellt er klar.

Jan Mills, Trainer der zweiten Mannschaft, hat derweil eine andere Sicht auf die Dinge. „Wir haben mit Kahlert und Lysk in der Winterpause schon unseren Kapitän- und Co-Kapitän nach oben abgegeben. Die beiden können wir eh schon nicht ersetzen“, sagt der Coach. „Ich weiß nicht, woher wir noch Spieler nehmen können, um die Erste aufzufüllen. Das erschließt sich mir nicht. Jeder kämpft da derzeit für sich, das macht keinen guten Eindruck.“

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