Fußball

Von Bockum-Hövel zu den Bayern

Werner Externbrink (obere Reihe, Mitte)  wurde 1975 als Neuzugang der Münchner Bayern präsentiert.
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Werner Externbrink (obere Reihe, Mitte) wurde 1975 als Neuzugang der Münchner Bayern präsentiert.

100 Jahre Fußball in Bockum-Hövel – Werner Externbrink hat seine Geschichte(n) dazu beigetragen. Zum Beispiel, weil er dafür gesorgt hat, dass der große FC Bayern München ein Gastspiel in der Adolf-Brühl-Kampfbahn gegeben hat. Externbrink selbst trug in der Saison 1975/76 das Trikot der Roten – ohne jemals in der Bundesliga gespielt zu haben.

Hamm – Die Bayern-DNA trägt Werner Externbrink, inzwischen Rentner, auch nach 35 Jahren noch in sich: „Ich gucke nur rot“, sagt der 63-Jährige zu seinen Sehgewohnheiten, wenn es um den Fußball geht.

Wer heute nach ihm googelt, landet schnell auf dem Portal fussballdaten.de, das so ziemlich alle Kicker erfasst, die je leistungsorientiert vor den Ball getreten haben. Dort befindet sich der Bockum-Höveler in der Rubrik „verschollene Fußballer“ – wohl deshalb, weil er schnell wieder aus dem Rampenlicht verschwand. Dabei beackerte er als Stürmer in den Jahren nach München quietschfidel und erfolgreich die Strafräume – auch für die Hammer Spielvereinigung.

„Groß geworden bin ich bei Arminia Bockum-Hövel, angefangen habe ich da 1963 bei den Knaben“, erinnert sich Externbrink an die ersten Ballkontakte. 1974, die Arminia war inzwischen in den SVA aufgegangen, wurde er als A-Junior in die erste Mannschaft hochgeschrieben – und fiel gleich einem Spielervermittler auf.

Interesse von 1860 München

„Er hat gesagt, dass er einige Spiele von mir gesehen hat und nun daran interessiert ist, mich zu 1860 München zu bringen. Die spielten erste Liga“, erzählt Externbrink, und: „Weil ich noch 17 war, musste mein Vater für mich die Verhandlungen machen.“ Probetrainings wurden vereinbart: „Bei Max Merkel, das war eine heftige Woche. Präsident Erich Riedl hat uns schließlich ein Angebot gemacht und der Wechsel war so gut wie sicher“, erinnert sich Externbrink.

Es ging zurück nach Bockum-Hövel, wo eine Woche später das Telefon klingelte. Am Apparat: Bayern-Manager Robert Schwan. „Die Bild hatte geschrieben, dass ein Talent aus Westfalen zu den Löwen wechselt – und das wollte er sehen.“ Es folgten weitere Probetrainings in München – nun unter Udo Lattek. „Danach haben mir auch die Bayern einen Vertrag angeboten“, sagt Externbrink, und: „Ich hatte zu dem Zeitpunkt als Schlosser auf der Zeche schon ausgelernt und vollen Gesellenlohn bekommen – und der war nicht schlecht für damalige Verhältnisse.“ Also mussten die Bayern im Verhältnis zu den Sechzgern draufpacken: „Das Doppelte, hat Schwan dann gesagt, weil München ein teures Pflaster ist.“ 4000 D-Mark brutto. „Das war schon ‘ne schöne Summe für einen 17-Jährigen“, sagt Externbrink.

Bereits im Februar 1975 ging es zu den Bayern, gut fünf Monate vor dem eigentlichen Stichtag im Sommer. „Ich war deshalb am 28. Mai beim Finale der Champions League (damals noch Pokal der Landesmeister) im erweiterten Kader und mit in Paris zum Spiel gegen Leeds United. Danach durfte ich auch den Pokal hochhalten“, erinnert sich Externbrink an den 2:0-Sieg durch die Tore von Franz Roth und Gerd Müller.

Werner Externbrink ist heute 63 Jahre alt.

Sportlich blieb es bei diesem Vorgeschmack. Mit Beginn der Spielzeit 1975/76 spielte Externbrink in der Fohlenmannschaft, die ohne Wertung in der Bayernliga antrat und Talente an die höchste Spielklasse heranführen sollte – unter der Obhut von Co-Trainer Werner Olk.

„Weil es ein Überangebot an Top-Stürmern gab mit Rummenigge, Kapellmann Müller, Hoeneß oder Klaus Wunder hat mich Werner Olk, ein ganz feiner Kerl, zum linken Verteidiger umfunktioniert“, berichtet Externbrink, und: „Wenn wir Trainingsspiele hatten, war immer Karl-Heinz Rummenigge mein Gegenspieler.“ Auch in Testspielen gegen internationale Gegner gab es für ihn als einer der Jüngsten im Kader einige Bewährungsproben: „Wir haben gegen den FC Nantes gespielt und ich gegen einen gewissen Robert Gadocha. Es war eine Ehre, mit 18 gegen so einen Typen zu spielen.“ Am Ende hatte nur einer den Sprung zu den Profis geschafft: Klaus Augenthaler.

„Nach einem Jahr hat man mir gesagt, es sei besser, wieder nach Hause zu gehen. Es war für mich aber kein böses Erwachen“, sagt Externbrink. Am Ende sei die Entscheidung richtig gewesen, denn: „Zwei Jahre vorher ist meine kleine Schwester mit sechs Jahren gestorben und das hat meine Mutter sehr, sehr mitgenommen. Ich war in der Zeit mit dem Kopf oft zuhause – vielleicht zu oft...“

Zurück im Westen gab es Angebote: Preußen Münster klopfte an, RW Essen ebenfalls. „Aber die zweite Liga war damals verarmt. Die Verträge waren extrem leistungsbasiert. Da war mir das Risiko zu hoch. Man musste sich ja nur mal verletzen und vier Wochen ausfallen...“

Zweijahresvertrag von der Hammer SpVg

Da bot die Hammer SpVg, zu jener Zeit Drittligist, die gewünschte Sicherheit. Es gab einen Zwei-Jahres-Vertrag inklusive Anstellung bei der Stadt.

Und das Beste: Weil der Vater des Sportkameraden Jochen Becker ein „hohes Tier“ bei der Bundeswehr war, leistete Externbrink seinen Wehrdienst an dessen Standort in Königsborn ab – als Heimschläfer. „Das war wie in der Sportförderkompanie für mich.“

Nach sechs Jahren gab’s noch einmal Luftveränderung mit einem Vertrag beim Verbandsligisten SV Welver. „Ich habe mich dort wohl gefühlt und mit Toren zurückgezahlt“, sagt Externbrink, und: „Ich war dort sogar Ehrennarr im Karneval.“ Es folgten noch Gastspiele beim Ahlener SV, dann Hammer SpVg II, Fortuna Herringen und zuletzt Westfalia Hövel als Spieler und Trainer. 2001 war auch dort Schluss. „Meine Einstellung zum Fußball passte nicht mehr mit der der jungen Spieler zusammen. Da habe ich gesagt: Die Familie geht vor.“ Zumal er inzwischen als Hausmeister mehrerer Gebäude in Bockum-Hövel beruflich sehr eingespannt war.

Franz Beckenbauer war ein Typ

An das Jahr bei den Bayern und im Wohnort Trudering erinnert sich Externbrink gerne zurück, fühlt sich dem Verein heute noch total verbunden. „Es war zwar schwer, weil ich als Junge vom Dorf in der großen Stadt mein Leben selbst gestalten musste, aber ich bin da erwachsen geworden“, sagt er. Und bei den Profis sei er herzlichst aufgenommen worden: „Innerhalb der Mannschaft hat uns gegenüber keiner den Star raushängen lassen. Der Franz Beckenbauer war ein Typ wie du und ich und beim Sepp Maier haben wir Tennis gespielt.“ Erst kürzlich hat Externbrink aus Zufall einen alten Freund aus Trudering auf Facebook wiedergefunden – nach 36 Jahren: „Wir haben damals in jeder freien Minute was zusammen gemacht.“

So gibt es im Hause Externbrink auch ein paar Erinnerungsstücke – darunter ein Originaltrikot von 1973, das er sich gesichert hatte. „Eine echte Rarität. Das hat heute noch einen goldenen Rahmen.“ Weitere gibt es sogar auf Ebay. Eine Original-Autogrammkarte in einem „sehr guten Zustand“ ist für 3,49 Euro zu haben. Externbrink: „Ein sehr guter Marktwert. Und sogar teurer als die von Katsche Schwarzenbeck.“

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