Fußball

Ex-Rhynern-Trainer Mehnert freut sich auf "ein besonderes Spiel"

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Wiedenbrücks Trainer Björn Mehnert freut sich auf das Wiedersehen mit seinem Ex-Verein Westfalia Rhynern.

Wenn der SV Westfalia Rhynern am Freitagabend zum vorgezogenen Spiel der Fußball-Oberliga nach Wiedenbrück reist, trifft die Elf vom Papenloh nicht nur auf den Spitzenreiter, sondern es wird auch ein Wiedersehen mit dem früheren Trainer Björn Mehnert geben.

Hamm - Welche Erwartungen der 43 Jahre alte Coach der Ostwestfalen an das Duell mit seinem Ex-Klub hat und warum sein Team nach dem Abstieg aus der Regionalliga in der Oberliga so schnell Fuß gefasst hat, erläutert er in einem Gespräch mit Patrick Droste.

Herr Mehnert, Ihre Mannschaft hat in dieser Saison erst einmal verloren und steht an der Tabellenspitze der Oberliga. Wie hat sich Ihre Elf nach dem Abstieg so schnell gefangen?

Es ist absolut keine Selbstverständlichkeit, dass man als Absteiger so gut in die Spur findet. Aber wir haben unseren Defensivverbund gehalten und dazu junge Spieler aus der Region geholt, die wir frühzeitig in die Mannschaft integriert haben. Die erfahrenen Akteure haben nicht nur schnell die jungen Leute gut aufgenommen, damit diese sich gut entwickeln können, sondern sie haben sich auch schnell auf die Gegebenheiten in der Oberliga eingelassen. Im Vergleich zur Regionalliga sind nicht nur die Rahmenbedingungen anders, sondern es wird auch ein anderer Fußball gespielt. Man setzt nicht unbedingt auf taktische Raffinessen, vielmehr muss jeder die Basics einbringen. Und es wird eher defensiv als offensiv gedacht.

Sie sind im dritten Jahr beim SC Wiedenbrück. In Ihrer ersten Saison kamen Sie mit Ihrem Team auf Rang sieben, in der vergangenen Spielzeit sind Sie abgestiegen, jetzt steht der SCW in der Oberliga wieder ganz oben. Wie können Sie diese Aufs und Abs erklären?

Das erste Jahr war überragend. Von der Punkteausbeute her war es in der Regionalliga das beste der Vereinsgeschichte. Zwischenzeitlich waren wir Zweiter und Dritter, am Ende sind wir auf Rang sieben eingelaufen. Das war ein schönes Jahr. Im zweiten Jahr haben wir, und da zähle ich mich auch dazu, einige Fehler gemacht. Zum Beispiel in der Kaderplanung. Und wenn man dann in so einem Strudel nach unten drin ist, ist es schwer, da wieder rauszukommen. Wir haben am Ende noch eine gute Rückrunde mit 21 Punkten aus 14 Spielen abgeliefert und einen immensen Kraftakt geleistet, aber der Rückstand war letztlich zu groß. Wir haben allerdings unsere Lehren aus diesem Jahr gezogen, die Ruhe bewahrt und auf eine andere Philosophie gesetzt. Unsere Mannschaft ist jetzt im Schnitt zwischen 23 und 24 Jahre alt. Wir haben immer drei oder vier Spieler im Team, die im vergangenen Jahr noch bei den A-Junioren aufgelaufen sind. Natürlich wissen wir, dass es da auch Rückschläge geben kann, aber wir setzen dieses Konzept konsequent um.

Am Freitag kommt es zum Duell mit Ihrem Ex-Verein. Ist die Verbindung nach Rhynern immer noch so groß, dass Sie mit viel Vorfreude der Partie entgegenblicken?

Das ist definitiv ein besonderes Spiel für mich, auf das ich mich sehr freue. Rhynern war meine erste richtige Trainerstation, nachdem ich in Hohenlimburg zuvor Spielertrainer war. Es waren sechs super erfolgreiche Jahre in Rhynern mit vielen positiven Dingen, auf die ich gerne zurückblicke. Es sind auch noch einige Spieler in der Mannschaft, die unter mir ihre ersten Erfahrungen im Seniorenbereich gesammelt und den Sprung in die Oberliga geschafft haben. Lennard Kleine hätte das sicherlich auch so erreicht, aber Jan Kleine, den ich zum Außenverteidiger umfunktioniert habe, oder Tim Neumann – da weiß man nicht, ob die sich ohne mich so etabliert hätten. Wobei sie sich das schon selbst erarbeitet haben, geschenkt worden ist denen bei mir nichts.

Rhynern hat im Sommer wichtige Stammspieler verloren, rangiert dennoch auf Platz vier. Sind Sie davon überrascht?

Andi (Anm. der Redaktion: Andreas Kersting, Rhynerns Sportlicher Leiter) stapelt ja immer sehr tief. Das weiß ich, weil ich mit ihm regelmäßig in Kontakt bin. Denn zwischen uns hat sich in den Jahren eine Verbindung entwickelt, die über das Fußballerische hinausgeht. Daher weiß ich nur zu gut, dass Rhynern eine Top-Oberliga-Mannschaft ist, mit einer starken Abwehr, mit tollen Individualisten und einem überragenden Kollektiv. Das zeichnet diesen Verein seit vielen Jahren aus: Rhynern schafft es immer wieder, junge Akteure zu finden, die fußballerisch und vom Charakter her perfekt in das Team passen. Hinzu kommt das ruhige Umfeld, so dass sich die jungen Leute ohne Stress entwickeln können. Und auch Michael Kaminski, der neue Trainer, ist ein Riesen-Faustpfand. Mit ihm hat Rhynern einen wichtigen und richtigen Transfer getätigt. Er ist ein gelassener, sachlicher Typ, der das richtige Händchen hat, um die Talente zu entwickeln. Daher ist dieser vierte Platz für mich keine Überraschung.

Sie sprachen die starke Abwehr der Rhyneraner an. Mit nur sieben Gegentreffer ist es sogar die beste der Liga. Da kommt eine Menge Arbeit auf Ihre Stürmer zu.

Das wissen wir und sind darauf eingestellt. Aber Rhynern hat auch in der Offensive sichtlich Qualität. Lennard Kleine ist ein Top-Oberliga-Stürmer, wobei ich sagen muss, dass er leider nur ein Oberliga-Stürmer ist. Er hatte mehr als einmal die Möglichkeit, höherklassig zu spielen. Aber er hat sich mit seiner gewohnten Umgebung in Rhynern zufrieden gegeben. Er ist allerdings schon stark. Hinzu kommt ein Akhim Seber, der zuletzt gut getroffen hat. Das ist trotz der starken Abwehr definitiv keine Mannschaft, die sich hinten reinstellt und mauert.

Ihr Team hat mit 27 Treffern den besten Angriff. Wollen Sie mit aller Macht auf direktem Weg zurück in die Regionalliga stürmen? Ist der Wiederaufstieg ein Muss?

Nein, wir haben vor der Saison kein Ziel ausgegeben. Wir haben gesagt, dass wir schnell in der Liga zurecht kommen wollen. Und das haben wir geschafft. Wir wissen, dass wir mit unserer starken Defensive eine sehr gute Oberliga-Mannschaft haben. Und diese erfahrenen Spieler nehmen die Liga mit viel Demut an, sie wissen, dass sie in jedem Spiel an die Grenze gehen müssen. Die jungen Leute wollen wir immer besser einbauen, weiter entwickeln und langfristig an den Verein binden, damit die Identifikation höher wird. Wir müssen aber sehen, wie konstant alle Rädchen ineinander greifen. Wenn wir am Ende auf einem der ersten beiden Plätze stehen und wieder in die Regionalliga aufsteigen, nehmen wir das gerne mit

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