SV Westfalia Rhynern / Interview

Trainer Björn Mehnert sagt: "Ich traue uns viel zu!"

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Bestens gelaunt gab sich Björn Mehnert, Trainer des Fußball-Oberligisten SV Westfalia Rhynern, bei seinem Besuch in der WA-Sportredaktion.

HAMM - Mit der Nachholpartie am Freitagabend (19.30 Uhr) beim SV Zweckel startet Fußball-Oberligist SV Westfalia Rhynern in die zweite Halbserie. Welche Ziele der Verein verfolgt und wie die Elf vom Papenloh versuchen will, die guten Ergebnisse der Hinrunde noch einmal zu toppen, verriet Trainer Björn Mehnert bei einem Besuch in der WA-Sportredaktion im Gespräch mit Patrick Droste.

Herr Mehnert, haben Sie Angst vor der Rückserie?

Mehnert: Wieso?

Weil es schwer sein wird, noch einmal eine so gute Leistung abzurufen wie in der Hinrunde.

Ersatzkeeper Klemmer geht

Nicht mehr zum Rhyneraner Kader wird ab der Rückrunde Marcel Klemmer gehören. Der Ersatz-Torwart hat einen neuen Job gefunden und kann nicht mehr regelmäßig am Training teilnehmen. „Daher werden wir noch in dieser Woche einvernehmlich den Vertrag auflösen“, sagt Team-Manager Andreas Kersting. Als zweiter Mann hinter Stammkeeper Christoph Hunnewinkel werden nun abwechselnd Nils Offermann und Maximilian Eul agieren.

Mehnert: Keine Frage, das wird alles andere als leicht, das zu bestätigen. Aber wir sind frohen Mutes, dass wir das schaffen. Wir haben eine sehr gute Vorbereitung gehabt. Alle haben klasse mitgezogen Und das, obwohl wir am 2. Januar bereits wieder angefangen hatten, so früh wie kein anderes Team. Und wir haben mit unseren internen Neuzugängen Felix Böhmer und Than-Tan Tran, die im vergangenen Jahr gar nicht oder kaum zur Verfügung standen, noch einmal Qualität dazu bekommen. Das spricht alles dafür, dass wir eine gute Rückrunde spielen werden.

Was erwarten Sie von der und in der Rückrunde?

Mehnert: Es wird noch spannender, die Spiele werden noch enger und interessanter. Mannschaften von unten wie Herne und die Hammer SpVg haben Geld in die Hand genommen und ihre Teams verstärkt. Ich denke, es wird keine leichten Spiele mehr geben, meine Jungs müssen jedes Mal an ihre Leistungsgrenze gehen.

Denken Sie, dass die Westfalia bis zum Schluss oben mitmischen und vielleicht sogar ins Aufstiegsrennen eingreifen kann?

Mehnert: Wir haben ein internes Ziel. Und das heißt, dass wir so viele Punkte wie möglich holen und dass wir uns nicht verschlechtern wollen. Ob wir oben angreifen können, wird man nach den ersten fünf, sechs Spielen sehen. Die beiden Spitzenteams Ahlen und Erndtebrück haben sicher bessere Voraussetzungen als wir. Aber unsere Jungs sind ein eingeschworener Haufen und verfügen über gute sportliche Qualitäten. Ich traue uns jedenfalls viel zu.

Werden Sie denn auf Bewährtes setzen oder gibt es Neuerungen im neuen Jahr bei der Westfalia?

Mehnert: Es gibt keinen Grund, das, was gut funktioniert hat, in Frage zu stellen. Aber wir haben trotzdem versucht, unsere taktischen Möglichkeiten zu vergrößern. So haben wir daran gearbeitet, die Spieleröffnung nicht nur über die Viererkette zu machen, sondern über die beiden Innenverteidiger und den Sechser. Dadurch hat man eine Anspielstation im Mittelfeld mehr, und es ergeben sich andere Passdreiecke. Auch in der Offensive sind wir flexibler geworden, können mit einem, zwei oder drei Stürmern in verschiedenen Systemen spielen.

Die gute Hinrunde hat aber auch Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen geweckt. Einige Spieler stehen im Visier höherklassiger Klubs. Haben Sie Sorge, dass im Sommer in personeller Hinsicht einiges zusammenbricht am Papenloh?

Mehnert: Es ist doch normal, dass es immer drei bis acht Veränderungen nach einer Saison gibt. Das sind normale Fluktuationen, die zum Fußball dazu gehören. Es ist ein Kommen und Gehen. Mal ist es der Verein, der einem Spieler empfiehlt, seine Zelte woanders aufzuschlagen, mal zieht es den Akteur zu einem Kontrahenten. Wir in Rhynern sind nun mal ein Verein, der Spieler ausbildet. Paradebeispiele sind da Kevin Hagemann, der von uns aus in die Regionalliga gewechselt ist, und vor allem Stanislav Iljutcenko, der jetzt Stammspieler in der 3. Liga bei Osnabrück ist. Aber dass bei uns alles auseinanderbricht, das wird nicht passieren. Die Jungs bei uns wissen ja auch, was sie an Westfalia Rhynern haben. Und sie sehen gleichzeitig bei dem einen oder anderen Verein, der muss ja nicht einmal weit weg sein, dass Erfolg nicht käuflich ist.

Dennoch haben einige Ihrer Spieler ein großes Potenzial.

Mehnert: Definitiv. Vor allem unsere Offensivspieler Philipp (Anm. der Redaktion: Hanke), Lennard (Kleine) und Mathieu (Bengsch) stehen im Fokus und werden woanders wahrgenommen. Auch ein Felix Bechtold hat große Qualitäten, wobei er in der Hinrunde nicht ganz so stark war. Aber dass sich das herumgesprochen hat, dass wir einige sehr gute Kicker in unseren Reihen haben, sieht man daran, dass immer mehr Scouts, Talenspäher und Beobachter bei unseren Spielen sind. Das sehe ich aber gleichzeitig auch als eine Bestätigung unserer guten Arbeit.

Sehen Sie auch den Verein in der Pflicht, für die nötigen Rahmenbedingungen zu sorgen, um die Talente längerfristig zu halten?

Will immer weiter nach oben: Rhynerns ehrgeiziger Trainer Björn Mehnert.

Mehnert: Der Verein bewegt sich, es tut sich ja was. Da muss man nur an das neue Stadion denken, das geplant ist und das von den Verantwortlichen aktiv vorangetrieben wird. Für die Spieler ist das ja auch ein Zeichen, dass sich der Vorstand nicht zurücknimmt, sondern versucht, den Verein voranzubringen. Vielleicht könnte dies von Rhyneraner Seite aus noch etwas fordernder geschehen, denn schließlich sind wir jetzt seit einigen Jahren in Sachen Fußball die Nummer eins in Hamm. Da muss man sein Licht nicht unter den Scheffel stellen, sondern kann das offensiver nach außen tragen. Natürlich wird es auch mal den Tag geben, wo die HSV wieder punktuell vor Rhynern steht. Es gibt im Fußball immer Aufs und Abs, wobei wir jetzt schon ein langes Auf haben.

Ist Ihnen der Status als Nummer eins in Hamm wichtig?

Mehnert: Das ist nicht unser primäres Ziel. Wenn die Hammer SpVg 14. wird, und wir liegen am Ende auf Rang 13, dann macht uns das nicht glücklich. Wir haben persönliche Ziele und die sind unabhängig davon, ob man in der Stadt die erste Geige spielt oder nicht. Allerdings ist es natürlich immer schön, die Nummer eins zu sein.

HSV-Trainer Goran Barjaktarevic hat Anfang der Woche davon gesprochen, dass seine Spieler „nur so viel kosten wie der Durchschnitt der Liga“ und...

Mehnert: Stop. Stop. Natürlich ruft mich unser Kapitän Dustin Wurst, wenn er mit dem Auto zum Training kommt, nicht am Kamener Kreuz an und fragt, wann der nächste Linienbus fährt. Die Jungs haben einen gewissen Aufwand, und der muss bezahlt werden. Aber es spricht sich schon herum, wer wo wieviel verdient. Nicht im Detail, aber die Richtung ist schon klar. Da fischt man nicht in einem schwarzen Loch. Wenn man genug Geld zur Verfügung hat, ist ja nichts Verwerfliches daran, dieses auch auszugeben. Von daher ist das kein Vorwurf an die HSV. Der Verein hat sich durch seine lange Vergangenheit diese Möglichkeiten erarbeitet. Aber wenn die HSV durchschnittliche Gehälter zahlt, dann zahlen wir oder auch Erkenschwick unterunterdurchschnittlich. Aber dann muss man uns attestieren, dass wir überdurchschnittliche Leistungen bringen. Daher denke ich, da ist es manchmal besser, nichts zu sagen als von einer durchschnittlichen Bezahlung bei der Hammer SpVg zu sprechen.

Sie sprachen von Ihren Spielern, die durchaus wissen, was sie an dem Verein haben. Wie sieht das bei Ihnen aus? Wie stehen die Chancen, dass Sie auch in der kommenden Saison Trainer in Rhynern sind?

Mehnert: Derzeit stehen die Chancen 50:50. Es ist noch keine Entscheidung gefallen, alles ist offen. Klar weiß ich, was ich an dem Verein habe. Aber mein Ziel ist es, 24 Stunden lang am Tag für Fußball zu leben. Und vom Fußball zu leben. Das heißt, ich will professionell in diesem Bereich arbeiten. Das kann ein höherklassiger Verein sein, aber durchaus auch ein Kontrahent aus unserer Liga, wenn dort strukturell, geplant und konzeptionell daran gearbeitet wird, die Mannschaft nach oben zu bringen.

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