1. wa.de
  2. Sport
  3. Hamm

Wer mit Johnson&Johnson geimpft wurde, muss ab sofort zuschauen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Patrick Droste

Kommentare

Keinen Zutritt auf den Plätzen gibt es für Spieler, die einmal mit Johnson&Johnson geimpft wurden.
Keinen Zutritt auf den Plätzen gibt es für Spieler, die einmal mit Johnson&Johnson geimpft wurden. © © Andreas Rother / Digitalfoto

Die Hammer Fußballvereine sind durch die Corona-Pandemie schon seit langer Zeit arg gebeutelt und stoßen teilweise auch an ihre Grenzen. 

Hamm - Jetzt bekommen sie einmal mehr einen Knüppel zwischen die Beine geworfen. Denn seit dieser Woche haben sich die Kriterien für den Impfstatus von Personen, die sich mit dem Impfstoff von Janssen (Johnson&Johnson) haben impfen lassen, geändert. Die Einzelimpfung reicht für die Grundimmunisierung nicht mehr aus. „Das heißt, wer nur einmal mit Johnson&Johnson geimpft ist, darf nicht spielen“, stellt Meike Ebbert, Leiterin der Stabstelle Kommunikation des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW), unmissverständlich klar. Denn beim Fußball gilt die 2G-Regelung – und um diese Vorgaben einzuhalten, ist ein vollständiger Schutz von Nöten.

Es gibt allerdings eine Ausnahme: Personen mit einer zweimaligen Impfung, bei denen die zweite Impfung mehr als 14, aber weniger als 90 Tage zurückliegt, werden mit den Geboosterten gleichgestellt. „Bei uns im Verein wird jetzt zu Rechnen angefangen. Und es werden Daten gesammelt, wer noch mitspielen kann und wer nicht. Denn die Vereine haben letztlich die Verantwortung. Das ist doch nicht in Ordnung“, echauffiert sich Marco Liedtke, Trainer des Fußball-Bezirksligisten TuS Germania Lohauserholz. „Das sind doch alle Ehrenamtliche, die das machen.“

Liedtke fordert Übergangsregelung

Vor allem ärgert sich Liedtke darüber, dass viele junge Spieler, die sich im vergangenen Jahr haben impfen lassen, gar keine Wahl hatten, welchen Impfstoff sie bekommen. „Und jetzt werden sie noch bestraft, nachdem ihnen zuerst gesagt worden ist, eine einmalige Impfung mit Johnson&Johnson reicht für die Grundimmunisierung aus. Man könnte doch jetzt zumindest eine Übergangsregelung finden“, sagt der TuS-Trainer. „Wenn du einen Großteil von Jungs mit Johnson&Johnson in deiner Mannschaft hast, kannst du ja derzeit weder trainieren noch spielen. Am Ende tritt dann eine Moderna-Truppe gegen eine Biontech-Mannschaft an. Das kann es doch alles nicht sein und sorgt doch dafür, dass die Akzeptanz immer mehr nachlässt.“

Auch Sven Pahnreck, Trainer des A-Kreisligisten SVF Herringen, hat nur wenig Verständnis für diese neue Regelung. „Wir haben das gecheckt und haben Gott sei Dank niemanden im Team, der mit Johnson&Johnson geimpft worden ist“, sagt der Coach. „Aber es ist doch blödsinnig, da jetzt Unterschiede zwischen den einzelnen Geimpften zu machen. Und es kann doch auch nicht sein, dass man bei Neuverpflichtungen jetzt schauen muss, welchen Impfstoff sie bekommen haben.“

Zwei Spieler des SVE Heessen betroffen

Beim Landesligisten SG Bockum-Hövel ist nach Aussage von Spielertrainer David Schmidt auch kein Akteur betroffen, dennoch meint der Coach: „Erst wird groß Werbung gemacht, dass eine Impfung reicht. Und dann wird der Spieß umgedreht.“

Beim Bezirksligisten SVE Heessen waren es zwei Akteure, die sich im vergangenen Jahr mit Johnson&Johnson hatten impfen lassen. „Einer hat sich jetzt schon vor der neuen Regelung den zweiten Pieks geholt, der andere diese Woche“, sagt Spielertrainer Rouven Meschede, der sich ebenfalls verärgert darüber zeigt, dass es keine Übergangszeit gab, sondern dass diese neue Vorgabe von heute auf morgen gilt. „Da hat man doch keine Zeit, um zu reagieren. Da dürfen die Jungs jetzt erst einmal nicht mehr kommen, nur weil Lauterbach und Co. das so entschieden haben.“

Max Schulte: „Entscheidung der Regierung“

Bei den beiden Hammer Oberligisten sind keine Akteure betroffen, bei der HSV aber Mitarbeiter aus dem Umfeld der Mannschaft. „Es ist schon blöd, dass die Leute, die sich letztes Jahr bewusst oder vielleicht auch unbewusst für die Einmal-Impfung entschieden haben, jetzt bestraft werden“, erklärt Trainer Steven Degelmann.

Max Schulte, Team-Manager des SV Westfalia Rhynern, findet eine Bewertung der neuen Situation schwierig. „Das ist nun mal eine Entscheidung der Regierung. Und da es um die Gesundheit von uns allen geht, muss man diesen Weg mitgehen“, sagt Schulte. „Aber für die, die es jetzt so überraschend trifft, ist es schon ein Problem. Die müssen jetzt zusehen, dass sie das so schnell wie möglich gelöst bekommen.“

Auch interessant

Kommentare