1. wa.de
  2. Sport
  3. Hamm

Wer kontrolliert? Was sagen die Spieler? Was gilt auf Vereinsfesten? Alles zur 2G-Regel im Amateurfußball

Erstellt:

Von: Patrick Droste, Benedikt Ophaus

Kommentare

Die Oberliga-Fußballer der Hammer SpVg und des SV Westfalia Rhynern werden weiterhin den Platz betreten dürfen – falls sie geimpft oder genesen sind.
Die Oberliga-Fußballer der Hammer SpVg und des SV Westfalia Rhynern werden weiterhin den Platz betreten dürfen – falls sie geimpft oder genesen sind. © Reiner Mroß / Digitalfoto

Ab sofort gilt im Amateursport aufgrund der Corona-Pandemie die 2G-Regel. Das hat am Dienstag NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) mitgeteilt. 

Hamm - Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hat gemeinsam mit den Kreisvorsitzenden entschieden, die Saison im Seniorenbereich fortzusetzen. Allerdings gilt das nicht für alle Amateurfußballer. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was hat der Verband genau beschlossen?

Der kommende Spieltag der Seniorenfußballer geht wie geplant über die Bühne. Und zwar unter 2G-Regeln, so wie es die neue Coronaschutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen vorschreibt. Es dürfen also nur geimpfte und genesene Spieler dem Kader angehören. Auch die Zuschauer müssen den 2G-Nachweis erbringen. „Nach Abwägung der Möglichkeiten haben wir uns dazu entschieden, den geimpften Spielerinnen und Spielern weiter die Möglichkeit zu geben, ihrem Sport nachzugehen“, wird FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski zitiert.

Was ist mit der Jugend?

Auch im Jugendfußball wird von den Altersklassen G- bis C-Junioren die Saison fortgesetzt. Für Kinder bis einschließlich 15 Jahren gilt die 2G-Regel nicht. Wohl aber für 16-jährige und ältere Jugendliche. Deshalb werden die Spiele der A- und B-Junioren sowie der B-Juniorinnen bis zum 31. Dezember ausgesetzt. Der Trainings- und Testspielbetrieb kann aber unter 2G-Regeln fortgeführt werden. Mannschaften mit einer guten Impfquote sollen damit nicht eingeschränkt werden. Im beiderseitigen Einvernehmen seien auch geplante Pflichtspiele unter 2G-Regeln möglich. Der Verbands-Jugend-Ausschuss trage damit dem Umstand Rechnung, dass diese Altersgruppe erst zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt die Möglichkeit einer Impfung gegen das Coronavirus hatte.

Gibt es Ausnahmen von der 2G-Regel?

Ja. Für angestellte, selbstständige und ehrenamtlich und freiwillig Mitarbeitende auf der Platzanlage wie beispielsweise Platzwarte und Helfer im Kiosk eines Klubs gilt die 3G-Regel (geimpft, genesen oder getestet). Ein Schnelltest einer offiziellen Teststelle darf jedoch nicht älter als 24 Stunden, ein PCR-Test nicht älter als 48 Stunden sein. Nicht-immunisierte Personen müssen durchgehend einen medizinischen Mundschutz tragen. 3G gilt zudem für Gremiensitzungen „ohne gesellige Elemente“, wie der FLVW betont. Dazu zählen beispielsweise Vorstandssitzungen oder Fortbildungen.

Und was ist mit Vereinsfesten?

Hier gilt 2G-plus. Heißt: Die Teilnehmer müssen geimpft oder genesen sein und müssen einen aktuellen Test vorlegen können.

Wer soll das alles kontrollieren?

Den Immunisierungsstatus sollen Vereine mit Hilfe der CovPassCheck-App des Robert-Koch-Institutes (RKI) überprüfen. Stichprobenartig seien zudem die Personalien mit offiziellen Ausweisdokumenten abzugleichen. Sollten aufgrund räumlicher Gegebenheiten keine Zulassungskontrollen erfolgen können, sei es notwendig, die Regelungen auszuhängen und stichprobenartig zu kontrollieren. „Es ist uns bewusst, wie groß die Herausforderung für die Vereine erneut bei der Umsetzung ist, gleichzeitig bietet es uns allen aber die Möglichkeit, die Saison fortzusetzen“, heißt es von Manfred Schnieders, FLVW-Vizepräsident Amateurfußball.

Was halten Hammer Vereinsverantwortliche davon?

Für den SV Westfalia Rhynern bedeutet die Neuerung, dass er am Sonntag beim Heimspiel der Oberliga gegen den RSV Meinerzhagen neben dem Verkauf der Tickets auch die Impfausweise kontrollieren muss. „Grundsätzlich begrüßen wir als Verein dieses Szenario“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Daniel Spilker. „Aber gleichzeitig bedeutet dies für unsere Ehrenamtler ein Mehraufwand an Arbeit. Ich habe da so meine Bedenken, ob dass nicht zu viel Verdruss bei diesen Leuten führt.“ Am Sportplatz am Papenloh kaufen die Zuschauer zuerst ein Ticket und müssen dann durch eine Separierungsanlage, an deren Ende die Tickets kontrolliert werden. Da muss nun auch gecheckt werden, ob der Besucher die 2G-Vorgaben erfüllt. Beim A-Kreisligisten BV 09 Hamm befürchtet der Vorsitzende Marco Herzebrock, dass auf ihn und seine Mitstreiter eine Menge Mehrarbeit zukommt. „Bei uns kann man ja von fast allen Seiten die Platzanlage betreten. Und wenn sich da ein nicht Geimpfter aufhält, sind wir im Endeffekt in der Verantwortung“, sagt Herzebrock. Daher werden sich während der Woche die Trainer mit ihren Spielern vor der Platzanlage treffen, gemeinsam diese betreten und anschließend die Tür abschließen. „Am Wochenende, wenn die Spiele sind, wird dann einer da von morgens bis zum Nachmittag stehen und kontrollieren“, sagt der Vorsitzende der Nordener. Daher ist Herzebrock der Meinung, dass es für die Vereine fast einfacher wäre, wenn die Spiele ohne Zuschauer stattfinden würden. Der TuS Wiescherhöfen hat am Wochenende die Aufgabe zu bewältigen, dass sowohl die erste als auch die zweite Mannschaft ihre Heimspiele auf dem Kunstrasenplatz an der Wielandstraße bestreiten. Daher wird es am Eingang zur Platzanlage eine 2G-Kontrolle geben, die Tickets werden dann beim Zutritt zum Kunstrasenplatz erworben. „Das bedeutet natürlich Mehrarbeit. Aber wir sind gut aufgestellt“, sagt der Vorsitzende Marc Lapcevic. Während der Woche bei den Trainingseinheiten wird die Verantwortung für die Einhaltung der 2G-Regel in der Hand der Übungsleiter liegen. „Wir haben schon vor Wochen in den Mannschaften Listen erstellen lassen, wer geimpft und wer genesen ist“, so der Vorsitzende, der zudem verriet, dass die für den 18. Dezember geplante Weihnachtsfeier ausfallen wird und dass der TuS die Teilnahme an allen Hallenturnieren abgesagt hat.

Wird die Stadt die Vereine kontrollieren?

Stadtsprecher Lukas Huster erklärte auf Anfrage, dass es – ähnlich wie in Gaststätten – stichprobenartig Kontrollen geben wird. „Da werden sich dann die Mitarbeiter vom Ordnungsamt den Nachweis zeigen lassen“, sagt Huster.

Was halten Verantwortliche der Jugendabteilungen von Hammer Klubs von der 2G-Regel?

Die meisten Jugendleiter müssen – wenn sie es im Vorfeld nicht schon getan haben – nun schnellstmöglich den Impfstatus der 16- bis 18-jährigen Nachwuchskicker abfragen. Denn die B- und A-Jugendlichen sowie die B-Juniorinnen dürfen nur dann trainieren und an möglichen Testspielen teilnehmen, wenn sie geimpft oder genesen sind. „Wenn wir den Impfstatus von allen haben, dann müssen wir schauen, wie viele Spieler in den einzelnen Mannschaften überhaupt noch übrig bleiben“, sagt Alexis Koumatzidis, Sportlicher Leiter U21-U14 bei der Hammer SpVg. „Wenn wir durch 2G zu viele Ausfälle haben, könnten die geimpften Spieler des Altjahrgangs bei der ersten und die aus dem Jungjahrgang bei der zweiten Mannschaft mittrainieren. Und bei der B-Jugend könnten wir U17 und U16 zusammenlegen.“ Trotz des organisatorischen Mehraufwands begrüßt Koumatzidis aber das Aussetzen des Spielbetriebs bei den A- und B-Junioren: „Die Jungs und Mädels aus diesen Altersgruppen hatten ja nicht genug Zeit, sich frühzeitig genug impfen zu lassen. Daher finde ich es gut, dass pausiert wird.“ Auch bei den Verantwortlichen von Westfalia Rhynern ist das Verständnis für die Entscheidung des FLVW groß. „Es gibt verschiedenste Gründe, warum man sich nicht impfen lassen will oder kann. Wir haben da nicht nachgefragt, sondern es nur jedem empfohlen. Denn Fakt ist, wer nicht geimpft ist, wird ausgeschlossen. Das akzeptieren wir so. Aber bei uns sind recht viele Spieler im Nachwuchsbereich geimpft“, sagt Jan Kleine, bei der Westfalia Sportlicher Leiter der U19 bis U13.

Was denken die Spieler?

Dass nicht der komplette Kader bei jeder Einheit und bei jedem Spiel am Start ist, kennen Fußballer nur zu gut. Verletzungen, Beruf, Sperren – es sind immer wieder unterschiedliche Gründe, warum Akteure passen müssen. Dass aber jetzt Spieler ausgeschlossen werden, ist für alle Beteiligten eine komplett neue Situation. „Ich persönlich finde diese 2G-Regel gut, um den weiteren Verlauf der Saison zu gewährleisten. Und man will ja auch mit einem sicheren Gefühl zum Fußball kommen“, sagt Jonas Westmeyer vom Landesligisten SG Bockum-Hövel. „Aber mannschaftlich gesehen ist das natürlich total schade, wenn nicht mehr alle dabei sein können.“ Ähnlich bewertet Justin Wojciech vom Bezirksligisten TuS Germania Lohauserholz die aktuelle Lage. „Dass man nicht mit dem kompletten Kader beim Training ist, das kennen wir ja. Ich weiß bei uns gar nicht, wer nicht geimpft ist. Aber ich hoffe, dass derjenige oder diejenigen sich jetzt impfen lassen“, meint er. „Alle hatten genug Zeit. Und jeder wusste, was auf ihn zukommt. Und wer nicht wollte, ist selber schuld.“

Auch die Schiedsrichter fallen unter die 2G-Regel. Gibt es jetzt noch genügend Unparteiische?

„Im Seniorenbereich kriegen wir das gewuppt. Ich glaube, wir können den Spielbetrieb aufrechterhalten“, sagt Torsten Perschke, der Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschusses Unna-Hamm. Am Montag habe noch eine Schulung im HSV-Casino stattgefunden, bei der 35 der 100 in Hamm tätigen Unparteiischen zugegen waren. Laut Perschke waren diese allesamt genesen oder geimpft. „Wir haben da insgesamt eine hohe Quote“, betont er und fügt hinzu: „Wir können also weiter spielen.“

Auch interessant

Kommentare