Frühere Top-Slalom-Kanutin beendet leise ihre Karriere

Weltmeisterin wird TV-Expertin: Jasmin Schornberg während Olympia bei Eurosport

Probesitzen im Studio: Jasmin Schornberg wird Expertin für Kanu-Slalom bei Eurosport.
+
Probesitzen im Studio: Jasmin Schornberg wird Expertin für Kanu-Slalom bei Eurosport.

Rein sportlich gesehen hatte Jasmin Schornberg, ehemalige Slalom-Weltmeisterin des Kanu-Ring Hamm, schon vor zwei Jahren die Qualifikation des Deutschen Kanu-Verbandes für die Spiele in Tokio verpasst. Dennoch darf die 35-Jährige ab Samstag wieder Olympia-Luft schnuppern. Der Spartensender Eurosport hat Schornberg als Expertin für die Live-Übertragungen aus dem Kasai-Kanu-Center engagiert.

Hamm – An der Seite von Reporter Marc Rohde soll die in Lippstadt geborene Slalom-Fahrerin ihr Fachwissen dem Fernsehpublikum übermitteln. Allerdings aus einer Entfernung von 9 370 km Luftlinie. „Wir werden im Studio in München-Unterföhring vor dem großen Bildschirm sitzen und die einzelnen Läufe kommentieren. Das wird erstmals schon am Sonntag bei den Vorläufen der Fall sein“, bestätigt Schornberg.

„Ein bisschen nervös bin ich schon. Das gebe ich zu“, erklärt die langjährige Kanu-Ring-Sportlerin, für die die Rolle allerdings kein absolutes Neuland ist. „Ich habe schon für den Bayerischen Rundfunk als Expertin bei einigen Meisterschaften oder Weltcups gearbeitet“, erzählt sie. Auch ihren Arbeitsplatz für die nächsten zwei Wochen hat sie vor Jahren kennengelernt. „Während der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang in Südkorea 2018 habe ich in Unterföhring im Studio gearbeitet. Dort habe ich Senderlisten vorbereitet oder beim Schneiden einzelner Beiträge geholfen“, erzählt Schornberg, die Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert hat.

Direkter Kontakt zu den deutschen Kanuten

Immerhin fühlt sie sich gut vorbereitet. Sie hat per Social Media auch derzeit direkten Kontakt zu ihren ehemaligen Teamkameraden in Tokio. Mit Hannes Aigner und Ricarda Funk, die im Kajak starten, hat sie viele Jahre lang zusammen trainiert. Und auch zu Andrea Herzog und Sideris Tasiadis, die im Canadier um die Medaillen kämpfen, pflegt sie einen guten Draht. „Einige Dinge, wie es vor Ort aussieht und zugeht, habe ich schon erfahren“, erzählt die gebürtige Lippstädterin, die seit ihrem 13. Lebensjahr für den Kanu-Ring Hamm an den Start gegangen ist.

Und das mit großem Erfolg. International sammelte sie zahlreiche Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften, zunächst im Junioren-, dann im Leistungsbereich. 2009 wurde sie im spanischen La Seu d’Urgell sogar Weltmeisterin, bei den Olympischen Spielen 2012 in London belegte sie im Finale den fünften Platz. „Daher weiß ich, wie sich die Sportler bei so wichtigen Rennen wie den Olympischen Spielen fühlen. Ich kann mich schon in deren Lage versetzen.“ Diese Erfahrung will sie auch als Expertin bei den Live-Übertragungen aus Tokio mit einbringen.

„Nur Mitfahren will ich nicht“

Selbst schließt Schornberg eine Rückkehr in den Wettkampfsport übrigens aus. Noch Ende April hatte sie nach der Geburt ihrer Tochter Paula (November 2020) in Markkleeberg bei Leipzig einen Comebackversuch nach der Mutterpause gestartet, der allerdings nicht von Erfolg gekrönt war. „Ich habe deutlich gesehen, dass ich mit dem mir möglichen Trainingsaufwand nicht mehr um die Spitzenplätze mitpaddeln kann“, betont die 35-Jährige. „Einfach nur mitfahren will ich nicht. Dafür bin ich zu ehrgeizig. Und da ich meine Tochter nicht vernachlässigen will, habe ich mich innerlich bereits vom Leistungssport verabschiedet. Offiziell habe ich das aber noch nirgendwo groß verkündet.“

Ein – zumindest kleines – Hintertürchen lässt sie sich jedoch offen. „Das Paddeln macht mir immer noch sehr viel Spaß. Das habe ich neulich erst wieder gemerkt. Vielleicht werde ich auch irgendwann noch einmal bei einer Deutschen Meisterschaft an den Start gehen. Aber mehr wird sicherlich nicht mehr möglich sein.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare