1. wa.de
  2. Sport
  3. Hamm

Weltenbummler Dennis Buschening hat auch Angebote aus der Heimat

Erstellt:

Von: Patrick Droste

Kommentare

Dennis Buschening verdient seit Jahren in Südostasien seinen Lebensunterhalt als Fußball-Profi.
Dennis Buschening verdient seit Jahren in Südostasien seinen Lebensunterhalt als Fußball-Profi. © Afiq

Er ist der Weltenbummler des Hammer Fußballs. Bis auf eine kurze Unterbrechung in den Jahren 2018 und 2019 spielte Dennis Buschening seit 2013 in Südost-Asien Fußball und verdiente als Profi in Thailand oder Malaysia seine Brötchen. 

Hamm - Doch jetzt steht der 30-Jährige vor einer schweren Entscheidung. Soll er für eine weitere Saison bei einem ausländischen Verein anheuern? „Entsprechende Angebote liegen mir vor. Auch mein aktueller Verein würde mich gerne behalten“, sagt er. Oder soll er in seiner Heimat auf eine gesicherte Zukunft mit einem Job sowie ein Engagement bei einem unterklassigen Verein setzten? „Es ist natürlich auf lange Gesicht gesehen wichtig, sich ein Standbein in Deutschland aufzubauen“, sagt der Offensivakteur.

Es sind ereignisreiche Monate, die hinter Buschening liegen. Im Frühsommer hatte ihn der malaysische Verein UiTM FC, ein Erstligaklub aus der Nähe der Millionen-Metropole Kuala Lumpur, unter Vertrag genommen. Buschening, der in der Jugend bei Borussia Dortmund und RW Essen ausgebildet wurde, sollte im Kampf um den Klassenerhalt in der Super League der große Hoffungsträger sein. Denn das Team des deutschen Trainers Frank Bernhardt lag nach der Hinrunde mit nur einem mageren Pünktchen auf dem letzten Tabellenplatz. Doch in der Vorbereitung auf die zweite Halbserie zog sich der Hammer, der unter anderem für Westfalia Rhynern und die Hammer SpVg aufgelaufen ist, eine muskuläre Verletzung zu und setzte sich auf Druck des Präsidenten beim zweiten Spiel dennoch auf die Bank.

Ärgerlicher Abstieg

„Der Physiotherapeut meinte, ich könne spielen, solle nur nicht voll sprinten. Aber das habe ich dann, als ich für die letzten 20 Minuten eingewechselt wurde, trotzdem gemacht“, sagt er. Die Folge war eine vierwöchige Zwangspause wegen eines Muskelfaserrisses. Als er dann in den letzten vier Partien der Saison wieder fit war, zeigte er sofort, wie wertvoll er für seinen neuen Klub war. Im ersten Spiel lieferte er beim 4:0-Sieg gleich drei Assists. In den anschließenden Begegnungen führte er seine Mannschaft sogar als Kapitän auf das Feld, erzielte einen Treffer und sammelte mit dem FC insgesamt sieben Punkte. „Das hat aber am Ende trotzdem nicht gereicht. Uns haben vier Zähler gefehlt, um dem Abstieg zu entgehen“, sagt Buschening. „Das war von Anfang an ein schwieriges Unterfangen. Aber am Ende war es schon ärgerlich. Denn ich denke, dass wir das hätten schaffen können.“

In dieser ganzen Zeit hatte er auch seine Frau Janna und die beiden Kinder Liora und Lean nicht sehen können. Zwar waren sie alle zusammen im Mai nach Thailand geflogen, von wo aus es für Buschening weiter Richtung Malaysia gegangen war. Nur für den Rest seiner Familie gab es kein Weiter, seine Frau saß mit der drei Jahre alten Tochter und dem ein Jahr alten Sohn aufgrund von Visaproblemen in Pattaya fest, so dass die drei im August die Rückkehr nach Deutschland antraten.

Strenger Lockdown in Südost-Asien

„Ich habe die Kinder und meine Frau in dieser Zeit schon arg vermisst“, sagt Buschening. „Wir haben über Facetime Kontakt gehabt. Aber das ist natürlich was ganz anderes, als wenn man jeden Tag zusammen ist. Da habe ich mich manchmal schon einsam gefühlt.“ Zumal der Lockdown in Südost-Asien noch strenger war als in Deutschland. Am Smartphone muss der Ortungsdienst immer eingeschaltet sein, überall muss man sich über einen QR-Code einscannen und bekommt angezeigt, wie hoch das Risiko-Level ist. Und jeder Profifußballer muss geimpft sein und vor jeder Partie einen PCR-Test machen. „Ich konnte wegen Corona kaum rausgehen, war meist in meiner kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung“, sagt er.

Dennoch möchte Buschening diese Zeit nicht missen. Genauso wenig wie die anderen Stationen, die er in den vergangenen Jahren in Malaysia und Thailand hatte. „Ich bin in den vergangenen Jahren viel herumgekommen, habe die Welt entdeckt und andere Kulturen kennen lernen dürfen. Und ich habe viele Freunde gefunden“, sagt der Hammer. „Ich habe mich auch persönlich dadurch weiter entwickelt. Ich bin selbstbewusster und gleichzeitig ruhiger geworden.“ Außerdem hat er eine andere Art des Fußballspielens erfahren können. „In Thailand ist das Niveau höher als in Malaysia. Trotzdem ist es in beiden Ländern so, dass mit mehr Tempo, aber dafür mit weniger Körpereinsatz gespielt wird“, erklärt er.

Die Tendenz geht nach Deutschland

Und so macht er sich zusammen mit seiner Frau nun Gedanken, wie es für sie beide und die Kinder weiter geht. „Ich vermisse die Zeit schon. Man konnte in Thailand mit den Kindern viel mehr machen, in die Berge fahren, zum Strand gehen oder einen Zoo besuchen“, sagt Buschenings Frau Janna. Und Dennis Bunschening fügt hinzu: „Hier in Deutschland ist das Leben schon ein bisschen stressiger. In Thailand und auch Malaysia ist alles entspannter. Und es ist da natürlich von den Temperaturen viel angenehmer.“

An Angeboten mangelt es nicht. So hat er nicht nur die Möglichkeit, weiter bei UiTM FC zu spielen, auch Vereine aus Indonesien, Thailand und Bahrain haben angefragt. „Da unsere Kinder noch klein sind, würde das passen. Aber man muss derzeit immer im Auge haben, wie kompliziert das durch die Corona-Situation ist“, betont er. Aber auch Vereine aus der näheren Umgebung haben sich mittlerweile bei ihm gemeldet und bieten Buschening, der eine Lizenz als Fitness-Coach besitzt, eine Jobmöglichkeit und ein Fußball-Engagement an. „Wir wiegen gerade alle Optionen ab. Aber die Tendenz geht schon eher dahin, dass wir in Deutschland bleiben“, sagt der Hammer, der derzeit mit seiner Familie in Ahlen lebt und die Unterstützung der Familie seiner Frau genießt. „Dadurch können wir als Paar auch mal wieder Sachen zu zweit machen, weil Jannas Mutter auf die Kinder aufpasst und uns dadurch entlastet.“

Und so stehen ihm nun nach seiner aufregenden Zeit in Malaysia auch noch spannende und vor allem wegweisende Tage in der Heimat bevor.

Auch interessant

Kommentare