Wasserballer müssen sich noch auf Öffnung der Bäder gedulden

Über ein Jahr auf dem Trockenen: Rote Erde muss „bei Null“ anfangen

Praktisch bei Null wird Carsten Berg, Trainer des Hammer Wasserball-Zweitligisten, nach der Corona-Pause anfangen müssen.
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Praktisch bei Null wird Carsten Berg, Trainer des Hammer Wasserball-Zweitligisten, nach der Corona-Pause anfangen müssen.

Dass alle noch schwimmen können, das glaubt Carsten Berg wohl, aber wie es mit Wasserball aussieht, da ist sich der Trainer der Zweitliga-Mannschaft nicht ganz so sicher. Weit über ein Jahr lang hat der SC Rote Erde Hamm keinen Wettkampf mehr bestritten. Wann die Spieler überhaupt wieder in ihr Element dürfen, ist trotz sinkender Zahlen weiter unklar. „Das ist hammerhart“, sagt Berg zur langen Pause.

Hamm – Seit dem ersten Lockdown im vergangenen März sitzen die Wasserballer weitgehend auf dem Trockenen. Und selbst die Saison 2019/2020 war gerade einmal zur Hälfte vorüber. Danach hat lediglich noch die Vorbereitung auf die darauffolgende Spielzeit stattgefunden, doch als es losgehen sollte mit dem Kampf um Punkte, stand der nächste Lockdown an. An Spiele können sich die Aktiven bei Rote Erde daher nur aus Erzählungen von früher, von vor Corona, erinnern.

Fit sind die meisten dennoch. Berg bietet online regelmäßiges zwei-, dreimal die Woche Kraft- und Kraftausdauertraining für die Jugendlichen und Erwachsenen an, viele seien auch Laufen. „Man hört sich, und man sieht sich“, ist der gesellschaftliche Aspekt für Berg mindestens genauso wichtig wie der sportliche. Ihm ist klar, dass mittlerweile keine große Basis mehr vorhanden ist, wenn es wieder ins Wasser geht. „Das wird ein Neustart. Wir starten komplett bei Null. Dafür ist die Zeit zu lang gewesen.“

Verband bietet Sommerrunde an

Bis zur nächsten Saison ist es noch weit hin, der Start ist für Oktober/November geplant. Damit die Mannschaften der zweiten Liga und darunter – die erste Liga hat eine Ausnahmeregelung – bis dahin eventuell dennoch spielen können, plant der Deutsche Schwimmverband eine sogenannte Sommerrunde. „Das ist eine Freundschaftsspielrunde, eine Beschäftigung, um wieder reinzukommen“, erläutert Berg. Rote Erde hat die Gelegenheit wie acht von zehn West-Zweitligisten gerne angenommen. „Eine Mannschaft, egal in welcher Form, werden wir immer bekommen“, sagt Berg. Gespielt werden soll von Juli bis September mit losen Terminen auch in den Sommerferien. „Noch gibt es aber nichts Genaueres“, so Berg.

Das hängt auch damit zusammen, dass für die Wasserballer natürlich eine Grundlage gegeben sein muss, die andere Sportarten nicht haben: Ein Schwimmbecken mit Wettkampfmaßen muss zur Verfügung stehen. „Voraussetzung ist, dass die Freibäder öffnen“, erklärt Berg. Das wäre laut Coronaverordnung erst bei einer Inzidenz von unter 50 möglich.

Außerdem müsste die Hammer Verwaltung entscheiden, dass das Ganze sinnvoll ist. „Wir sind auf den Goodwill der Stadt angewiesen, inwiefern man bereit ist, irgendwelche Bäder zu öffnen“, sagt Berg. „Es ist leichter, einen Sportplatz zu öffnen. Denn das ist natürlich ein Kostenfaktor“, meint der RE-Trainer.

Auf eine möglichst zeitnahe Lösung hofft er dennoch, schließlich sind die Wasserballer nicht die einzigen, die auf größere Becken angewiesen sind. Schwimmer, Taucher, Betriebssportgemeinschaften kommen mit den kleinen Lehrschwimmbecken an Schulen auch nicht allzu weit. „Wir sind zu allem bereit“, betont Berg höchste Flexibilität. Bis dahin werden seine Schützlinge immerhin von den anstehenden Lockerungen für alle Kontaktsportarten profitieren. Statt vor dem Bildschirm könnte Berg dann mit den Kindern und Jugendlichen bald draußen trainieren, dann zunächst kontaktlos auch mit Erwachsenen.

„Verheerende Auswirkungen“ auf die RE-Talente

Die derzeit geschlossenen Bäder und die Tatsache, dass es keine Ausnahmegenehmigungen wie in anderen Städten gibt, hat für den Verein bereits „verheerende Auswirkungen“, sagt Berg. So verfügt Rote Erde im Bereich der U 14 und U 16 über einige Talente, die derzeit außer Krafttraining und Laufen nichts machen können, obwohl sie Jugendnationalspieler und NRW-Kaderathleten sind. „Die wurden in den vergangenen zwei Monaten nicht mehr zu Lehrgängen eingeladen“, berichtet Berg. In Duisburg oder Düsseldorf kann der aussichtsreiche Nachwuchs dagegen ins Wasser, die Hammer allerdings wiederum nicht als Gäste bei den Einheiten mitmachen.

Zweitliga-Team bleib zusammen

Grundsätzlich hat Berg bislang nicht gehört, dass die lange Pause zu einem Schwund bei den aktiven Mitgliedern geführt hat. Das gilt auch für das Zweitliga-Team. „Bis jetzt hat keiner Veränderungen in Aussicht gestellt“, ist der Coach zufrieden. Alle hätten grundsätzlich Bereitschaft signalisiert und würden sich darauf freuen, wenn es wieder losgehe.

Ein wenig Skepsis hat der Trainer mit Blick auf den Restart der Meisterschaft aber schon. Die Frage sei, wer in welchem Umfang zur Verfügung stehen werde. „Gerade bei den älteren Spielern mit Familien und Kinder muss man schauen, wie groß der Wille ist. Ob da noch die Lust da ist, wieder komplett einzusteigen.“ In fast eineinhalb Jahren habe sich privat und beruflich bei einigen etwas geändert.

Dass die schwimmerischen Grundlagen im Gegensatz zu jeder früheren Vorbereitung weg seien, könne laut Berg auch noch ins Gewicht fallen. Das werde sich vielleicht erst zeigen, wenn der Startschuss tatsächlich fällt und der Ball wieder im Tor zappelt. Berg und seine Wasserballer sind gespannt, wann das der Fall sein wird.

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