Eishockey

Vor dem Saisonstart: Kevin Trapp und die Professionalisierung der Eisbären

Kevin Trapp ist mit seinen 23 Jahren ein „Urgestein“ der Hammer Eisbären. Trotz diverser Angebote gerade in seiner Jugendzeit blieb er seiner Heimatstadt treu.
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Kevin Trapp ist mit seinen 23 Jahren ein „Urgestein“ der Hammer Eisbären. Trotz diverser Angebote gerade in seiner Jugendzeit blieb er seiner Heimatstadt treu.

Für die Hammer Eisbären beginnt am Sonntag, 26. September, mit dem Heimspiel gegen den Herforder EV durchaus eine neue Zeitrechnung. Zum ersten Mal wird der Verein unter fast ausschließlich professionellen Bedingungen in eine Saison starten. 

Hamm - Gleich 15 Berufsspieler stehen für die Spielzeit 2021/2022 in der Oberliga Nord unter Vertrag. „Es ist schon ein extremer Umbruch“, sagt Kevin Trapp. Der Angreifer ist neben Jonas Hoppe einer von zwei „waschechten Hammern“ im Kader, wird auch nur einer von wenigen Spielern sein, die sich beruflich bis zum Frühjahr nicht ausschließlich mit Eishockey beschäftigen werden.

Die Eisbären hatten im Sommer 2020 schon ein bisschen blauäugig ihre Zusage für die Premierensaison in der drittklassigen Profiliga gegeben. Am Ende wurden sie Letzte. Es war allerdings die einzige Chance für den vorherigen Regionalligisten, unter Corona-Bedingungen spielen zu können. Der damalige Trainer Ralf Hoja zum Beispiel ist berufstätig, viele Spieler auch. So wie der damalige Kapitän Kevin Thau, der schon mal um sechs Uhr morgens seinen Job in der Dortmunder Abfallwirtschaft antreten musste – obwohl er erst spät in der Nacht von einem Auswärtsspiel aus Rostock zurückgekehrt war. „Ein Vollzeit-Job und Oberliga, das stelle ich mir extrem vor. Ich habe es ja bei einigen Jungs gesehen“, sagt Trapp.

Trapp vereinbart Eishockey und Beruf

Der 23-Jährige will aber selbst ein gutes Beispiel dafür sein, dass sich professionelles Eishockey mit anderen beruflichen Tätigkeiten durchaus verträgt. Er schreibt gerade an seiner Bachelor-Arbeit im Themenbereich Management und Marketing. „Die muss ich am Montag abgeben“, sagt Trapp. „Danach will ich eigentlich sofort das Master-Studium beginnen.“ Irgendwann einmal beruflich in den Sportbereich einzusteigen, das habe er dabei schon im Hinterkopf, „aber wenn es ein Unternehmen wird, das nichts damit zu tun hat, ist das auch in Ordnung“.

Zweimal in der Woche arbeitet Trapp auch noch als Werksstudent für ein Startup-Unternehmen mit Sitz in Münster, aber dennoch verpasst er keine der umfangreichen Einheiten unter dem neuen Trainer Jeff Job. „Dabei trainieren wir so gut wie täglich“, sagt er.

Dienstags bis donnerstags jeweils vor- und nachmittags sowie zwischen den Spielen am Freitag und Sonntag auch samstags. „Da hat sich schon massiv etwas verändert“, sagt Trapp.

Jeff Job ist Vollzeit-Coach

Jurist Ralf Hoja, 60, wohnhaft in Schwerte, hatte die Eisbären in seiner 5-jährigen Tätigkeit in Werries schon auf eine andere Stufe gebracht, mit Jeff Job geht es nun eine weitere nach oben. Denn der Kanadier ist Vollzeit-Coach. „Er ist von morgens bis abends in der Halle und ist dort für alle erreichbar. Er wünscht sich viel Kommunikation mit dem Mannschaftsrat oder seinen Spielern – und die sollen sich mit ihren Problemen an ihn wenden. Jeff ist da sehr engagiert und kümmert sich“, sagt Trapp – egal, ob es um die Wohnsituation, gesundheitliche Probleme oder die sportliche Ausrichtung geht. Hoja habe es als Teilzeittrainer einfach an Zeit gefehlt.

Sowieso habe sich durch die Professionalisierung im Kader ein ganz anderes Eishockey-Gefühl entwickelt. „Die Spieler sind früher da und bleiben auch länger – da muss keiner mehr schauen, dass er wegen seines Berufes früh zuhause sein muss“, sagt Trapp. Dass „die Eishalle mehr zum Zuhause geworden ist und du die Kollegen häufiger siehst als deine Familie“, darüber habe sich über die Wochen der Vorbereitung auch ohne die speziellen Teambuilding-Maßnahmen ein Wir-Gefühl entwickelt – was nicht zuletzt mit den Charakteren zusammenhänge.

Unter den neuen Profis befinde sich kein Ego-Shooter, sagt Trapp, und wenn einer mal aus der Spur laufe, „dann ist das wie in der Familie. Da haben wir ein paar erfahrene Leute, die suchen dann das klärende Gespräch“. So habe es sich auch ergeben, dass „wir selbst am Montag, unserem einzigen freien Tag, an dem niemand kommen muss, trotzdem mal etwas gemeinsam unternehmen.“

Trapp ist von besserem Abschneiden überzeugt

Für Kevin Trapp ist dies alles die Basis für eine erfolgreiche zweite Spielzeit in der Oberliga Nord. Klar, die Spitze der Liga sei immer noch meilenweit entfernt, aber „wir werden definitiv deutlich besser abschneiden als in der vergangenen Saison“. Sein Eindruck sei sehr positiv, auch wenn es sich um eine recht junge Mannschaft handele. „Ich hoffe ja, dass wir in den Top 10 landen werden“, sagt Trapp. Würde bedeuten: Die Eisbären gingen der Abstiegsrunde mit den Teams auf den Plätzen elf bis 14 aus dem Weg und stünden zumindest in den Pre-Playoffs. Nicht zuletzt die jüngsten Testspiele fast ausschließlich gegen Ligakonkurrenten würden diesen Eindruck erhärten.

Trapp freut sich darauf, in der anstehenden Saison wieder vor vielen Zuschauern spielen zu dürfen. 1100 pro Spiel sind unter 3G-Regeln gestattet. „Und es wäre schön, wenn sich die Anzahl im Verlauf weiter erhöhen würde – gerade nach der letzten Saison ohne Fans.“ Der gebürtige Hammer vermisste aber nicht nur die Zuschauer, sondern auch seine persönliche Eiszeit: „Ich habe mich im zweiten Spiel direkt verletzt und war wegen eines Bandscheibenvorfalls sechs Wochen raus. Danach habe ich wieder sechs, acht Spiele gemacht, dann habe ich mir fast das gesamte Syndesmoseband abgerissen.“

Am Ende standen für ihn deshalb nur elf Oberliga-Spiele zu Buche. Und darin habe er den Unterschied zur Regionalliga schon extrem deutlich wahrgenommen: „Alleine von der Geschwindigkeit her ist der sehr groß. Schließlich spielen da Mannschaften, die durch die Bank mit Profis besetzt sind.“

Die 18. Saison in Hamm

Trapp, der mit vier Jahren erstmals auf Schlittschuhen stand, wird am Sonntag bereits in seine 18. Saison in Hamm gehen. Es habe in der Jugendzeit zwar Angebote gegeben – darunter auch von großen Vereinen wie den Iserlohn Roosters oder den Kölner Haien. „Ich bin da auch häufiger mal zum Probetraining gewesen und die wollten mich auch haben“, sagt Trapp, aber weil er auch in Hamm gut gefördert worden sei – und auch der Schule und der Freunde wegen –, sei er seiner Heimatstadt treu geblieben. Das sei letztlich auch stressfreier gewesen. Und es wurde 2017 mit dem Aufstieg in die Regionalliga als bisher größtem persönlichen Erfolg belohnt. „Man kann ja nie wissen, was passiert wäre, wenn ich den Schritt gewagt hätte“, sagt Trapp, „aber bereut habe ich es nicht unbedingt.“

So haben sich auf seinem Einsatzkonto im Verlauf der Jahre 528 offizielle Begegnungen (706 Tore) ausschließlich für Lippe Hockey und die Eisbären angesammelt. Am Ende der neuen Spielzeit sollen dort mindestens 550 stehen – und in der Verletztenliste möglichst keine neuen Einträge.

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