Handball

Warum Vincent Sohmanns Rückkehr nach Dessau nicht optimal verläuft

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Vincent Sohmann

Pfiffe der Fans und ein unglücklicher Auftritt: Vincent Sohmanns Rückkehr nach Dessau verläuft für ihn nicht optimal. Zumindest gewinnt er mit Hamm-Westfalen die Abwehrschlacht.

Dessau – Zumindest am Ende wurde es noch ein bisschen herzlich und versöhnlich. Als Vincent Sohmann sich am Sonntagabend von seinen alten Kollegen verabschiedete, wurde der kleine Spielmacher vom ASV Hamm-Westfalen mehrfach in den Arm genommen. Und auch die Fans des Dessau-Roßlauer HV suchten nach dem Spiel den Kontakt zum 23-Jährigen, der bis zum vergangenen Sommer zwei Jahre in der Bauhausstadt Zweitliga-Handball gespielt hat und nun mit seinem neuen Verein in seiner alten Heimat zu Gast war. Ein Zuschauer übernahm nach dem 22:20-Sieg der Hammer auch eine kleine Kardinalaufgabe: „Sorry für die Pfeiferei vorhin“, sagte er, als er an Sohmann vorbeiging.

Seine erste Rückkehr in die Anhalt-Arena nach Dessau hatte sich Sohmann sicher ein bisschen anders vorgestellt. Klar, der knappe Sieg entschädigte am Ende für alle, aber als Sohmann nach rund 14 Minuten zum ersten Mal für Sören Südmeier eingewechselt wurde, wurde er mit Pfiffen und Buhrufen der DRHV-Fans empfangen Vom Ex-Anhang gab es keine Liebe. „Ich habe das mit einem Ohr schon mitbekommen, mich aber nicht weiter damit beschäftigt“, sagte der Spielmacher, „es kamen jetzt auch schon einige, die sich entschuldigt haben.“

Sportlich machte Sohmann in seinen rund 20 Minuten Einsatzzeit eine unglückliche Figur (ein Tor, vier technische Fehler). „Es war eine schwierige Situation für Vince“, sagte Hamms Trainer Kay Rothenpieler. Als die Partie rund zehn Minuten vor dem Ende vorentschieden wurde, saß Sohmann auf der Bank und sah von dort, wie sein ehemaliger Verein aus einer doppelten Überzahl kein Kapital schlagen konnte. Der DRHV hatte gerade nach einem 12:16-Rückstand (40.) wieder den Anschluss hergestellt (16:17, 49.) und die Gäste in Person von Fabian Huesmann und Jan Brosch zwei Zeitstrafen erhalten, als er zweimal im Angriff leichtfertig den Ball verlor.Der ASV nutzte das, zog wieder ein bisschen davon (16:19, 52.) und gab diesen Vorsprung nicht mehr her. „Wir haben in dieser Situation das Momentum auf unserer Seite und dann verschenken wir den Ball“, sagte Dessau-Roßlaus Trainer Uwe Jungandreas, „das darf nicht passieren. Solche Chancen, gegen eine so starke Mannschaft zu punkten, sollte man nicht liegen lassen.“

Das Spiel vor 1302 Zuschauern war über weite Strecken ausgeglichen und vor allem von zwei guten Abwehrreihen geprägt. „Wir wussten um die Schwere des Spiel ins Dessau und dass es hart wird“, sagte Rothenpieler. „Hier musst du erstmal gewinnen.“ Der Tabellenvierte konnte sich in einer zähen ersten Halbzeit schon einmal ein bisschen absetzen (3:6, 17.), Dessau-Roßlau kam dank einer verbesserten Abwehr und des Systems mit dem siebten Feldspieler aber wieder in die Partie. „Das war eine schwierige Situation für uns“, sagte Rothenpieler. Zur Halbzeit führten die Gäste noch knapp mit einem Tor (10:11).

Im zweiten Durchgang ähnelte sich das Bild: Hamm zog auf 16:12 weg – Dessau-Roßlau allerdings nach. Gegen die körperlich starke Abwehr der Gäste aber immer nur mit Hilfe des siebten Feldspielers, denn: „Offensiv haben wir nicht das gespielt, was wir wollten“, sagte Jungandreas, „wir sind nicht in die Tiefe gegangen.“ Dennoch hielt der abstiegsbedrohte und verletzungsgeplagte DRHV die Partie lange offen. Bis die eigene Überzahl die Partie entschied. „Wir sind in solchen Situationen nicht stressresistent genug“, sagte Jungandreas. Ganz anders der ASV . „Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen, wir haben immer einigermaßen die Ruhe bewahrt“, so Rothenpieler.

So war die Rückkehr für Ex-Dessau-Roßlauer Vincent Sohmann zumindest von mannschaftlicher Seite her erfolgreich, wenngleich der kleine Spielmacher persönlich in Hamm weiterhin nicht sein Glück findet. Sohmann – im Vorjahr mit 196 Toren einer der Top-Torschützen der 2. Bundesliga – wurde bereits mitgeteilt, dass er den Verein trotz noch laufenden Vertrages im Sommer verlassen darf. Hamm hat mit Merten Krings vom TV Emsdetten schon einen weiteren Spielmacher verpflichtet. „Man wird jetzt in den nächsten Wochen sehen, wie sich die Situation entwickelt“, sagte er am Sonntagabend.

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