2. Handball-Bundesliga

Sohmann grübelt: War er nur eine Übergangslösung beim ASV?

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Absprung: Für Vincent Sohmann ist die unbefriedigende Zeit beim ASV beendet.

Nach nur einem Jahr endet die Zeit von Spielmacher Vincent Sohmann beim Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen schon wieder. Der 23-Jährige fragt sich, ob er nur eine Übergangslösung bis zur Verpflichtung seines Nachfolgers Merten Krings gewesen ist.

Hamm - Seinen Ausstand in der Mannschaft hatte Vincent Sohmann schon nach der letzten Trainingseinheit mit den Zweitliga-Handballern des ASV Hamm-Westfalen gegeben – gemeinsam mit Kim Voss-Fels, Lukas Blohme und Lars Gudat, die ebenfalls in der kommenden Saison eine neue sportliche Herausforderung annehmen werden. 

In seiner letzten Partie im Trikot des ASV – beim 35:37 in der Lübecker Hansehalle gegen den VfL Lübeck-Schwartau – stand der wendige Mittelmann sogar die kompletten 60 Minuten auf der Platte. Der 23-Jährige spielte aufgrund der Personalnot im Kader im linken Rückraum – für einen Spieler seiner Körpergröße von 1,78 Metern eher ungewöhnlich.

Abschied aus Hamm "menschlich schade"

Und so war diese Begegnung für Sohmann ein Sinnbild der gesamten gerade abgelaufenen Spielzeit: irgendwie war er zum falschen Moment an der falschen Stelle. „Es steht ja schon ein bisschen länger fest, dass es in Hamm nicht weitergeht, was ich menschlich schade finde – aber sportlich absolut nicht zusammen gepasst hat“, sagt der gebürtige Magdeburger. „Für das Warum gibt es sicherlich viele Faktoren.“

Einerseits hat der schmächtige Mittelmann in den 38 Spielen bei seinem neuen Klub nicht an die starken Vorstellungen angeknüpft, die ihn im Jahr zuvor zu einem der wichtigsten Spieler des Dessau-Roßlauer HV und interessant für den ASV gemacht hat. Mit der Empfehlung von 196 Toren (Rang zwölf der Torschützenliste), der mit 73 Prozent zweitbesten Quote aller Topspieler und einem Zweijahresvertrag in der Tasche war er in den Hammer Osten gewechselt. 

Sohmann bemängelt: "Nie eine faire Chance gehabt"

Nach nur einem Jahr ist sein Engagement beim ambitionierten Tabellenvierten bereits wieder beendet. „Eine faire Chance habe ich eigentlich nie gehabt“, stand für den 23-Jährigen die Zusammenarbeit mit Trainer Kay Rothenpieler unter keinem günstigen Stern. „Es war schwierig, Spielanteile zu bekommen. Man versucht, sich im Training anzubieten, zu zeigen, dass man noch da ist. Aber das hat nicht geholfen. Ich nehme mich da auch nicht raus. Zu so einer Sache gehören ja immer zwei.“

Mit der Zeit sei ihm der Verdacht gekommen, nur als Platzhalter für seinen Nachfolger Merten Krings zu dienen. „So kann man das sehen. Hamm wollte Merten ja letztes Jahr schon haben. Und der Kontakt ist, als es nicht geklappt hat, ja nicht abgebrochen“, gibt Sohmann zu bedenken. „Dass ich einen Zweijahresvertrag bekommen habe, kann ich im Nachhinein nicht verstehen. Nach zwei Monaten wurden ja schon erste Stimmen nach Merten laut. Da macht man sich schon Gedanken, ob man nicht bloß eine Übergangslösung war.“

Vorzeitige Trennung von Hamm zugunsten eines Neuanfangs

Auf 70 Treffer kam Sohmann in der abgelaufenen Serie, davon 42 Siebenmeter. Das macht bei einer Quote von knapp 58 Prozent Platz 124 der Torschützenliste. Nicht das, was der gelernte Linksaußen von sich erwartet und nicht, was sich der Verein von ihm erhofft hatte. 

In die vorzeitige Trennung willigte der Rechtshänder auch ein, um einen Neuanfang starten zu können. In der dritten Liga, bei seinem alten Verein. „Ich hatte andere Angebote, aber es bringt ja wenig, wenn ich zum nächsten Verein in der 2. Liga wechsele, bei dem ich auf der Bank sitze“, sagt Sohmann, der parallel zum Handball in Dessau eine Ausbildung beginnen wird. „Daher habe ich mich für den DRHV entschieden. Das ist zwar jetzt 3. Liga, aber da weiß ich, was ich am Trainer habe und was er von mir verlangt. Mit Uwe Jungandreas komme ich gut klar.“

Dass ihm das Hammer Spielsystem nicht entgegen gekommen sei, glaubt er nicht. „Das würde ich nicht sagen“, betont er. „Ich glaube, dass ich da variabel bin. Es hieß ja, dass sie Tempo gehen wollen – das hat mal mehr und mal weniger geklappt. Ich glaube, es hing eher vom Zwischenmenschlichen ab.“

Kein Vorwurf an ASV-Geschäftsführer Franz Dressel

Trotz seiner Enttäuschung nimmt Sohmann auch Positives aus Hamm mit. „Dass ich mich mit allen Mitspielern gut verstanden habe, und im Nachhinein der Kontakt bestehen bleibt“, steht für ihn daher fest. „Nicht mit allen, aber mit den drei, vier Spielern, mit denen ich mich ein bisschen besser verstanden habe – das ist ganz cool. Und über Geschäftsführer Franz Dressel kann ich nichts Negatives sagen. Er ist immer sehr ehrlich gewesen.“

ASV Hamm Westfalen - TuSEM Essen 32:32 - Abschied von Lars Gudat

Endgültig abbrechen wird er seine Zelte in Hamm erst Ende Juli. Bis dahin ist seine Wohnung gemietet. Vorher steht ein wenig Urlaub mit der Freundin und die Wohnungssuche in Dessau an. „Ich habe meinen Vertrag dort ja gerade erst unterschrieben“, sagt Sohmann, der sich besonders freut, dass er seine Freundin wieder öfter sehen wird, die in Magdeburg wohnt. „Und es ist ganz gut, dass der Verein bei der Wohnungssuche nicht hilft. Als ich vor drei Jahren das erste Mal dahin gewechselt bin, haben die mich in einem Studentenheim oder so untergebracht – das war Quatsch.“

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