Hausbesuche

Marks Trainer Kevin Schulzki lebt im „magischen Dreieck“

Ohne Laptop geht für Kevin Schulzki, Trainer des VfL Mark, nicht viel.
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Ohne Laptop geht für Kevin Schulzki, Trainer des VfL Mark, nicht viel.

Kevin Schulzki vom VfL Mark pendelt zwischen Hamm, München und Münster.

Hamm - Hamm-München-Münster. Das ist das magische Dreieck, in dem sich Kevin Schulzki fast wöchentlich bewegt. „Das mache ich in erster Linie meiner Freundin und natürlich dem Fußball zuliebe. Ich habe im Zug mittlerweile fast mein eigenes Bett”, sagt der 29-Jahre alte Trainer des Fußball-A-Kreisligisten VfL Mark, der seit dem Frühjahr berufsbedingt von Hamm nach Münster gezogen ist und dort zusammen mit seinem früheren Teamkollegen Mats Uthmeier in einer WG lebt.

Angenehmes und Nützliches

Für Schulzki, seit April als Marketingmanager bei einer Medienagantur in Münster beschäftigt, sind die -zig Kilometer, die er dabei mit der Deutschen Bahn abreißt, aber nur selten mit Stress behaftet. Im Gegenteil: der Coach des VfL verbindet das Nützliche mit dem Angenehmen und verwendet die Zeit von Halt zu Halt, um zu arbeiten oder das Training des ambitionierten A-Kreisligisten vorzubereiten. „Außer dann, wenn ich feste Termine vor Ort habe, kann ich von überall aus arbeiten. Und die Fahrt geht, wenn man sich tief in ein Thema hängt, immer schnell vorbei”, erklärt er und schmeißt daher sofort, wenn er im ICE Platz genommen hat, den Laptop an und kümmert sich um die anstehenden Aufgaben. „Wenn ich von der Arbeit her nicht so flexibel wäre, würde das natürlich nicht funktionieren.”

Meist macht er sich sonntags nach dem Spiel mit der Bahn auf den Weg nach München, bleibt dort zwei, drei Tage und reist dann wieder zurück. „Ich habe eine Bahncard und versuche, immer möglichst frühzeitig meine Fahrten zu planen, um es günstig zu halten”, erläutert er. Auf einen Kurzstreckenflug verzichtet er dabei bewusst: „Fliegen finde ich unnötig und ich fahre gerne ICE. Die Zugbegeleiter und das Personal aus dem Bistrowagen kenne ich mittlerweile persönlich.“ Und auch, wenn es von Münster aus in die Mark zum Training geht, setzt er sich jedes Mal in den Zug und lässt sich am Bahnhof in Hamm von einem der beiden VfL-Betreuer, Manfred Kaminski oder Benjamin David, abholen. In Münster ist er allerdings noch nicht so richtig angekommen, ist in seinem neuen Wohnort noch in der Eingewöhnungsphase. So musste er, als er zuletzt auf einer Party war, für den Rückweg sein Smartphone herausholen und sich über das Navi zurück nach Hause führen lassen. „Ich kenne mich in Münster noch nicht so gut aus”, sagt er mit einem Lächeln. Umso besser kennt er sich dafür in der heimischen Fussballszene aus.

„Kleiner Kulturschock“

Er selbst hatte im Alter von fünf Jahren beim SV Welver angefangen, da sein Vater Eckhard Schulzki am Buchenwald damals Trainer war. Zur E-Jugend wechselte er zur Hammer SpVg, ehe es ihn nach drei Jahren weiter zu LR Ahlen zog. Dort kickte er von den D-Junioren bis zu seinem ersten Seniorenjahr. „Vor allem die Spiele in der A-Junioren-Bundesliga waren klasse”, erinnert er sich. Als er sich aber die erste Knieverletzung zuzog, verlor er zusehends die Lust. „Fünf oder sechs Mal Training plus sonntags die Spiele – das war irgendwie nicht mehr meins.” Und so entschied er sich, mit ein paar Freunden in der Kreisliga beim VfL Mark zu spielen. „Das war zuerst zwar ein kleiner Kulterschock für mich. Aber ich habe da gerne gespielt, weil wir eine super Truppe waren.”

Doch das Knie machte weiter Probleme. Und nach der dritten Kreuzband-Operation entschied sich Schulzki dazu, seine Schuhe an den berühmt-berüchtigten Nagel zu hängen. In seiner aktiven Zeit hatte er parallel bereits als Trainer im Jugendbereich gearbeitet, von der D- über die C- und B- letztlich auch die A-Junioren trainiert. Daher war es für ihn kein allzugroßer Schritt, als er zu Beginn der Saison 2018/19 mit lediglich 27 Jahren in der Mark die Nachfolge von Thorsten Heinze antrat und die erste Mannschaft des VfL übernahm. Sein Alter war dabei von Anfang an nie ein Problem. „Wir haben ein junges Team, da sind nicht so viele Ältere dabei. Und letztlich geht es nicht darum, wie viel Lenze man zählt, sondern darum, wie man über Fußball denkt und wie gut man sein Wissen vermitteln kann”, stellt er klar und sieht sich daher als Respektsperson, auf die alle Akteure hören: „Klar ist das etwas anderes als vorher, als ich noch Spieler war. Ich habe jetzt eine eigene Kabine, in der ich mich umziehe und bin nicht die ganze Zeit bei der Mannschaft. Aber die Werte, die eine Mannschaft geschlossen auftreten lassen – wie Respekt, Disziplin, Leidenschaft und vor allem Teamgeist – sind gleich geblieben.”

Ambition, in der Liga oben mitzumischen

Im ersten Jahr belegte er hinter dem SVE mit dem VfL Rang zwei, und in der vergangen Spielzeit rangierte Mark bis zum Abbruch im Oktober auf Platz eins. Klar, dass die Ziele für das nächste Jahr trotz des enorm verstärkten VfL Kamen durchaus ambitioniert sind. „Mit Leuten wie Sascha Horn, Hendrik Kunz, Bastian Wappler, Kevin Lehner, Sven Kotzur und Leon Schmitz steht uns die alte Riege nicht mehr zur Verfügung. Aber wenn es meine Ambition nicht ist, oben mitzumischen, dann bräuchte ich mir den ganzen Aufwand nicht anzutun. Wir haben schon was vor”, betont er.

Für das Arbeiten mit dem VfL legt er frühzeitig die Themenblöcke fest, die er mit seinen Schützlingen angehen will. Da er aber nie ganz genau weiß, wie viele Akteure bei einem Training dabei sind, füllt er die Einheiten im Detail meist erst kurzfristig mit den entsprechenden Übungen und Spielformen. „Das ist nun mal Kreisliga A, da muss man flexibel sein und schauen, ob 13, 18 oder 25 Jungs zum Training kommen”, meint er und kann sich daher gut vorstellen, in der Zukunft höherklassig als Trainer zu arbeiten. „Aber erst einmal wollen wir schauen, ob wir das nicht noch mit dem VfL schaffen. Wir haben eine junge, aber gute Truppe.”

Jede Partie ist von Bedeutung

Daher ist jede Partie von Bedeutung, denn Niederlagen sind im Kampf um die Meisterschaft in der Kreisliga nur schwer wettzumachen. „Wenn wir auf Platz acht oder neun in der Tabelle stünden, wäre ich sicherlich etwas entspannter. Aber wenn man oben dabei sein will und sich keinen unnötigen Punktverlust erlauben darf, dann nagt eine Niederlage schon an mir”, verrät der ehrgeizige Coach, der nicht nur mit der Fahrerei einen großen Aufwand betreibt.

Auch in seiner Trainings- und Spielvorbereitung geht er sehr akribisch vor, schaut sich in seiner wenigen Freizeit gerne Spiele von höherklassigen Teams an oder beobachtet in München das Training der zweiten Mannschaft des FC Bayern. „Ich versuche immer, mich methodisch und inhaltlich zu verbessern. Für meine Mannschaft muss ich dann natürlich schauen, wie ich das am besten für ein Kreisliga-A-Team herunterbrechen kann, damit niemand überfordert und damit vielleicht sogar seiner Stärken beraubt wird”, erläutert Schulzki, der bislang allerdings noch keinen Trainerschein besitzt. „Das muss ich schnellstmöglich nachholen. Zuletzt war es wegen Corona nicht so einfach möglich, aber für die nächste Zeit habe ich mir das fest vorgenommen.”

Bahnhof ist wichtig

Wie lange er letztlich noch zwischen seinen drei Standorten pendeln wird, weiß Schulzki nicht. „Meine Freundin stammt aus Unna. Sie arbeitet in München in der Modebranche. Da ist es zwar nicht leicht, hier in der Umgebung einen Job zu finden, aber wir halten die Augen offen. Und wenn das klappt, ziehen wir natürlich zusammen. Wo auch immer”, sagt Schulzki. Wichtig wäre dabei wohl nur, dass der neue Wohnort einen eigenen Bahnhof hat.

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