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Verantwortliche der Eisbären nehmen Spieler in die Pflicht

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Von: Patrick Droste

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Jan Koch und Werner Nimmert suchten am Montag das Gespräch mit der Mannschaft und appellierten dabei an die Einstellung der Spieler. 
Jan Koch (links) und Werner Nimmert suchten am Montag das Gespräch mit der Mannschaft und appellierten dabei an die Einstellung der Spieler.  © Bruse Digitalfoto

Nach der 5:9-Niederlage der Hammer Eisbären bei der EG Diez-Limburg bestand Redebedarf für Werner Nimmert, Aufsichtsratsvorsitzender der Hammer Eis eG, und Jan Koch, Manager des Eishockey-Oberligisten.

Hamm - Die beiden Verantwortlichen haben deshalb noch am Montagabend die Akteure des Oberliga-Letzten zusammengerufen, um mit ihnen über die sportliche Situation zu reden. Nimmert und Koch äußerten sich anschließend gegenüber Patrick Droste zu den Inhalten der Unterredung.

Warum war es kurzfristig zu diesem Termin mit der Mannschaft gekommen?
Nimmert: Ich war mit in Diez-Limburg, konnte mich selbst von diesem Versagen überzeugen. Das hatte den Reiz einer Aussprache mit der Mannschaft bei mir ausgelöst. Das haben wir dann spontan am Montag gemacht. Denn es geht ja nicht nur um Punkte, sondern auch ein bisschen um Würde und um den Standort Hamm. Und da möchte ich auch eine gewisse Einstellung haben. Die gefällt mir aber bei dem einen oder anderen nicht. Ich habe dann klar gemacht: wer jetzt den Schalter nicht umlegt und sich für den Verein nicht den Allerwertesten aufreißt, der wird gnadenlos aussortiert. Da ist es mir dann auch egal, ob der Mann einen Namen hat, ob der schon eine halbe Ewigkeit hier spielt oder irgendein Topscorer ist. Wenn die ihre Leistung nicht bringen, dann wird es dünn. Ich will ab jetzt nur noch Leistung sehen und nicht irgendwelche Ausreden, dass der Schnürsenkel nicht der richtige ist oder der Schläger der falsche.

Sprachlos über Verlauf des Spiels

Koch: Ich war am Sonntag nach dem Spiel echt sprachlos, wie die Partie verlaufen war. Mit einer Nacht Schlaf ist das Ganze auch nicht besser geworden. Gegen die guten Mannschaften in der Liga sehen wir immer gut aus. Aber gegen die Teams, die auch auf unserem Niveau unterwegs sind, so wie am Sonntag Diez-Limburg, ist es einfach ein No Go, sich da neun Tore einschenken zu lassen. Wir sind zwar Tabellenletzter, haben dennoch gewisse Ansprüche. Wir haben Ansprüche als Führungsverantwortliche und unsere Fans haben Ansprüche – da darf man ein Spiel in dieser Form und in dieser Art und Weise nicht herschenken. Daher war es angebracht, diesen Schritt mit dem Gespräch zu gehen, allen mal die Augen zu öffnen. Denn für die Spieler sind wir innerhalb dieser Liga ein guter Standort, wo die Spieler wirklich viel bekommen, was in anderen Vereinen vielleicht nicht so der Fall ist. Das muss wertgeschätzt werden. Dementsprechend erwarten wir eine gewisse Gegenleistung.

Trainer sogar zu 1000 Prozent fest im Sattel

Ist Trainer Jeff Job bei dieser Kritik mit einbegriffen? Oder wie ist es um seine Position bestellt?
Koch: Es wird bei uns in Hamm definitiv – und das ist unser Versprechen – keine Trainerdiskussion geben. Der sitzt nicht nur zu 100, sondern zu 1000 Prozent fest im Sattel.

Warum ist der Coach so außen vor?
Koch: Ich bin selbst bei vielen Besprechungen dabei. Ich weiß, was er den Jungs sagt. Und ich sehe, was die Jungs anschließend davon auf dem Eis umsetzen. Von daher kann ich dem Trainer im Moment überhaupt nichts vorwerfen. Auch in Diez haben wir wieder viele Gegentore nach dem Muster bekommen, das vorher von Jeff Job angekündigt worden war. Vielleicht ist es am Ende eher eine Qualitätsfrage bei den Spielern.

Nicht nur eine Frage von Geld

Sie hatten immer gesagt, Sie gehen kein Risiko ein und geben nur das Geld aus, das vorhanden ist. Ist mit den vorhandenen finanziellen Mitteln einfach nicht mehr möglich?
Nimmert: Wir haben am Anfang der Saison ja sogar noch zwei Positionen offen gehalten. Es ist also nicht nur eine Frage von Geld. Das ist letztlich auch eine Frage, ob ein Spieler zum Standort Hamm kommen möchte. Wenn man den Tabellenplatz sieht, sind wir aktuell nicht gerade die beste Adresse. Klar ist es auch eine Qualitätsfrage. Ich werde jetzt alle meine Kontakte mit in die Waagschale werfen, um hier nachhaltig für Verstärkungen zu sorgen. Es gibt auch schon die ersten Gespräche. Wir werden jedenfalls jede Möglichkeit ergreifen, um die Mannschaft zu verstärken. Und die, die nicht die Chance nutzen, um sich aufzureiben, werden gnadenlos aussortiert.

Bei einigen Spielern die Qualitätsfrage stellen

Es scheint eine Mischung aus fehlender Qualität und der nicht immer passenden Einstellung einzelner Akteure zu sein. Sehen Sie das auch so?
Koch: Ja, das ist eine Mischung aus allem. Es gibt Leute, die sind jedes Spiel da und geben 100 oder 105 Prozent. Denen haben wir nicht viel vorzuwerfen. Es gibt aber auch Spieler, die das Potenzial haben, für uns Spiele zu gewinnen, die ihre Möglichkeiten aber nicht in jedem Spiel abrufen. Woran das liegt, ist schwer festzumachen. Aber wenn unsere Leistungsträger gegen die Teams, die mit uns vermeintlich auf Augenhöhe sind, nicht ihre Leistung bringen, muss man auch da irgendwann eine Qualitätsfrage stellen. Denn dafür sind sie geholt worden, um genau in diesen Spielen den Unterschied auszumachen. Aber es hängt wohl auch damit zusammen, wie man als Eishockey-Profi ein Leben neben dem Sport definiert. Da muss sich jetzt jeder mal selbst hinterfragen, ob er bislang alles profihaft für seine Einstellung getan hat.

Nimmert: Wir müssen an dieser Stelle aber auch erkennen, dass Daniel Filimonow, der ja ein absoluter Oberliga-Torwart ist, uns seit zehn Spielen fehlt. Wir haben da nicht den gleichwertigen Ersatz. Und das spüren wir natürlich auch. In Diez-Limburg waren zum Beispiel einige Tore dabei, bei denen unser Torwart nicht gut aussah. Dann haben wir Pech durch den Ausfall von Viktor Beck. Der hat bei uns einen ähnlichen Stellenwert wie Robert Lewandowski bei Bayern München. Das kann man nicht kompensieren. Oder Michal Spacek. Oder Maximilian Otte. Wir haben durch Verletzungen riesige Löcher. Das muss man natürlich fairerweise sehen.

Wegen einer Rede keine Wunder zu erwarten

Wie groß ist die Hoffnung bei Ihnen, dass die Besprechung für einen Umschwung sorgen kann?
Nimmert: Aufgrund unserer Verletzungsmisere können wir da nicht auf irgendwelche Wunder hoffen, nur weil ich eine Rede halte. Wir haben ja am Sonntag nur mit einem Rumpfkader gespielt, so dass man jetzt nicht meinen muss, wir werden die nächsten Spiele alle gewinnen. Die Hoffnung habe ich nicht. Aber ich hoffe, zumindest ist das Bewusstsein in die Köpfe der Spieler gekommen, dass es hier um mehr geht als um einen Tabellenplatz. Wir wollen hier unseren Standort weiter entwickeln und wollen daher nicht absteigen. Das würde uns um Jahre zurückwerfen. Wir sind in allen Bereichen auf Wachstumskurs. Ich mache der Mannschaft keinen Vorwurf, dass sie mit einem Rumpfkader bis kurz vor Schluss bei den Indians in Hannover dran ist. Aber am Sonntag war das ein anderes Spiel. Das müssen wir im Ansatz abwürgen. So etwas will ich nicht noch einmal sehen.

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