Fußball

Fußballplatz im eigenen Garten

Der Traum eines jeden Kindes  - der Fußballplatz im eigenen Garten. Mit Kunstrasen, Toren und einer Flutlichtanlage.
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Der Traum eines jeden Kindes - der Fußballplatz im eigenen Garten. Mit Kunstrasen, Toren und einer Flutlichtanlage.

Ein Fußballplatz im eigenen Garten? Mit einer Bande, Kunstrasen und sogar Flutlicht? Welches Kind träumt nicht davon, direkt hinter dem Haus jederzeit dem Ball nachjagen zu können. Dirk Stratmann und Anna Wisniewski haben ihrer zwölf Jahre alten Tochter Lucy diesen Wunsch erfüllt.

Hamm – „Sie war vor Corona in Topform, wurde auf dem letzten Turnier der Kreisauswahl von den Scouts der Westfalenauswahl gesichtet. Aber dann ging plötzlich nichts mehr. Und bevor alles verloren geht und ihre Chancen schwinden, haben wir jetzt einen Mini-Fußballplatz bei uns im Garten erstellt“, sagt Vater Dirk Startmann und erzählt dies in einer Art und Weise, als sei es das Normalste der Welt, so ein Projekt in die Tat umzusetzen.

Von klein auf habe sich seine Tochter für das runde Leder begeistert, sagt Dirk Stratmann: „Puppen haben sie nie interessiert. Sie ist mit einem Ball geboren.“ Herbert Willenberg, ein Freund der Familie und damals Jugendtrainer beim BV 09 Hamm, hatte das Talent von Lucy schon früh erkannt und drängte darauf, dass sie am Nordendamm angemeldet wird und die Nachwuchsteams der Schwarz-Gelben verstärken würde. Als die Eltern grünes Licht für den Vereinsfußball gaben, wurde auch Dirk Stratmann schnell in die Jugendarbeit bei den 09ern eingebunden. „Am Anfang sollte ich immer beim Aufbau helfen oder Hütchen aus dem Keller holen. Kurz danach bin ich dann Trainer geworden und habe auch den entsprechenden Schein gemacht“, betont der 50-Jährige.

In der Kreisauswahl

Mittlerweile kickt Lucy aber nicht mehr beim BV 09, sondern für den TuS Germania Lohauserholz. Dort ist sie sowohl in der Kreisliga bei den D-Junioren in der Jungenmannschaft aktiv als auch in der Bezirksliga im Mädchenteam. Hinzu kam bis zum März des vergangenen Jahres noch das Kreisauswahltraining, sodass die Schülerin des Beisenkamp-Gymnasiums in der Zeit vor dem ersten Lockdown inklusive der Spiele am Samstag sowie Sonntag sechsmal pro Woche auf dem Platz stand.

„Von einem Tag auf den anderen ging im vergangenen März nichts mehr. Absoluter Stillstand von jetzt auf gleich. Das war für Lucy total ungewohnt und auch richtig bitter“, erinnert sich der Familienvater, denn seine Tochter war kurz davor, in die Westfalenauswahl berufen zu werden.

Als im November der zweite Lockdown folgte, der Spiel- sowie Trainingsbetrieb erneut unterbrochen war, wochenlang kein Ende in Sicht war und Stratmann wiederum miterleben musste, wie sehr seiner Tochter der Fußball und die tägliche Bewegung fehlten, reifte in ihm ein anfangs überaus kurios erscheinender Gedanke. „Wenn wir nicht auf den Platz vom Verein dürfen, warum bauen wir nicht einen eigenen Platz?“, fragte er sich und fing anschließend an, seine fixe Idee umzusetzen. „Ich dachte zuerst, er macht da was Kleines auf dem Rasen”, berichtet Mutter Anna Stratmann. Doch ihr Ehemann hatte Größeres vor – und sorgte bei seiner Gattin für viel Staunen.

90 Prozent der Kosten gesponsert

Er stöberte im Internet und führte zahlreiche Telefonate – und musste schnell feststellen, dass sein Vorhaben mehr als 7000 Euro verschlingen würde. „Doch je mehr ich mit Leuten in Kontakt kam, umso mehr Unterstützung erhielt ich. Am Ende habe ich rund 90 Prozent der Kosten gesponsert bekommen“, sagt er. Und so rollten vor kurzer Zeit am Kentroper Weg die Bagger, es wurde geschaufelt, gehämmert und geschraubt.

Erst einmal musste die benötigte Fläche bereitet werden. So wurden unter anderem zwei kaputte Tannen in der hintersten Ecke des Gartens gefällt. Anschließend erfolgten mit Hilfe von Nachbarn der Erdaushub und das Planieren der sieben mal zehn Meter großen Spielfläche. „Das war bisher eine ungenutzte Fläche hinter den Garagen“, sagt Dirk Stratmann, der danach mit Kantsteinen das Mini-Feld umrandete und die Pfosten für die Bande einbetonierte, ehe der Kunstrasen verlegt, die Bande installiert und Fangnetze hinter den beiden Toren aufgehängt wurden. Begleitet wurde der Bau im Garten von ungeduldigen Anfeuerungsrufen der Tochter. „Schneller, schneller“, hat sie laut ihrem Vater immer gerufen, ihr schritt das Erstellen des eigenen Fußballplatzes nicht mit dem passenden Tempo voran.

Doch sie musste sich gedulden. Für zwei Wochen hatte im Februar der starke Schneefall den Bau zum Erliegen gebracht, dann kam Stratmann auch noch auf die Idee, ein Flutlicht zu installieren. „Ich habe die vier Strahler, die ich gekauft habe, bei uns im Keller mal kurz ausprobiert. Als ich gesehen habe, wie hell die sind, habe ich mich gefragt, ob die Nachbarn das wohl toll finden“, erläutert Stratmann, der in der Folgezeit extra noch Kisten baute, die er um die Strahler herum anschraubte. „Das war vorher überall taghell. Jetzt wird nur der Platz ausgeleuchtet. Da kann sich keiner mehr beschweren.“

Jede freie Minute nutzen

Und so nutzt Tochter Lucy nun jede freie Minute, um auf dem hauseigenen Platz wieder schnell zu alter Form zu finden. Entweder trainiert sie mit ihrem Vater. Oder ihre Freundin Zoe Latton schaut vorbei, mit der sie über den kleinen Platz rennt und die Bälle ins Tor schießt. Damit es abends für Nachbarn nicht zu laut wird, werden ab 20 Uhr die Tore herumgedreht, sodass nur noch von hinten Treffer erzielt werden können und die Bälle nicht immer mit viel Lärm gegen die Bande prallen. „Wir machen da richtiges Training“, sagt Vater Dirk. „Vorher gehen wir laufen. Dann auf dem Platz wird Dribbeln um Slalomstangen trainiert oder wir spielen eins gegen eins.“

Einziges Manko für Tochter Lucy: das zeitaufwändige Homeschooling beziehungsweise jetzt der tägliche Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht. „Ich finde diesen Platz natürlich supergut. Aber leider habe ich oftmals nicht genug Zeit, um da noch öfter zu spielen als ich es möchte“, sagt die Schülerin. „Zweimal pro Woche wird richtig trainiert. Aber an manchen Tagen geht es nur für ein paar Minuten. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich noch mehr machen.“

Denn Lucy Wisniewski hat noch Großes vor. Sie träumt davon, irgendwann einmal in der deutschen Frauen-Fußball-Nationalmannschaft zu spielen. „Das ist mein Ziel“, erklärt die Zwölfjährige, die es schon jetzt gewohnt ist, sich auf dem Platz durchzusetzen, sich zu behaupten und mit ihrem starken linken Fuß immer wieder Tore zu erzielen: „Die Jungen denken oft, dass Mädchen kein Fußball spielen können. Aber dann werden sie immer überrascht. Und da sie es nicht haben können, wenn Mädchen besser sind, werde ich oft gefoult.“

Im Winter Eishockey spielen

Dass der Bau des eigenen Platzes überflüssig war, weil seine Tochter seit den Lockerungen zu Beginn des Monats nun wieder regelmäßig beim TuS Germania Lohauserholz trainieren kann, sieht Dirk Startmann nicht. „Das war auf keinen Fall vergebens. Sonst hat Lucy in der Freizeit bei uns im Garten immer auf dem Naturrasen gekickt. Die Rasenfläche sah danach aus wie ein Acker. Daher passt das schon mit dem Platz“, sagt der Familienvater, zumal auch immer wieder Kinder aus der Nachbarschaft vorbeikommen und auf dem Kleinfeld Fußball spielen.

Auch für die Nutzung im kommenden Winter hat die Familie bereits eine klare Vorstellung. Dann soll über den Kunstrasen eine Folie gespannt und der Platz mit Wasser bespritzt werden. „Wenn es dann friert, haben wir eine Eisfläche und können da Schlittschuh laufen oder Eishockey spielen“, betont Dirk Stratmann. Nur für den Swimmingpool, der eigentlich an dieser Stelle hinter den Garagen entstehen sollte, muss er sich nun etwas Neues einfallen lassen. Doch wer einen eigenen Fußballplatz mit Flutlicht im Garten installiert, der wird auch da die passende Idee haben.

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