Handball

Ursachenforschung beim ASV Hamm-Westfalen

ASV Hamm-Westfalen Michael Lerscht Handball
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Aufbauhilfe gefragt: ASV-Coach Michael Lerscht steht mit seinem Team nach zuletzt drei Niederlagen in Serie unter Druck.

Nach 2:8 Punkten in Serie und dem Sturz auf Platz acht in der 2. Handball-Bundesliga steht beim ASV Hamm-Westfalen Ursachenforschung an.

Hamm – Noch am Freitagabend hatte Michael Lerscht, Trainer des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen, ratlos mit den Schultern gezuckt. Die passende Frage zu dieser resignierenden Geste bezog sich allerdings nicht auf die unwirklich schwache Vorstellung des ASV Hamm-Westfalen während der 19:27-Niederlage beim TSV Bayer Dormagen. „Wir müssen ja erstmal sehen, ob es überhaupt für uns weitergeht“, hatte der Coach mit Blick auf die angekündigte Ministerkonferenz am Sonntag gesagt. Jetzt ist der erneute harte Lockdown im Land beschlossen. Geschäfte müssen schließen, Kontakte bis aufs Minimum begrenzt werden – anders als im März ist der Profisport dieses Mal von den einsschneidenden Maßnahmen aber nicht betroffen. Wie die Fußballer dürfen auch die Handballer weiterspielen – wobei es im Fall ASV Hamm-Westfalen in Anbetracht der Abwärtsspirale, in der sich das Team in den vergangenen Begegnungen befindet, schon eher „müssen“ heißen dürfte.

Thomas Lammers ist dennoch erleichtert, dass der Profisport dieses Mal von den Coronamaßnahmen nicht betroffen ist. „Stand jetzt ist es so, dass unsere vier Spiele bis zum Jahresende stattfinden werden“, sagt der ASV-Geschäftsführer mit Verweis auf ein Rundschreiben von Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball Bundesliga (HBL). „Auch für unser Spiel am Samstag sieht es gut aus, wie mir die Verantwortlichen des TuS Nettelstedt telefonisch bestätigt haben. Und klar, unsere Ergebnisse waren zuletzt nicht gut. Aber mir ist es lieber, dass die Jungs da sofort Reaktion zeigen können und müssen, als wenn ich sowas über Weihnachten mit ins neue Jahr herumschleppen muss.“

Dass die Hammer nach fulminantem Saisonstart mit vier Siegen zuletzt 2:8 Punkten mit dem Sturz auf Rang acht der Liga und den wenig berauschenden Auftritten in Ferndorf (21:27), zuhause gegen Dresden (19;25 und zuletzt in Dormagen (19:27) weit weg davon sind, Erfolge als Selbstverständlichkeit zu sehen, weiß Lammers. „Gerade Nettelstedt ist gut drauf“, sagt er. „Der TuS hat gerade Bad Schwartau geschlagen. Aber unsere Mannschaft hat ja auch schon bewiesen, dass es besser geht. Wenn ich die ersten vier Spiele nehme, weiß ich, was die können – wenn ich die letzten drei nehme, weiß ich aber auch, was sie nicht abgerufen haben. Aber wenn wir unser Potenzial abrufen, können wir jede Mannschaft schlagen.“

Verletzungspech - keine Trainerschelte

Ursachenforschung ist angesagt beim ASV. Die sportliche Misere nur mit Verletzungspech zu begründen, wäre legitim, für die Verantwortlichen aber zu einfach – auch wenn der Ausfall von Sören Südmeier und Fabian Huesmann zuletzt in Dormagen schon sehr schmerzte. „Es gibt nicht den einen Punkt, an dem man das ausmachen kann“, ist sich Lammers sicher. „Klar ist es unglücklich, dass Südi gerade fehlt. Das war ja schon in Ferndorf zu sehen. Da haben wir das Spiel ab der 40. Minute verloren – als er vom Feld musste. Gegen Dresden kamen noch zwei, drei andere Faktoren dazu. Da hatten wir keinen guten Tag. Aber wir dürfen nicht alles, was vorher gut war, in Frage stellen. Wir haben eine super Mannschaft. Und einen super Trainer. Nur die Ergebnisse müssen jetzt wieder her.“ Womit klar gestellt ist, dass er nicht daran denkt, Michael Lerscht, der in dieser Saison nach 15 Jahren in Ferndorf auf die ASV-Trainerbank gewechselt ist, in Frage zu stellen. „Wir müssen den Jungs und dem Trainer die Ruhe geben“, sagt Lammers. „Am Anfang war es sicher einfacher zu arbeiten als jetzt nach nach drei Niederlagen. Aber Michael ist kein Neuling. Er hat einige Jahre mit Ferndorf in der 2. Liga hinter sich. Und ich bin auch nicht neu – wir müssen da zusammenstehen und sehen, dass wir da vernünftig rauskommen.“

Lammers: „Rudimentäre Sachen abrufen“

Wie die sportliche Wende eingeleitet werden kann nach der mut- und ideenlosen Vorstellung von Dormagen? „Wir müssen die rudimentären Sachen abrufen“, fordert Lammers. „Das heißt: Kopf ausschalten, nicht nachdenken und laufen.“ Schlicht: Die Körpersprache wiederfinden, mit der das Team seine ersten Saisonspiele erfolgreich bestritten hat – und dabei Tabellenführer VfL Gummersbach die einzige Saisonniederlage beigebracht hat. „Ich war selbst lange genug Spieler, um zu wissen: wenn du zwei-, dreimal verloren hast, gehst du anders aufs Feld als wenn du gegen Dresden eine Heimrutsche gekriegt hast“, zeigt der Geschäftsführer Verständnis für die entstandene Verunsicherung im Team. „Anfangs geht es ja dann auch. Wenn dann aber zwei, drei Angriffe schief laufen, wird der Druck nicht kleiner.“

Jetzt gilt es für die Mannschaft. Sie muss zeigen, dass sie mit dem Druck umgehen kann. Auch ohne Südmeier, der aufgrund von Knieproblemen wohl in diesem Jahr nicht mehr zum Einsatz kommen wird. Und eventuell gegen Nettelstedt am Samstag auch weiter ohne Linksaußen Huesmann, dessen muskuläre Probleme nicht abgeklungen sind. „Aber wir haben ja noch elf andere Feldspieler, die jetzt Verantwortung übernehmen müssen“, fordert Lammers und glaubt, dass auch für die wichtige Position des Spielgestalters Alternativen neben dem gerade erst von einem Daumenbruch genesenen Merten Krings vorhanden sind. „Marian Orlowski hat das schon gemacht. Und Jan von Boenigk hat in Rimpar auf der Position ein super Spiel absolvier. Und Merten hat zwar seit Monaten kein richtiges Handball-Spiel mehr gemacht – aber jeder Tag, den er jetzt kriegt, ist für uns Gold wert. Aber der ganze Rückraum ist in der Verpflichtung. Alle wissen, dass Südi fehlt. Darauf kann sich jeder Spieler einstellen.“

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