Überraschungserfolg

ASV triumphiert gegen Spitzenreiter Leipzig

[Foto: Reiner Mroß] Hamm ASV Hamm-Westfalen -- TV Hüttenberg Ondrej Zdrahala Dateiname: ms29n155

[Update] HAMM - Es ist lange her, dass in der Westpress-Arena nach Spielschluss einer Begegnung der 2. Handball-Bundesliga gesungen worden ist. Nach dem 31:27 (11:10)-Erfolg des ASV Hamm-Westfalen über Spitzenreiter DHfK Leipzig schallte es dafür um so lauter durch die Halle.

„Oh, wie ist das schön“, grölten die Hammer unter den 1 926 Fans ins weite Rund und wollten gar nicht mehr damit aufhören. Ein Lautstärkepegel, der rekordverdächtige Dimensionen annahm.

„Das war ein hervorragendes Handballspiel, zu dem beide Mannschaften beigetragen haben“, stellte ASV-Coach Kay Rothenpieler fest, als die Punkte eingefahren waren – fast schon eine Untertreibung. Auch wenn Christian Prokop naturgemäß nicht in die positive Bewertung der Partie einwilligen wollte. „In der ersten Halbzeit haben wir ein bisschen Pech, dass Hamm mit dem einen oder anderen Abpraller immer wieder den Ausgleich geschafft hat“, sagte Leipzigs Trainer. „Aber wir verlieren das Spiel über unsere Angriffsleistung, die sehr fehlerbehaftet und behäbig gewirkt hat.“

Dass es so kommen würde, dass die Gastgeber den bisher erst einmal als Verlierer aus der Halle gegangenen Gästen den Schneid abkaufen würden, war zu Beginn der Begegnung nicht zu vermuten gewesen. Denn es waren gerade einmal 30 Sekunden gespielt, als der Matchplan Rothenpielers bereits über den Haufen geworfen wurde. Gleich in der ersten Angriffssituation sank Rückraumakteur Marian Orlowski zu Boden. Diagnose: Knieverletzung. Genaueres soll heute eine MRT-Untersuchung zeigen. „Das hat uns natürlich schon geschockt“, räumte Rothenpieler ein. „Am Anfang ist man da natürlich immer irritiert, aber die Mannschaft hat das hinterher gut gelöst.“ Zwar hielt der ASV bis zum 4:4 den Gleichstand, ließ Leipzig dann aber innerhalb von zwei Minuten auf 4:7 wegziehen (12.). Vor allem den Toptorschützen der 2. Liga, Philipp Weber, bekamen die ASVer zu diesem Zeitpunkt noch nicht in den Griff.

ASV Hamm Westfalen - DHfK Leipzig 31-27

Doch statt die Köpfe hängen zu lassen, schien ein Ruck durch das ASV-Team zu gehen. Die Hammer holten sich über enorme Kampfbereitschaft und einen im ersten Durchgang bärestarken Dennis Doden zwischen den Pfosten (drei gehaltene Siebenmeter) zunehmend Sicherheit in der Defensive, und vorne wuselte sich Ondrej Zdrahala ein ums andere Mal durch die kompakte Leipziger Abwehr. In der 15. Minute war der Rückstand wieder begradigt (7:7), und Prokop sah die Zeit reif für ein erstes Team-Timeout.

Doch das Spiel der Hammer war nun ins Rollen gekommen. Auch weil Rothenpieler schon früh dazu überging, neben Zdrahala mit David Wiencek einen zweiten schnellen Aufbauspieler einzusetzen (siehe Text unten). Drei Treffer in Folge von 8:9 auf 11:9 kurz vor der Pause sorgten so dafür, dass die Gastgeber sogar mit einer knappen Führung in die Pause gingen. Als die Hammer nach dem Wechsel schnell auf 16:13 (36.) davonzogen, schienen sie die Partie bereits im Griff zu haben, doch der Tabellenführer schlug noch einmal zurück, hatte nach 38 Minuten erneut ausgeglichen (16:16) und ging sogar bei 19:20 erstmals wieder in Führung. „Das war noch einmal eine kritische Situation für uns“, gestand Rothenpieler ein. „Dann mussten wir irgendetwas probieren, haben Manndeckung gespielt und tatsächlich ein paar Bälle weggenommen.“ Die Folge: Ein 5:0-Lauf der Hammer zum 27:23 (55.), der die Halle zum Kochen und letztlich die Entscheidung zu Gunsten der Gastgeber brachte.

Was auch Prokop so sah: „In der Phase konnten wir Hamm und die Halle hier nicht mehr bremsen“, zollte er den Hausherren Respekt, die, getragen von der Euphorie in der Halle ihren sechsten Sieg in Folge einfuhren und im Anschluss noch einige Gassenhauer aus dem Liederbuch ausgekramt haben dürften. - güna

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