Fußball

TuS Wiescherhöfen: Corona-Fall bestätigt nach Ärger über Spiel-Absetzung

Beim TuS Wiescherhöfen gibt es einen Corona-Fall. 
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Beim TuS Wiescherhöfen gibt es einen Corona-Fall. 

Das Landesliga-Spiel zwischen dem TuS Wiescherhöfen und Viktoria Heiden ist abgesetzt worden - zum Ärger des Gastgebers. Mittlerweile aber ist klar: Es gibt tatsächlich einen Corona-Fall im Klub.

Hamm - Noch am Freitagnachmittag war der Ärger groß gewesen an der Wielandstraße. Gerhard Rühlow, Staffelleiter der Fußball-Landesliga 4, hatte auf Anweisung des Verbands-Fußball-Ausschusses (VFA) die für Sonntag geplante Begegnung des TuS Wiescherhöfen gegen Viktoria Heiden abgesetzt – ohne den Gastgeber vorab darüber zu informieren.

Seit Freitagabend aber weiß der TuS: Das Coronavirus ist im Verein angekommen. Ein Spieler der zweiten Mannschaft hat sich nachweislich angesteckt – womöglich im A-Liga-Duell mit dem TSC Hamm, als beim TSC mehrere infizierte Spieler aufgelaufen waren.

Bedenken bei Viktoria Heiden

Der Reihe nach: Da sich die Wiescherhöfener Reserve seit dem TSC-Spiel in Quarantäne befand und die Corona-Werte in Hamm deutschlandweit auf Rekordniveau liegen, kamen in Heiden Bedenken auf bezüglich eines Gastspiels in Hamm. Heidens Trainer Michael Hellekamp telefonierte mit Wiescherhöfens Coach Thorsten Heinze. Hellekamp informierte seinen Fußball-Abteilungsleiter Uwe Heller, der den VFA ins Boot holte. „Wir wollten Hamm oder dem TuS Wiescherhöfen in keiner Weise etwas unterstellen. Ich muss nur die Aussagen meiner Spieler ernst nehmen, die Sorge hatten, berufliche Schwierigkeiten zu bekommen, wenn sie wegen eines Fußballspiels für 14 Tage in Quarantäne müssen“, erklärt Heller. „Ich habe dem VFA die Bedenken wertneutral vorgetragen und um eine Entscheidung seitens des Verbandes gebeten.“

Die traf er und setzte das Spiel ab – weder der Verband noch Rühlow nahmen jedoch zuvor noch einmal Kontakt mit den Wiescherhöfener Verantwortlichen auf. Marc Lapcevic, 2. Vorsitzender des TuS, wertete das Heidener Vorgehen als „sportliche Frechheit“. „Schlimmer noch ist aber der Umstand, dass der Verbandsausschuss ohne jede Prüfung und Kontaktaufnahme dem Staffelleiter mitgeteilt hat, dass das Spiel abgesetzt werden muss“, teilte er am Freitag mit. Heinze hingegen sieht das Problem bei Staffelleiter Rühlow. „Er hätte vor der Absetzung nachfragen sollen.“

Rühlow steht hinter der Entscheidung des VFA

Rühlow weist den Vorwurf von sich. „Ich kann da überhaupt nichts für“, sagt er. „Meine Aufgabe ist es nur, für eine Neuansetzung zu sorgen.“ Die soll am 31. Oktober stattfinden. Rühlow sagt aber auch: „Natürlich stehe ich hinter der Entscheidung des VFA.“ Denn: „Sollten Infektionen auftreten, möchte ich mir nicht den Vorwurf gefallen lassen, ich hätte mich nicht für eine Spielverlegung eingesetzt.“ Mit kurzfristigen Absagen „müssen wir aktuell leben“, stellt Rühlow klar.

Auf Wiescherhöfener Seite herrschte Unverständnis. „Wir haben nach Bekanntwerden der Verdachtsfälle beim TSC Hamm unverzüglich Maßnahmen in unserem Verein ergriffen und unsere zweite Mannschaft vom Trainingsbetrieb ausgeschlossen. Keiner der Spieler hat sich seitdem auf unserer Anlage aufgehalten oder hatte Kontakt zu anderen Mannschaften“, teilte Lapcevic mit. „Nach Vorliegen der Testergebnisse wurden unsere Spieler der zweiten Mannschaft bekanntlich zur häuslichen Absonderung aufgefordert, also in Quarantäne geschickt.“

Und weiter: „Diese Entwicklung reicht dem Verbandsausschuss scheinbar aus, den ganzen Verein unter Verdacht zu stellen und ein aktuell unproblematisches Spiel ohne Kontaktaufnahme und einseitig beantragt, abzusetzen. Bei aller Sorge vor Ansteckung und den möglichen Folgen einer Coronainfektion dürfen die Verantwortlichen der Vereine und besonders beim Verband sich nicht an hysterischen Entscheidungsszenarien beteiligen und so den Weg für weitere Spielabsetzungen ebnen, denn wenn das Schule macht, werden wir die gerade erst begonnene Spielzeit ein weiteres Mal nicht beenden können, da uns schlichtweg die Zeit für Nachholspiele fehlen wird.“

Lapcevic stellt klar: „Entscheidung letztlich sinnvoll“

Am Sonntag ruderte Lapcevic zurück: „Letztlich ist die Entscheidung aufgrund des positiven Falls in unserer zweiten Mannschaft natürlich sinnvoll.“ Als Reaktion stellte der TuS den kompletten Trainings- und Spielbetrieb bis einschließlich 9. Oktober ein. „Mit diesem strikten Vorgehen leisten wir einen Beitrag zu der aktuell angespannten Lage in und um Hamm“, schrieb der Klub in den sozialen Medien.

Eine weitere Folge: Die Mannschaft des SV Stockum, die zuletzt gegen den TuS II samt des infizierten Spielers angetreten war, muss sich ebenfalls in Quarantäne begeben. Die Landesliga-Elf der Wiescherhöfener hingegen könnte kommenden Sonntag trotz des ausgesetzten Trainings zum Derby bei der SG Bockum-Hövel antreten. „Stand jetzt gibt es kein Argument, das dagegen spricht“, sagt Lapcevic, stellt aber auch klar: „Wir werden immer Entscheidungen zu Gunsten der Gesundheit treffen – und nicht im Sinne der Statuten des FLVW. Drohen uns dann Strafen, ist das halt so.“

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