Nach DTL-Aufstiegsfinale: Hamm Kandidat für Ausrichtung der DM

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Die Weltklasse-Turnerin Oksana Chusovitina führte den TV Herkenrath in die 2. Bundesliga.

HAMM - Er wackelte nur ganz kurz, dann stand er. Mit einem lauten „Ja“ schrie Lars Neumann nach dem Abgang vom Reck seine Freude heraus und klatschte seine Teamkollegen ab, dass das Magnesia nur so staubte.

Kein anderes Team war beim Aufstiegsfinale der Deutschen Turnliga (DTL) in der Westpress-Arena so chancenlos und doch so entspannt wie das des Hammer SC, das nur durch eine Wildcard im Konzert der Großen mitspielen durfte. In wenigen Monaten könnte sogar die gesamte nationale Spitze um Olympiasieger Fabian Hambüchen zu Gast sein, denn Hamm ist Kandidat für die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften 2014.

Das bestätigte Manfred Beier, Vorsitzender des Hellweg Märkischen Turngaus und des Fachausschusses Gerätturnen im Westfälischen Turnerbund (WTB), am Rande der zweitägigen Veranstaltung. Vor zwei Monaten kam der Deutsche Turnerbund (DTB) auf den Landesverband zu mit der Bitte um Ausrichtung der Titelkämpfe. Die Entscheidung darüber will das WTB-Präsidium am Mittwoch fällen. Stimmt es zu, sagt es gleichzeitig Ja zu Hamm, denn die Arena am Maxipark ist der favorisierte Austragungsort: „Wenn wir es machen, machen wir es in Hamm“, so Beier.

Bei der Entscheidung geht es in erster Linie um die Finanzierung. „Der WTB kann eine solch große Veranstaltung nicht allein stemmen. Wir brauchen dafür lukrative Sponsoren“, sagte Beier, der die Kosten mit etwa 60 000 Euro bezifferte. Sobald das Präsidium Grünes Licht gebe, so kündigte der Bönener an, werde er gemeinsam mit dem Hammer SC, der das Aufstiegsfinale am Wochenende ausrichtete, auf Sponsorensuche gehen. Die DM wäre die größte Turnveranstaltung in Hamm seit dem Landesturnfest im Jahr 2000.

Turnen Bundesligaaufstieg Männer 2013 in Hamm

Turnen Bundesligaaufstieg Männer 2013 in Hamm

Halle und Organisation bestanden den potenziellen Testlauf für die DM mit Bravour. Zuschauer, Aktive und Verantwortliche waren voll des Lobes. „Mit der Ausrichtung der Aufstiegsrunde hat sich Hamm für weitere große Wettkämpfe qualifiziert“, sagte etwa der DTL-Vorstandsvorsitzende Ralf Neumann. Der Detmolder Hans-Joachim Dörrer, langjähriges Mitglied des Technischen Komitees Kunstturnen Frauen beim DTB, glaubt sogar, dass Hamm bundesweit eine gute Adresse für das Turnen werden könne: „Die Halle ist ideal. Sie ist nicht zu groß, und die Zuschauer sind ganz nah dran am Geschehen.“

Mittendrin im Geschehen war die heimische Startgemeinschaft mit Lars Neumann, Maximilian Helm, Neuzugang Jan Gleissner (alle Hammer SC), Frank Bowinkel, Leon Olenberg, Mathis Kieslich, Andre Neumann (alle VfL Kamen) und Thomas Schiewer (Lüner SV). In der vergangenen Landesliga-Saison war das Team konkurrenzlos gut und stieg in die Verbandsliga (Beginn: 25. Januar) auf. Diesmal war es konkurrenzlos unterlegen und belegte in der Aufstiegsrunde zur 3. Liga wie erwartet den fünften und letzten Platz hinter Hösbach (Unterfranken), Isselhorst (Ostwestfalen), Hanauerland (Baden) und Ober-Ramstadt (Hessen). Der Rückstand auf den Vorletzten betrug fast 100 Punkte – eine Welt. Immerhin: Bei der Siegerehrung gab es für die „Meister der Herzen“ einen Händedruck von Nationalturnierin Nadine Jarosch.

Gerätturnen Bundesligaaufstieg Frauen 2013 in Hamm

Gerätturnen Bundesligaaufstieg Frauen 2013 in Hamm

Von schlechter Stimmung war bei den Gastgebern nichts zu spüren. Im Gegenteil: „Das war ein richtig geiler Wettkampf. Der beste, den wir je hatten. Halle, Atmosphäre, Ausstattung – das war ein Erlebnis, das wir einfach nur genießen wollten“, sagte Kapitän Lars Neumann nach dem Sechskampf (Boden, Pferd, Ringen, Sprung, Barren, Reck) auf eigens aus Esslingen antransportierten Olympia-Geräten. Der 20-Jährige war ebenso zufrieden mit den Einzelleistungen wie Trainer Arne Vogt: „Es war ja klar, dass wir uns nicht mit den anderen messen können. Aber man kann sich einiges abgucken. Ob man es im Training auch umsetzen kann, ist eine andere Sache. Das war für uns ein kleiner Vorgeschmack auf die Verbandsliga-Saison.“

Für die sportlichen Highlights in der Arena, in deren Fluren am Wochenende auch russisch, englisch und niederländisch gesprochen wurde, sorgten andere: Etwa die frühere Olympiasiegerin Oksana Chusovitina, die den TV Herkenrath am Samstagabend vor gut besetzten Rängen in die 2. Liga führte. Oder die Herren des FC Bayern München um den Schweizer Nationalturner Claudio Capelli, die das Duell der Meister der 2. Bundesligen Nord und Süd gegen die mit großen Anhang angereiste Siegerländer Kunstturnvereinigung knapp für sich entschied und den Wiederaufstieg ins DTL-Oberhaus feierte. - sst

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