Fußball

Militärgruß der türkischen Nationalelf  – Yunus Emre HSV und TSC Hamm fordern Ende der Diskussion

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Besser nicht nachahmen: Die türkische Nationalmannschaft mit einem militärischen Gruß.

Auch in Hamm ist der Militärgruß der türkischen Nationalmannschaft Thema bei den Fußballklubs. Zwei Vereine fordern vor ihrem direkten Duell ein Ende der Diskussion.

Update vom 17. Oktober, 17 Uhr: Brisanz verspricht am Sonntag (13 Uhr, Union-Stadion) das Fußball-B-Liga-Duell der türkischen Vereine TSC Hamm II und Yunus Emre HSV – allerdings wohl nur aus sportlicher Sicht. 

Denn wenn der Tabellenvierte beim -fünften gastiert, geht es einzig und allein um den Fußball, wie Mustafa Yildirim, Vorstandsmitglied bei Yunus Emre, betont: „Das politische Thema und alles rund um den Militärgruß der türkischen Nationalspieler wird nur hochgeputscht“, war Yildirim genervt und fügte an: „Yunus Emre ist und bleibt ein Sportverein. Bei dem Spiel am Sonntag geht es um den Fußball und um nichts anderes. Das ist auch unser Appell an die Medien, das Thema endlich ruhen zu lassen.“

Bedenken, dass es am Sonntag im Union-Stadion von Seiten der Spieler, Verantwortlichen und Zuschauer zu Ausschreitungen kommen könnte, hat er ebenso keine wie TSC-Coach Erdal Akyüz, der in Vertretung von Reserve-Trainer Mustafa Tirgil sprach: „Wir spielen Fußball und werden auch am Sonntag mit dem Militärgruß und dem ganzen Drumherum nichts zu tun haben. Die Berichterstattung über das Thema wird nur in die Höhe getrieben und sollte so langsam beendet werden.“

Mit dieser Einschätzung schließt er sich B-Liga-Staffelleiter Hans-Günter Henrichsen an, der „keinerlei Vorkehrungen“ für das Spiel am Sonntag vornehmen wird. „Dafür besteht schlichtweg keine Notwendigkeit“, sagte er, womit die aktuelle politische Diskussion zumindest auf den Sportplätzen in Hamm ad acta gelegt werden soll.

Militärgruß der türkischen Nationalelf: FLVW kündigt "Null-Toleranz-Politik" an

Update vom 16. Oktober, 14.13 Uhr: Die Hammer Fußballklubs könnten Probleme am Wochenende bekommen – vielmehr einige Spieler. Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hat nämlich auf den militärischen Gruß der türkischen Nationalmannschaft reagiert und kündigte Konsequenzen an.

Sollte es in den Amateurligen etwa beim TSC Hamm oder bei der IG Bönen zu Nachahmern kommen, die beim Torjubel wie die türkische Nationalmannschaft salutieren, drohen ernste Konsequenzen. Der FLVW kündigte am Mittwochnachmittag eine "Null-Toleranz-Politik" an. "Der Fußball lässt sich weder für Provokation noch für Diskriminierung missbrauchen", wird der für den Amateurfußball zuständige Vizepräsident Manfred Schnieders in der Pressemitteilung des FLVW zitiert.

Riza Öztürk, Integrationsbeauftragter des FLVW, befürwortet dieses vorgehen laut Pressemitteilung. "Wir können und müssen Strafen aussprechen, um zu signalisieren, dass wir so etwas nicht dulden. Gleichzeitig suchen wir den Dialog mit den Vereinen und bieten unsere Hilfe an", so Öztürk.

Wie Kreisvorsitzender Michael Allery aus Hamm betonte, werden die Schiedsrichter angehalten, mögliche Vergehen wie den Militärgruß im Spielbericht zu vermerken. Diese werden dann sofort an das Kreissportgericht weitergeleitet und entsprechend bestraft.

Nicht mit salutierenden Spielern, sondern mit pfeifenden Fans musste sich derweil hingegen der Hammer Profi-Fußballer Dzenis Burnic im Rahmen der U21-EM-Qualifikation in Bosnien-Herzegowina herumschlagen.

TSC Hamm und IG Bönen äußern sich zur türkischen Nationalelf – Verband prüft Konsequenzen

Update vom 16. Oktober, 12.28 Uhr: Der Fußball-Kreis 32 Unna-Hamm hat sich bisher noch keine konkreten Gedanken über eine mögliche Vorgehensweise gemacht.

"Ich bin froh darüber, dass es bei uns am vergangenen Wochenende in dieser Hinsicht keine Zwischenfälle gegeben hat", erklärte Kreisvorsitzender Michael Allery aus Hamm.

Am Telefon hat er sich aber bereits mit dem Vorsitzenden des Kreisfußball-Ausschusses, Christian Ritter, ausgetauscht. "Am Samstag tagt der Kreisvorstand. Dann werden wir auch dieses Thema auf die Tagesordnung setzen", betonte Allery.

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) wollte am Dienstag offiziell noch keine Stellung beziehen. Wie ein FLVW-Sprecher gegenüber wa.de mitteilte, wollte sich das Präsidium erst mit der Rechtsabteilung am Dienstagabend über ein mögliches Vorgehen gegen Nachahmer beraten – eine Stellungnahme soll im Laufe des heutigen Mittwochs erfolgen.

TSC Hamm und IG Bönen äußern sich zur türkischen Nationalelf: "Wir sind ein Volk, das..."

Hamm/Bönen - Am vergangenen Wochenende hatten Spieler des Fußball-Kreisligisten Türkspor Herne vor der Partie ihre Gegner vom FC Castrop-Rauxel mit dem Militärgruß, den zuletzt auch die türkischen Nationalspieler gezeigt hatten, provoziert. Die Stimmung war anschließend so aufgeheizt, dass die Begegnung eskalierte und abgebrochen werden musste. 

Erdal Akyüz, Trainer des TSC Hamm, kann und will sich nicht vorstellen, dass ähnliches am Sonntag in der Partie seines Teams gegen den TuS Uentrop II passiert. „Die politische Lage schwappt nach Deutschland rüber. Das wird hier in der Presse oft übertrieben und falsch dargestellt. Aber es ist 5000 km entfernt – und so soll es bleiben. Wir als TSC haben uns noch nie politisch geäußert. Wir sind Fußballer, und dabei belassen wir es“, stellt Akyüz klar.

Türkische Nationalmannschaft salutiert – Kayabasi: "Das Thema wird hochgeputscht"

Die deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can stehen für ein später zurückgezogenes Like des Beitrags des türkischen Profis Cenk Tosun in der Kritik – beim Revierklub FC Schalke 04 sorgte Ozan Kabak für Schlagzeilen. Zweitligist FC St. Pauli stellte Mittelfeldakteur Cenk Sahin für seine Unterstützung der türkischen Militäraktion in Syrien frei. Der Bayrische Fußballverband will Spieler, die den Salut-Jubel zeigen, vor das Sportgericht bringen. 

Syrien-Offensive der Türkei erregt auch in Hamm die Gemüter

Bei der IG Bönen, dem türkischen Klub in der Gemeinde, will man sich auf den Sport konzentrieren. „Wir sind ein Fußballverein und möchten dafür auch angesehen werden“, sagt der Sportliche Leiter Hasan Kayabasi. Er sieht Politiker in der Verantwortung. „Ich finde, das Thema wird von den Medien und auch von professionellen Fußballern zu sehr hochgeputscht“, so Kayabasi. 

Gleichzeitig warb er für Verständnis für seine Landsleute: „Wir sind ein Volk, das sehr an seinem Land hängt. Und das zeigen wir gerne. Wir sind mit den Gedanken auch dort.“ Das sei aber keine Provokation.

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