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HSV-Fan fährt aus Aachen zu den Heimspielen nach Hamm

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Von: Patrick Droste

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Eine sehr weite Anreise hat der Aachener Tristan Jänsch-Krüger zu den Heimspielen seines Lieblingsvereins.
Eine sehr weite Anreise hat der Aachener Tristan Jänsch-Krüger zu den Heimspielen seines Lieblingsvereins. © Droste

In Kamen aufgewachsen, seit vielen Jahren wohnhaft in Aachen. Und trotzdem ein großer Fan des Fußball-Oberligisten Hammer SpVg, der fast jedes Spiel seines Lieblingsvereins live vor Ort verfolgt. Gibt es nicht? Doch! Tristan Jänsch-Krüger heißt der junge Mann, der quer durch Nordrhein-Westfalen reist, um bloß keine Partie der HSV zu verpassen.

Hamm – „Da wird zwar bescheidener Fußball gespielt, aber dafür ein ehrlicher. Das gefällt mir“, erklärt der 30-Jährige, der seit 15 Jahren in Aachen lebt, dort Politikwissenschaft studiert und später gerne nach einer Promotion eine akademische Laufbahn einschlagen möchte.

Jänsch-Krüger wurde in Hamm geboren, wuchs aber in Kamen auf, ging dort zur Schule und spielte auch beim VfL Kamen Fußball. Allerdings nur kurzfristig. „Wenn man am Ruhrpott beziehungsweise am Rand davon groß wird, kommt man an Fußball ja nicht vorbei. Ich war Rechtsverteidiger, hatte aber nicht wirklich viel Talent. Daher habe ich meine Karriere recht schnell wieder beendet“, sagt er.

Mit 16 Jahren nach Aachen - und zur Alemannia

Kurz vor seinem 16. Geburtstag zog seine Mutter berufsbedingt nach Aachen, wo Jänsch-Krüger nicht nur sein Abitur baute und mit dem Studium begann, sondern wo er auch seine Liebe zu zwei weiteren Dingen entdeckte. Zum einen zum American Football. Aktuell spielt er für die Maastricht Wild Cats. Und zum anderen zu Alemannia Aachen. „Kumpels von der Schule haben mich vor vielen Jahren mal mit auf den Tivoli genommen. Und das fand ich damals zu Bundesliga-Zeiten sehr schick und cool“, sagt er. „Zuerst waren wir auf dem alten Tivoli, später dann auf dem neuen. Das hat schon Spaß gemacht und hat mich angefixt.“

Als es für die Alemannia später in die Niederungen des Fußballs ging, zuerst über die 2. in die 3. Liga und zuletzt in die Regionalliga, hatte das bei vielen Fans für große Trauer gesorgt. Nicht so bei Jänsch-Krüger. „Ich fand das gar nicht schlecht. Einerseits, weil die Auswärtsspiele viel besser zu erreichen waren, man musste nicht mehr so weit fahren, alles spielt sich in NRW ab. Anderseits auch, weil ich den Fußball in den unteren Ligen einfach besser finde. Die 1. Liga oder die Champions League interessieren mich zum Beispiel wegen des Kommerzes überhaupt nicht“, betont er.

Sonntags war noch genügend Zeit

Vor einigen Jahren fiel ihm dann auf, dass er mit der Alemannia meist immer nur samstags unterwegs war und dass er sonntags noch genügend Zeit hatte. Da erinnerte er sich an einen Traditionsverein aus seiner Geburtsstadt und schaute sich am 22. Mai 2016 erstmals ein Spiel der Hammer SpVg an. „Die HSV gewann damals mit 4:3 gegen den ASC 09 Dortmund. Das fand ich absolut cool und habe mir gedacht, dass ich da jetzt öfter hinfahre“, sagt er. „Ich fand, dass das eine ganz besondere Atmosphäre an diesem Tag hatte. Und es war alles viel familiärer als in Aachen. Das war genau das, wonach ich gesucht hatte.“

Und so versucht er nun, neben den Spielen der Alemannia auch viele Partien der Hammer SpVg zu besuchen. Manchmal, wenn beide Teams zeitgleich antreten, muss er schwere Entscheidungen treffen. Manchmal muss er auch ganz verzichten, wenn er mit seinem Football-Team selbst im Einsatz ist. „Aber so oft es passt, bin ich dabei. Und meistens passt es“, stellt er klar und verrät, dass er mittlerweile nicht nur bei der Alemannia, sondern auch bei der HSV Vereinsmitglied ist.

Treuer Fan, auch wenn es nicht läuft

Dass es dabei sowohl mit dem Regionalligisten aus Aachen als auch mit dem Oberligisten aus Hamm viele Tiefs in der jüngsten Vergangenheit gegeben hat, nimmt er dabei entspannt in Kauf. „Das ist ein Teil des Geschäfts“, meint er ganz gelassen, erinnert sich aber trotzdem nicht allzu gerne an einige Spiele. Zum Beispiel an die 0:1-Niederlage der Hammer SpVg im Mai 2017 gegen Rhynern, als die Westfalia wenig später den Aufstieg in die Regionalliga feierte. Oder an das Auswärtsspiel der HSV im September 2018 bei der U21 des FC Schalke 04, als die Gäste bei strömendem Regen eine 0:5-Niederlage kassierten. „Ich war da pitschnass und musste noch mit dem Zug zurück nach Aachen fahren“, sagt er und hofft nun, dass es mit dem Traditionsverein aus dem Hammer Osten langsam wieder bergauf geht.

„Diese mehr als zwei Jahre, als wir von Mai 2019 bis zu Beginn dieser Saison keinen einzigen Sieg in der Oberliga geschafft haben, waren echt bitter. Aber jetzt scheint es ja so, als könnten wir die Liga halten“, betont er und denkt dabei nur zu gerne an den jüngsten 4:3-Sieg über Victoria Clarholz nach einem 0:2-Rückstand zur Pause zurück: „Das war schon eines der coolsten Spiele der HSV, die ich je gesehen habe.“

Lob für die Arbeit von Degelmann

Dass die HSV gute Chancen im Kampf gegen den Abstieg hat, ist seiner Meinung nach auch ein Verdienst von Trainer Steven Degelmann, dessen Art er sehr schätzt. „Sein Vorgänger Rene Lewejohann hat mir zu viel herumgeschrien. Steven Degelmann ist da entspannter“, sagt Jänsch-Krüger, der es nicht sonderlich mag, wenn sich Trainer oder Zuschauer lautstark über jede Schiedsrichterentscheidung beschweren: „Ich maße mir nicht an, es in Echtzeit und aus 50 Metern Entfernung besser zu wissen.“

Akzeptiert hat er es auch, dass er aufgrund der Corona-Pandemie mehr mit dem Auto unterwegs sein muss als früher. Vor zwei Jahren ist er meistens mit dem Zug zu den Spielen angereist, jetzt setzt er sich nicht mehr so gerne in die oft vollen Waggons, sondern fährt lieber alleine im Auto. „Da sind die Kosten zwar recht hoch. Aber es hat den guten Nebeneffekt, dass ich mittlerweile alle Autobahnen in Nordrhein-Westfalen kenne“, meint er.

Droht bald ein Zeitproblem?

Ein wenig Sorge hat er allerdings, wenn Alemannia Aachen den Klassenerhalt in der Regionalliga verpassen sollte und demnächst in der Oberliga Mittelrhein antreten müsste. Denn dann würden diese Partien ebenfalls immer sonntags angesetzt. „Dann müsste ich natürlich immer abwägen und schauen, wo es interessanter ist. Aber die Alemannia hätte auch ohne mich noch genug Zuschauer“, sagt er. „Daher würde ich mich dann wohl eher für die HSV entscheiden.“ Aber dennoch hat er noch einen Wunsch an den Hammer Traditionsverein: „Ich würde es begrüßen, wenn wir in Zukunft wieder in weinrot spielen würden. Dann würde ich mir neben meinem Schal auch noch ein Trikot kaufen.“

„Besondere Fälle“

„Besondere Fälle“ heißt die neue Serie, in der wir außergewöhnliche Spieler, verrückte Kicker, Stimmungskanonen, Kümmerer oder treue Seelen vorstellen, die in den Hammer Klubs auf und neben dem Platz wirken.

Folge 1: Erol Akyüz (TSC Hamm)
Folge 2: Michael Schäfers (Westfalia Rhynern)
Folge 3: Marlies und Freddy Pickhinke (TuS Wiescherhöfen)
Folge 4: Manuel Kampmann (BV 09 Hamm)
Folge 5: Tristan Jänsch-Krüger (Hammer SpVg)

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