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Trainerbeben in Wiescherhöfen: Thorsten Heinze muss gehen, Nachfolger steht fest

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Von: Patrick Droste

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Neuer Trainer des TuS Wiescherhöfen: Salvatore Gambino (links), hier neben Rhynerns Coach Michael Kaminski.
Neuer Trainer des TuS Wiescherhöfen: Salvatore Gambino (links), hier neben Rhynerns Coach Michael Kaminski. © Reiner Mroß / Digitalfoto

Paukenschlag beim TuS Wiescherhöfen: Das Schlusslicht der Fußball-Landesliga hat mit sofortiger Wirkung seinen Chefcoach Thorsten Heinze und Co-Trainer Thorsten Berger von ihren Aufgaben befreit und  mit Salvatore Gambino einen namhaften Nachfolger präsentiert. 

Hamm - „Das kommt für viele jetzt vielleicht überraschend“, sagt Jamal Abbi, der Sportliche Leiter des TuS. „Aber wir sind zu der Erkenntnis gekommen, dass wir zur neuen Saison nicht nur meinen Posten neu besetzen wollen, da ich ja kürzer treten werde, sondern auch auf der Trainerposition was ändern wollen. Und das machen wir jetzt frühzeitig.“

Bei Heinze stößt seine Entlassung, die ihm in einem Gespräch mit dem geschäftsführenden Vorstand, zu dem neben Abbi auch der Vorsitzende Marc Lapcevic und Geschäftsführer Burkhard Stork gehören, mitgeteilt worden war, wenige Tage vor dem letzten Spiel des Jahres am Freitag gegen den VfL Senden auf großes Unverständnis. „Das kam für mich schon sehr überraschend, als die gesagt haben, dass ich raus bin und das sie jemand anderes nehmen“, sagt er. „Das ist für mich zu diesem Zeitpunkt ein stückweit unverständlich.“

Natürlich, so stellt der 39-Jährige klar, haben er und Berger sich angesichts der überaus mageren Ausbeute von lediglich einem Pünktchen im bisherigen Saisonverlauf selbst hinterfragt. „Aber trotzdem wurde uns vom Vorstand immer versichert, dass man hinter uns stehen würde. Und vor einigen Wochen gab es sogar ein Gespräch mit Marc Lapcevic über eine Verlängerung für die Bezirksliga, um da frühzeitig mit den Planungen zu beginnen“, betont er und fügt hinzu, dass in diesem Zusammenhang Berger auch gefragt worden sei, ob dieser als Nachfolger von Abbi nicht das Amt des Sportlichen Leiters übernehmen wolle. Als dieser das aber ablehnte und klar stellte, dass er sich eher auf dem Platz sehen würde, kippte nach Auffassung von Heinze die Stimmung. Denn anschließend befragte der Vorstand die Mannschaft und stellte ihr drei Möglichkeiten vor: entweder sofortiger Rückzug, weiter machen mit dem bisherigen Trainerteam oder ein Neustart mit einem neuen Coach. Nach WA-Informationen stellten sich die Spieler hinter Heinze und Berger. Dennoch setzt der TuS nun auf das Trainerduo Salvatore Gambino und Thomas Rickert, das auch gemeinsam die Aufgaben des Sportlichen Leiters übernehmen wird.

Heinze: „Das war ein Bombenhaufen“

„Zwar verbindet mich mit dem TuS nicht mehr ganz so viel wie es früher mal war, weil sich im Verein viel verändert hat. Aber es hat mir viel Spaß mit der Truppe gemacht. Das war ein Bombenhaufen, auch wenn mich die Arbeit schon einige Nerven gekostet hat“, sagt Heinze. „Und es ist natürlich schade, dass diese Entlassung gerade jetzt kommt, wo wir einen Spirit entwickelt und immer besser zusammengefunden haben.“

Thorsten Heinze ist nicht mehr Trainer des TuS Wiescherhöfen.
Thorsten Heinze ist nicht mehr Trainer des TuS Wiescherhöfen. © Robert Szkudlarek

Abbi gibt auch offen zu, dass es ihm nicht gut ging, nachdem diese Entscheidung getroffen worden war, „denn es gab da durchaus auch Gegenwind. Außerdem weiß ich natürlich, wie sehr Thorsten dem Verein über Jahre verbunden war. Da fühlt sich am Ende niemand als Sieger. Aber letztlich geht es um den Verein, für den man das Bestmögliche erreichen will.“ Gleichzeitig wehrt er sich dagegen, dass mit Heinze bereits über ein Engagement über die laufende Saison hinaus gesprochen worden sei: „Das ist ganz klar nicht der Fall gewesen. Es gab da keine Jobgarantie. Vielmehr haben wir vor circa fünf Wochen Gespräche mit Mannschaft und Trainer geführt und alle Positionen in Frage gestellt.“

Abbi nennt mehrere Gründe

Dass der Wechsel bereits jetzt erfolgt, hat nach Aussage des Sportlichen Leiters mehrere Gründe, wobei die desaströse Ausbeute mit nur einem Remis dabei nur am Rande mit hineingespielt habe. „Diese sportliche Misere kann man nicht wegdiskutieren und nicht von der Hand weisen. Aber darum geht es nicht vordergründig. Es geht auch nicht darum, die Mannschaft jetzt noch einmal zu kitzeln. Und Salva soll auch nicht der Heilsbringer sein. Sondern vielmehr sollen die Spieler die Möglichkeit haben, den neuen Coach möglichst früh kennen zu lernen – und das nicht nur übers Telefon, sondern in dieser Woche bereits beim Training und am Freitag beim Spiel an der Linie. Und Salva soll genug Zeit haben, um für den wahrscheinlichen Abstieg eine vernünftige Mannschaft für die Bezirksliga auf die Beine zu stellen“, meint Abbi, der auf WA-Nachfrage bestätigt, dass die Mannschaft mit den drei Möglichkeiten konfrontiert worden, die Reaktion aber keineswegs eindeutig gewesen sei: „Letztlich war es eine bunte Mischung. Man kann es 25 Leuten nicht gleichermaßen recht machen. Einige waren für den alten Trainer, gleichwohl gab es auch welche, die gesagt haben, dass sie sämtliche Entscheidungen mittragen.“

Mit Gambino hatte Abbi vor knapp zwei Jahren schon einmal zusammen gesessen, war damals mit ihm aber noch nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen. Jetzt aber haben beide Seiten Lust auf diese Konstellation. „Rhynern ist zwar deutlich erfolgreicher als wir, aber Salva hat da lange gespielt und ist von diesem familiären Verein, wie wir es ja auch sind, geprägt. Außerdem bringt er eine unfassbare Erfahrung mit, von der wir alle profitieren können“, sagt ein zuversichtlicher Sportlicher Leiter.

Gambino freut sich auf Cheftrainer-Rolle

Auch Gambino, der 45-mal für Borussia Dortmund in der Bundesliga auflief und zum Ende seiner Laufbahn noch fünf Jahre für Westfalia Rhynern gespielt hatte, ehe er zuletzt für den Königsborner SV in der Bezirksliga aufgelaufen war, freut sich auf seine erste Station als Cheftrainer. „Manchmal geht es schneller, als man denkt“, sagt der 38-Jährige, der erst Ende der vergangenen Woche hatte verlauten lassen, dass er aufgrund von Verletzungen seine aktive Karriere beenden muss.

„Für mich ist das eine tolle Chance, ins Trainergeschäft einzusteigen. Ich freue mich auf Wiescherhöfen, weiß aber auch, wie schwer die Aufgabe ist. Wir wollen in der Rückrunde so viele Punkte wie möglich holen und schauen, was machbar ist. Wenn wir noch den Klassenerhalt schaffen wollen, müsste schon ein kleines Wunder passieren. Letztlich geht es darum, dass wir die Saison gut zu Ende spielen und dann gut aufgestellt in die Bezirksliga gehen.“

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