Kanuslalom

Trainer im Interview: Das ist die Erfolgsgeschichte des KR Hamm

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Jürgen Schubert ist der Trainer des Kanu-Rings Hamm und damit der Vater vieler Erfolge.

Jürgen Schubert ist als Trainer des Kanu-Rings Hamm einer der Väter des Erfolgs. Im Interview äußert er sich dazu, zu den Olympia-Aussichten von Jasmin Schornberg und zur Zukunft des Vereins.

Herr Schubert, wie stolz sind Sie, dass einer Ihrer Schützlinge um den Start bei den Olympischen Spielen kämpft?

Riesig stolz. Und dann startet Jasmin ja noch in zwei Disziplinen, im Kajak und im Canadier. Sie hat also zwei Chancen, nächstes Jahr in Tokio dabei zu sein. Wobei es natürlich schon hart ist. Denn nur ein Fahrer beziehungsweise Fahrerin pro Disziplin schafft den Sprung zu Olympia. Das ist echt brutal.

Im Kajak hat sie schon viele Erfolge eingefahren, wurde unter anderem 2009 in La Seu d’Urgell in Spanien Weltmeisterin. Aber wie konnte sie auch im so genannten C1 so gut werden?

Sie fährt im Canadier jetzt im dritten Jahr. Und dass sie da so gut zurecht kommt, zeigt, was sie für ein Megatalent ist und wie gut sie im Wildwasser jedes Boot beherrscht. Daher ging das recht fix, auch im Canadier in die deutsche Spitze hineinzufahren und sich dieses Jahr sogar für die Weltmeisterschaften zu qualifizieren.

Olympia-Chancen von Jasmin Schornberg "bei 50:50"

Wie schätzen Sie die Chancen von Jasmin Schornberg ein, sich über die beiden Weltcups in London und Markkleeberg sowie die WM in La Seu d’Urgell für die Sommerspiele in Japan zu qualifizieren?

Ich sehe die Chancen bei 50:50. Die nationale Qualifikation in diesem Jahr im Kajak hat zwar Ricarda Funk gewonnen, aber Jasmin war als Zweite knapp dahinter. Sie hat den Abstand zuletzt immer mehr verkürzt. Und bei der EM in Pau hat Jasmin Bronze geholt, da hat man gesehen, wie gut sie drauf ist. Ricarda Funk darf sich jedenfalls kaum etwas erlauben. Im Canadier sehe ich die Chancen fast noch besser. In Pau bei der EM ist sie zwar in der Qualifikation ausgeschieden. Aber wenn sie ihre Linie findet, dann kann sie mit ihrer Routine durchaus Olympia erreichen. Ein Rennen bei der Quali in Augsburg hatte sie ja zum Beispiel souverän vor ihren Konkurrentinnen Andrea Herzog und Elena Apel gewonnen.

Bei der EM in Pau hatte aber nicht nur Jasmin Schornberg stark aufgetrumpft, auch die beiden Nachrücker Sebastian Schubert und Stefan Hengst kamen mit Medaillen zurück. Das muss für Sie als Trainer ein einmaliges Erlebnis gewesen sein.

Wir haben vier von fünf deutschen Medaillen geholt. Das war die Krönung unserer Vereinsgeschichte. Das war ein Freudenfest sondergleichen. Wir haben in Pau tausende von Fotos gemacht, das war echt krass.

Für Jürgen Schubert der Höhepunkt der Vereinsgeschichte: Bei der EM in Pau gewannen Jasmin Schornberg, Sebastian Schubert und Stefan Hengst vier von fünf Medaillen des deutschen Teams.

Was ist das Erfolgsgeheimnis des Kanu-Rings?

Das ist eine gewachsene Sache. Mein Sohn Sebastian hat zum Beispiel mit sieben Jahren angefangen und ist dann auch schnell schon erste Wettkämpfe gefahren. Jasmin hatte in ihrem Heimatverein Lippstadt niemanden in ihrem Alter. Ihre Mutter hatte beim Stützpunkttraining zugeschaut und gefragt, ob wir Jasmin auch aufnehmen würden und sie für Hamm starten könnte. So etwas verneint man nicht, obwohl ich natürlich nicht wusste, dass sie so ein großes Talent ist. Sowohl Sebastian als auch Jasmin konnten anfangs kaum über den Bootrand schauen. Aber sie haben dann das Kanu-Fahren gelernt, das erste Mal das Boot verlassen und ihre Erfahrungen mit den Kenterrollen gemacht. Hinzu kam, dass wir dort in einer Trainingsgruppe mit unterschiedlich alten Kindern und Jugendlichen gearbeitet haben, es war quasi Generations-übergreifend. Ich habe die Sachen erklärt, und gleichzeitig haben sich die Kleineren die wichtigen Sachen bei den Größeren abgeschaut.

Erfolgsgeschichte begann mit Carsten Nillies

Aber angefangen hatte die Erfolgsgeschichte der Kanu-Slalom-Fahrer des Kanu-Rings schon vorher, oder?

Ja, angefangen hatte es mit Carsten Nillies, dass wir die internationale Bühne betreten haben. Carsten fuhr damals Ende der 1980er Jahre die ersten Erfolge ein, qualifizierte sich aber leider nie für die A-Nationalmannschaft. Dann kamen die beiden Brüder Ulf und Ralf Schaberg, die beide den Sprung in den A-Kader schafften. Der erfolgreichere von den beiden war Ralf, der bei Welt- und Europameisterschaften Mannschaftsgold gewann. Tja, und dann kamen Sebastian und Jasmin, als letzter dann Stefan.

Schornberg, Hengst und auch Ihr Sohn wohnen mittlerweile alle in Augsburg. Dennoch fahren die drei weiter für den Kanu-Ring Hamm. Wie erklären Sie diese Vereinstreue?

Wir sind ein kleiner, bescheidener und gemütlicher Verein und haben mit den Sportlern von klein auf Trainingslager und Lehrgänge veranstaltet. Ich denke, das haben die nie vergessen. Hinzu kam, dass ich das Training als Alleinunterhalter gemacht habe. Ich habe sie alle die ganze Zeit begleitet und habe alles mit ihnen zusammen erlebt. Es war und ist für sie wie ein zweites Zuhause. Daher kam die Frage nach einem Vereinswechsel nie auf. Stefan Hengst hat mich zum Beispiel in Pau gefragt, ob ich noch Aufkleber vom Kanu-Ring für ihn habe. Sie sind alle stolz, für diesen Verein zu fahren.

Bald aber wird es mit der KR-Herrlichkeit vorbei sein. Ihr Sohn ist 30 Jahre alt, Jasmin schon 33, so dass nur noch Stefan Hengst übrig bleibt. Blutet Ihnen da das Herz oder ist das einfach der Lauf der Zeit?

Das Ende dieser Ära ist wie 1000 Nadelstiche. Ich möchte das nicht wahrhaben. Aber ich muss es ja leider akzeptieren. Solche Talente werden so schnell nicht wiederkommen, die wachsen nicht auf den Bäumen. Glücklicherweise ist Stefan ja noch ein bisschen jünger. Er hat jetzt bei den Senioren Fuß gefasst. Ihm traue ich in den nächsten Jahren noch einiges zu, und entsprechend werden wir diese Zeit noch genießen.

Zukunft? "Im Moment ist der Nachwuchs nicht so da"

Und danach?

Im Moment ist der Nachwuchs nicht so da. Aber wir arbeiten mit unseren beiden Nachwuchstrainern Malte Rekämper und Katharina Holtmann daran, dass sich das wieder ändert. Wir sind dabei, wieder etwas aufzubauen.

Was muss ein junger Sportler mitbringen, um ein guter Kanu-Slalom-Fahrer zu werden?

Zu allererst darf er nicht wasserscheu sein. Und er muss ein Bewegungstalent sein. Ich sehe meist schon beim ersten Trainer, ob einer für den Kanu-Slalom-Sport geeignet ist oder nicht.

Ist der Standort Hamm denn dafür überhaupt geeignet? Denn die Kanu-Slalom-Zentren, die Eiskanäle und die Wildwasserstrecken sind weit entfernt.

Das stimmt. Ich bin zum Beispiel pro Jahr um die 50 000 Kilometer in Sachen Kanu mit dem Auto unterwegs. Das alleine ist ja schon megaverrückt. Aber die Events sind nun mal weit weg. Aber in Hamm am Wehr am Heessener Schloss haben wir eigentlich beste Trainingsbedingungen.

Erklären Sie das bitte mal.

Das ist da ein kleines Paradies. Wir können da 30 Tore einhängen und in aller Ruhe trainieren. Und je nachdem, wie stark es an den Tagen vorher geregnet hat, können wir da sogar richtiges Wildwasser haben. Wobei wir dann nicht wie bei den Wettkämpfen mit dem Wasser den Fluss hinunterfahren. Am Schloss ist ein Rückhaltebecken, das ist dort recht gefährlich. Wir fahren dann unterhalb der Wehrkante immer mit Kehrwasser hoch bis zur ersten Welle und dann mit den Wellen durch die Stangen hinunter.

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