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Trainer Daun hört beim TuS Uentrop auf - Nachfolgerin bereits gefunden

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Von: Patrick Droste

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Alex Daun hört als Trainer der Tischtennis-Damen des TuS Uentrop auf.
Alex Daun hört als Trainer der Tischtennis-Damen des TuS Uentrop auf. © © Andreas Rother

Alex Daun hatte tagelang mit sich gerungen, alles durchgespielt, sich immer wieder Gedanken gemacht, Vor- und Nachteile abgewogen – und letztlich dann doch einen Entschluss gefasst, der ihm schwerfällt, der für ihn aber auch gleichzeitig alternativlos ist.

Hamm – „Es tut mir weh, denn es ist eine brutale Entscheidung. Aber mir ist die Kraft ausgegangen. Ich muss mich irgendwie auch selbst schützen“, sagt Alex Daun, der nach acht intensiven Jahren sein Engagement beim Zweitligisten TuS Uentrop beenden, den Tischtennis-Damen nicht mehr als Trainer und Manager zur Verfügung stehen und zur neuen Saison von Nadine Sillus, die das Amt der Spielertrainerin übernehmen wird, abgelöst wird.

Es sind einige Faktoren, die zu Dauns selbst gewähltem Aus nach dem Abschluss dieser Saison geführt haben. So wird sich Daun, der in der Nähe von Neuss wohnt und jedes Mal 125 Kilometer nach Uentrop fahren muss, beruflich verändern. Nach zehn Jahren bei der Tischtennismarke Butterfly wird er zum 1. März einen neuen Job antreten. „Dieser Wechsel steht aber nicht im direkten Zusammenhang mit Uentrop. Denn jeder weiß, wie extrem mir dieser Verein am Herzen liegt. Es kommen da viele Emotionen ins Spiel. Und man fragt sich, wie man das alles schaffen soll“, erklärt er.

Einen viel größeren Faktor hat die Corona-Pandemie gespielt. In den vergangenen Monaten war der Aufwand, die sportlichen Geschicke der TuS-Damen in der 2. Bundesliga zu leiten, deutlich größer geworden. „Ich war eh schon am Limit, das Ganze in Uentrop von A bis Z in der Hand zu haben. Aber dann musste ich auch noch Stunden und Tage damit verbringen, wegen Corona Infos reinzuholen, abzuklären und zu planen. Das ist alles ein extrem hoher Aufwand“, erläutert Daun, der die ganze Wucht der Pandemie Ende Januar zu spüren bekam, als der Herbstmeister die Partie in Offenburg coronabedingt absagen musste und die zwei Punkte am grünen Tisch abgezogen bekam. „Diese Pandemie ist leider noch nicht vorbei. Jederzeit kann etwas passieren, und schon hat man ein Riesenproblem.“

Daun hatte das Zweitliga-Team des TuS Uentrop vor vier Jahren mit einer unvergleichlichen Rettungsaktion vor dem Aus gerettet und anschließend für einen Zuschauerrekord im Damenbereich gesorgt, als Anfang 2019 in der Westpress Arena 1 854 Besucher das Heimspiel der Uentroperinnen gegen die Leutzscher Füchse aus Leipzig verfolgten. Nachdem der Fortbestand des Teams durch Daun, der nicht nur Trainer und Manager war, sondern auch noch den Vorsitz des Fördervereins übernahm, finanziell wieder gesicherte war, hatte er den Aufstieg in die 1. Liga als großes Ziel ausgegeben. Dafür hatte er keine Mühen gescheut und die Mannschaft mit ausländischen Spielerinnen verstärkt, die er jedes Mal vom Flughafen abholte, für deren Unterbringung sorgte, Trainingsmöglichkeiten organisierte und sie wieder zum Flughafen zurückfuhr. „Es ist eben mein Anspruch, jeden Tag für die Spielerinnen da zu sein. Ich hätte das nie gedacht, aber es ist jetzt irgendwie über mich gekommen, dass ich fest gestellt habe, dass ich das alles nicht mehr schaffe, ansonsten mache ich mich kaputt. Ich brauche einfach das Break“, gesteht er ein.

Ganz ohne Sport wird es für ihn aber auch in Zukunft nicht gehen. So wird Daun im Bereich Marketing und Pressearbeit die Damenmannschaft des Gladbacher HTC in der 2. Tennis-Bundesliga unterstützen. „Das Team hat drei Heimspiele innerhalb eines Monats, das ist alles sehr überschaubar“, sagt er. „Da habe ich keine 365-Tage-Verantwortung.“

Bei den Verantwortlichen des TuS Uentrop hat der Abgang von Daun natürlich für eine Menge Aufregung gesorgt. Das gibt auch der Vereinsvorsitzende offen und ehrlich zu. „Das kam für uns relativ überraschend. Ich kann nicht sagen, dass ich nicht ein bisschen schockiert war“, sagt Michael Bensik, der über die Entscheidung von Daun allerdings nicht enttäuscht ist, sondern dafür großes Verständnis hat. „Alex hat sich über Jahre für den Verein aufgerieben. Ohne ihn und seine Rettungsaktion würde es diese Zweitliga-Mannschaft nicht mehr geben. Und dann fährt er noch jedes Mal so viele Kilometer. Was er für den TuS geleistet hat, ist bombastisch.“

Aber auch ohne Daun, so betont Besnik, wird es in Sachen Tischtennis im Hammer Osten weitergehen. Und zwar wird Nadine Sillus, seit 20 Jahren als Spielerin in Diensten des TuS Uentrop, in Zukunft als Spielertrainerin fungieren. „Als ich gehört habe, dass Alex aufhört, gingen bei mir sofort die Alarmglocken an. Ich habe kurz durchgeatmet und mir Gedanken gemacht, wie es bei uns weitergeht“, sagt die 28-jährige Hammerin, die in Soest am Finanzamt arbeitet und als Trainerin schon im Nachwuchsbereich des Westdeutschen Tischtennis-Verbandes Erfahrungen gesammelt hat. „Und da ich den Luxus, dass ich direkt vor meiner Haustür in der 2. Bundesliga spielen kann, sehr zu schätzen weiß, habe ich dann zugesagt, dass ich den Job mache und die Aufgabe übernehme. Zumal ich durch meine 20 Jahre im Verein genau weiß, wie der Klub und wie die Leute ticken“

Allerdings wird der TuS, sollte es in dieser Saison doch noch mit dem Aufstieg klappen, auf den Sprung in die 1. Liga verzichten. „Ich brauche eine Eingewöhnungszeit. Direkt in der ersten Bundesliga zu arbeiten, wäre zu viel“, sagt Sillus, deren Hauptaufgabe es ist, für die kommende Saison eine neue Mannschaft für die 2. Liga zusammen zu stellen. „Ich will ein gutes Team haben mit Spielerinnen, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben. Ich werde da alte Weggefährtinnen ansprechen, die ich von früher kenne. Und dann gucken wir mal, was die nächsten Wochen so bringen.“

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