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Der Torwarttrainer des TuS Wiescherhöfen als Notnagel

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Von: Patrick Droste

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Mit vollem Einsatz im Getümmel: Martin Kliem in der Partie gegen Vorwärts Wettringen.
Mit vollem Einsatz im Getümmel: Martin Kliem in der Partie gegen Vorwärts Wettringen. © Robert Szkudlarek

Es ist wahrlich keine einfache Saison, die der TuS Wiescherhöfen in der Fußball-Landesliga bestreitet. Als am vergangenen Sonntag auch noch die beiden Stammtorhüter aus unterschiedlichen Gründen passen mussten, schlug die Stunde des Torwarttrainers Martin Kliem. Und fast wäre der mittlerweile 39-Jährige zum Glücksbringer für das Schlusslicht avanciert.

Hamm - Seine Karriere hatte Martin Kliem 2017 in der Reserve des TuS Wiescherhöfen ganz locker auslaufen lassen. Zwar half der mittlerweile 39-Jährige vor zwei Jahren nochmals für eine Partie in der Zweiten aus, ansonsten hütet der frühere Stammkeeper der Ersten vielleicht noch ab und an das Tor der Alten Herren und fungiert in erster Linie als Torwarttrainer des Landesliga-Teams.

Positive Aufregung

Am vergangenen Sonntag musste Kliem allerdings mal wieder zwischen die Pfosten, als die beiden Stammtorhüter Marco Behrend und Jan Pankauke nicht zur Verfügung standen. „Das war ja schon ein wenig abzusehen gewesen“, sagt Kliem rückblickend auf seinen Einsatz bei der mit 2:7 verloren gegangenen Partie gegen Vorwärts Wettringen und war daher auch nicht sonderlich nervös, dass er nach so langer Zeit mal wieder zum Einsatz kam und in der Landesliga seine Premiere feiern durfte: „Ich konnte ja befreit aufspielen. Ich war angespannt, aber auch positiv aufgeregt und hoch motiviert.“

Behrend hatte sich in der Woche zuvor an der Wade verletzt und hatte schon beim Training signalisiert, dass er eventuell nicht zur Verfügung stehen würde. Dennoch wollte er den Liga-Letzten nicht im Stich lassen und wärmte sich am vergangenen Sonntag erst einmal auf. Doch das Ziehen in der Wade beim Routinier war so stark, dass er draußen bleiben musste. Und da der junge Pankauke beruflich verhindert war, hatte sich Kliem schon gedanklich darauf vorbereitet, dass er im Tor stehen wird und hatte sich daher auch entsprechend warm gemacht.

Eine Halbzeit Genuss, dann Frustration

Und tatsächlich schien es so, als würde der 39-Jährige zum Glücksbringer für den in dieser Saison noch sieglosen TuS Wiescherhöfen werden. Denn zur Pause führte das Team von Trainer Salvatore Gambino mit 2:1 und hoffte darauf, den ersten Dreier dieser Spielzeit einzufahren. „Diese ersten 45 Minuten habe ich wirklich genossen. Da haben wir als Mannschaft eine richtig gute Leistung gezeigt“, erinnert sich Kliem gerne an die Dreiviertelstunde bis zum Wechsel zurück. Doch was dann in der zweiten Halbzeit passierte, möchte Kliem, der ansonsten die Partien des TuS als Mitglied des Trainerteams von der Seitenlinie aus verfolgt, nicht noch einmal so hautnah miterleben. Er kassierte im zweiten Durchgang sechs Gegentore und musste zusammen mit seinen Teamkollegen letztlich eine weitere bittere Packung einstecken. „Am Ende war das schon arg frustrierend. Denn sieben Gegentore sind nicht schön. Da haben wir zu wenig Gegenwehr gezeigt und uns abschlachten lassen“, erklärt Kliem, der aber schon am Sonntag versucht hatte, diese Partie auszublenden. „Wir arbeiten das im Training auf. Ich wollte das nicht mit in den Alltag, mit in die Familie und mit in meine Arbeit nehmen.“

Aber es ist nun mal eine schwere Zeit, die die Wiescherhöfener aktuell mitmachen. Das weiß auch Kliem, der seit 1989 dem TuS angehört und noch nie für einen anderen Verein aufgelaufen ist, nur zu gut. Dennoch kann und will er sich keinen anderen Verein vorstellen, bei dem er tätig ist: zuerst jahrelang als die Nummer eins im Jugend- und später im Seniorenbereich, anschließend als Torwarttrainer, nachdem ihn der frühere Coach Steven Degelmann vor ein paar Jahren gefragt hatte, ob er diesen Job übernehmen wolle. „Ich bin in Wiescherhöfen geboren und habe mit meinen Eltern am Friedhofsweg direkt gegenüber dem alten Platz gewohnt. Ich genieße die familiäre Atmosphäre hier bei uns im Verein und hatte daher auch nie Ambitionen, woanders zu spielen“, stellt er klar.

Alte Herren passen besser

Nur in der Ersten, da muss er nicht unbedingt nochmals spielen. Weniger deswegen, weil die Niederlage so deutlich ausfiel. Sondern vielmehr, weil er schon am Sonntagabend gemerkt hatte, wie ihn der Einsatz körperlich geschlaucht hatte. „Das war schon intensiv. Ich war 90 Minuten auf Spannung“, gibt er zu und fügt ehrlich hinzu: „Gut, dass die beiden anderen bis zu unserem nächsten Spiel wieder da sind. Die haben doch ein ganz anderes Niveau als ich habe. Da gucke ich lieber von draußen zu oder stehe bei den Alten Herren zwischen den Pfosten. Das passt mittlerweile besser zu mir.“

Aber wer weiß, sollte es nochmal zu einer ähnlichen Situation kommen, aus Verbundenheit zu seinem Stammverein würde Kliem sicherlich nicht „Nein“ sagen und sich wohl erneut als Aushilfskeeper zwischen die Pfosten des TuS Wiescherhöfen stellen.

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