Torwart Martin Ziemer verlässt HSG Ahlen-Hamm - Finanzielle Lage bedrohlich

[UPDATE 20.18 Uhr] HAMM - Paukenschlag bei der HSG Ahlen-Hamm: Torwart Martin Ziemer wechselt mit sofortiger Wirkung zum Liga-Konkurrenten HBW Balingen-Weilstetten. Hintergrund ist die finanzielle Situation der HSG. Dem Bundesligist fehlt ein sechsstelliger Betrag im Etat.

Gute Nachrichten hören sich anders an. Ganz besonders, wenn der Verkauf eines Leistungsträgers vermittelt werden muss. Und so machte Kay Rothenpieler gar nicht erst den Versuch der Schönrederei und kam gleich zur Sache. „Unser Torhüter Martin Ziemer wechselt mit sofortiger Wirkung zur HBW Balingen-Weilstetten“, sagte der Trainer-Manager der HSG Ahlen-Hamm. „Das ist ein Transfer, der uns menschlich wie sportlich sehr weh tut, und daher ist uns die Entscheidung, ihn ziehen zu lassen, auch sehr schwer gefallen. Aber wir können Martin einfach nicht garantieren, wie es hier in Hamm weitergeht.“ Für ihn selbst. Aber auch für den Verein. Denn, auf die Frage, ob es eine Garantie gebe, dass die HSG die Bundesligasaison zuende bringen werde, sagte Rothenpieler: „Ich gebe die nicht.“

Dafür aber Franz Dressel. „Ich als Geschäftsführer garantiere dafür, dass wir diese Saison in der ersten Liga sauber zuende spielen“, sagte er. Doch dass der Blitztransfer eines der HSG-Leistungsträger zum Ligakonkurrenten in den Süden der Republik zustande kommt, hat einzig und allein einen Grund: die wirtschaftliche Schieflage, in die der Aufsteiger geraten ist, in den Griff zu bekommen. „Wir haben derzeit eine finanzielle Unterdeckung im Bereich einer sechsstelligen Summe“, räumte Rothenpieler ein. „Daher müssen wir auf solche Anfragen eingehen, um Kosten zu sparen. So gesehen hilft Martin uns dabei, unseren Etat zu entlasten.“ Dressel betonte zudem, dass „der Transfer nicht aus unserer Initiative heraus geschieht, wir wollten Martin ja nicht loswerden. Vielmehr war es sein Wunsch, das Angebot aus Balingen anzunehmen. Denn wir konnten ihm einen Anschlussvertrag – auch für die zweite Liga – nicht bieten.“

Dass die Auflösung des Kontrakts mit der Nummer eins der HSG nur der Beginn einer Reihe von Notverkäufen sein könnte, wollte Rothenpieler nur bedingt verneinen. „Unsere Lage ist sicherlich kritisch, aber nicht dramatisch. Wir werden weiter versuchen, den Klassenerhalt noch zu schaffen – wir machen hier keinen Ausverkauf“, sagte der Trainer zwar, um dann aber zu ergänzen: „Wenn der THW Kiel Chen Pomeranz haben will, kann er gerne bei mir anrufen...“

Dennoch: Erfolg wünschen sich sowohl der Verein als auch der scheidende HSG-Torhüter in Zukunft – und der sogar relativ sicher in der ersten Liga. „Als ich vor einer Woche von dem Balinger Interesse gehört habe, dachte ich, okay, schöne Anfrage“, sagte Ziemer, der vor viereinhalb Jahren vom SV Anhalt Bernburg zum ASV Hamm gewechselt war und mit dem Team den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hatte, mit gesenktem Blick. „Der Knackpunkt war ein Gespräch mit Kay, der mir die Situation offen geschildert hat. Darum habe ich mich für Balingen entschieden.“

Bereits am Wochenende wird sich der gebürtige Rostocker auf den Weg zum Tabellenzwölften machen, wo er mit Vlatko Mitkov auf einen alten Weggefährten vom ASV Hamm trifft und bereits am kommenden Mittwoch Schützenhilfe für die HSG leisten soll – im Duell gegen den Ahlen-Hammer Konkurrenten im Abstiegskampf, die TSG Ludwigshafen-Friesenheim. Bis dahin muss er sich in Hamm noch bei vielen Freunden verabschieden, die neue Situation verarbeiten. „Heute bin ich erst einmal traurig“, sagte Ziemer, der ablösefrei nach Balingen wechseln darf, bei der HBW den am Sprunggelenk verletzten Torwart Ivan Zoubkoff ersetzen soll und einen Vertrag bis zum 30. Juni 2012 erhält. „Denn die Entscheidung, Hamm zu verlassen, ist mir sehr schwer gefallen. Aber es ist ja niemand gestorben.“ Dennoch sei die neue Aufgabe auch reizvoll, versicherte Ziemer. „Damit kein falscher Eindruck entsteht: Natürlich freue ich mich auch auf Balingen“, sagte der 27-Jährige. „Schließlich habe ich so die Chance, weiter in der 1. Bundesliga zu spielen. Und wenn Tomas Mrkva oder mein dicker Freund Fichte erstmal 20 freie Bälle gehalten haben, werden sich die Dinge auch schnell wieder relativieren.“ - güna

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