"...dann bleibe ich"

Zhang: Über den TTC GW zu Olympia und in die Top 30 der Welt?

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Kai Zhang, die neue Nummer zwei des TTC GW Bad Hamm, hat viel zu erzählen.

Kai Zhang, neue Nummer zwei des Tischtennis-Zweitligisten TTC GW Bad Hamm, hat einen bemerkenswerten Weg hinter sich. Mit 15 Jahren zog es den Chinesen nach Amerika – allein. Jetzt, mit 21, hat er einen Traum: Er will 2020 für die USA bei den Olympischen Spielen in Tokio antreten.

Hamm – Tischtennis-Weltklassespieler mit fünf Buchstaben? Für Kai Zhang würde ein Traum wahr, wenn einmal in einem Kreuzworträtsel sein Name als Antwort eingesetzt werden müsste. „Tischtennis ist ein Kopf-Spiel, ein Puzzle, ein bisschen wie ein Kreuzworträtsel“, sagt der 21-jährige. „Du musst eine Strategie finden, um dein Wissen und deine Stärken einzusetzen. Und gleichzeitig musst du einen Weg finden, um die Strategie deines Gegners zu bekämpfen.“ 

Seit dieser Saison spielt Zhang für den TTC GW Bad Hamm in der 2. Tischtennis-Bundesliga. Ein Risiko, das der GW-Vorsitzende Martin Vatheuer eingegangen ist. Die Hinweise darauf, dass der US-Amerikaner in der 2. Bundesliga wettbewerbsfähig sein könnte, waren nur spärlich. Mittlerweile ist klar: Der junge Mann mit den Streichholzbeinen bringt die Spielstärke mit – und viel Talent. 

Zhang: "Die erste Zeit war sehr hart für mich"

Das sahen die Experten auch in seiner Heimat so. Denn seit seinem sechsten Lebensjahr hat Zhang eigentlich nicht viel mehr getan, als Tischtennis zu spielen. „Ich habe nur trainiert, sechs bis acht Stunden am Tag“, sagt der Rechtshänder, der eine fulminante Vorhand auf die Platte bringt. „Aber ich habe nur zwei Turniere im Jahr gespielt. Und da war ich dann sehr nervös, weil ich es gut machen wollte. Und wenn du es nicht gut gemacht hast, waren die Trainer enttäuscht, so dass du keine Chance mehr hattest für die Zukunft. Irgendwann wollte ich einfach nicht mehr in einer Dauer-Trainingsgruppe sein, ohne Turniere und Mannschaftswettbewerbe.“ 

Als er dann die Chance bekam, in die USA zu gehen, packte er die Gelegenheit beim Schopf – mit 15 Jahren und ohne seine Eltern. „Die erste Zeit war sehr hart für mich, und es fiel mir auch schwer, mein Land zu verlassen“, erinnert er sich. „Und ich hatte einen Trainer, der mir sehr geholfen und mich gecoacht hat, damit ich es ins Nationalteam schaffe.“ 

Während der Highschool rückte Tischtennis in den Hintergrund

Angst vor dem Schritt hatte er dagegen nicht. „Allein gelebt habe ich ja schon seit meinem elften Lebensjahr in Peking auch“, erklärt er, dass er früh in ein Tischtennis-Zentrum berufen wurde. „Und mein Vater hatte einen Freund in den USA, also bin ich mit einem Schiff dahin, um das Land zu checken. Und das Tischtennisspiel in Amerika.“ Der erste Schritt auf amerikanischen Boden war von Neugier geprägt: „Ich wusste nichts über die USA, dachte einfach, das ist ein sehr gutes Land“, sagt Zhang, der seine Zeit brauchte, um sich einzugewöhnen. 

„Ich war ein bisschen traurig, als ich China verlassen habe, habe ein paar Monate gebraucht, um mich anzupassen. Aber es war genau wie jetzt der Schritt nach Deutschland – eine neue Erfahrung für mein Leben.“ In New York ging Zhang auf die Highschool – und bemerkte schnell, dass Tischtennis plötzlich nicht mehr die Hauptrolle in seinem Leben spielte. „In Amerika war ich in einem Club, habe als Coach gearbeitet, und da wurde mir viel geholfen. Irgendwann während der Highschool-Zeit habe ich auch meine Green Card und den US-Pass bekommen“, sagt er. 

Zhangs Ziel: Die Olympischen Spiele 2020

„Aber ich habe selbst nicht mehr viel trainiert. In den vergangenen sechs, sieben Jahren vielleicht zwei Stunden in der Woche. Ich denke, ich bin noch auf dem gleichen Level wie vor sieben Jahren.“ Nach seinem Wechsel auf das „New York State College Binghamton“, hat er sich für „ein Break“ entschieden. „Ich sollte jetzt auf dem College sein, habe aber ein Jahr Auszeit genommen. Um mein Spiel zu verbessern, bin ich nach Deutschland gekommen“, hat sich der US-Chinese ein neues Ziel gesetzt. „Denn ich will mich vorbereiten auf die Olympischen Spiele 2020 – für die ich mich hoffentlich im US-Team qualifiziere.“ 

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Um das zu erreichen, spielt er beim TTC GW Bad Hamm und lebt im Tischtennis-Leistungszentrum in Grenzau. Dort sind die Einheiten zwar nicht ganz so intensiv wie früher in China, auf drei bis vier Stunden täglich kommt er in der Regel aber schon. Dazu die Ligapartien, internationale Pro-Tour-Turniere und Einsätze für die Nationalmannschaft. Viel Zeit für andere Beschäftigungen bleibt da nicht: Computer spielen und Videos gucken – gerne von anderen Tischtennisspielern –, mehr ist nicht drin für jemanden, der sich zum Ziel gesetzt hat, „ein besseres Level“ zu erreichen. 

Zhang besiegte Nummer elf der Weltrangliste

Zum Ligaauftakt gegen den TuS Celle hat er bereits bewiesen, dass er wettbewerbsfähig ist, als er Tobias Hippler mal eben mit 3:0 von der Platte fegte und im Doppel mit Thomas Pellny überzeugte. In Saarbrücken musste er sich allerdings den Erstliga-Akteuren Cristian Platea und Tomas Polansky klar geschlagen geben, und im Pokal gegen Grünwettersbach hatte er gegen Tobias Rasmussen nach fünf Sätzen das Nachsehen. Dafür gelang ihm bei einem Turnier in Südamerika ein Coup: „Da habe ich die Nummer elf der Welt, Koki Niwa, geschlagen“, sagt er stolz. „Aber ich habe sicher nicht sein Niveau, muss noch viele Dinge in meinem Spiel auf den Prüfstand stellen, brauche mehr Konstanz.“ 

Die braucht er, wenn er seinem großen Ziel, einmal vom Tischtennis leben zu können, näher kommen will. „Irgendwann einmal möchte ich gerne unter die Top 30 oder 20 der Welt kommen“, sagt der Amerikaner, der plant, nach dieser Saison wieder zurück an sein College zu gehen, „es sei denn, jemand verpflichtet mich, um in der 1. Liga zu spielen, dann bleibe ich.“ 

Zhangs Probleme mit deutschen Kreuzworträtseln

Seine Heimat ganz nach Deutschland zu verlegen ist dagegen momentan eher keine Option, auch wenn er weiß, dass es in Amerika sehr schwierig sein wird, von Tischtennis zu leben. 

„Ich kann hier spielen und auch längere Zeit bleiben“, wägt er ab. „Aber leben wird sehr schwierig, weil ich die Sprache nicht spreche.“ Immerhin: Einen Satz bekommt er schon hin. „Ich liebe dich“, sagt er lachend. Für deutsche Kreuzworträtsel reicht das noch nicht ganz.

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