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Tischtennis-Zweitligist TuS Uentrop verzichtet auf Protest

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Von: Günter Thomas

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Frust über die DTTB-Entscheidung: Uentrops Trainer Alexander Daun (rechts) und Yuki Tsutsui.
Frust über die DTTB-Entscheidung: Uentrops Trainer Alexander Daun (rechts) und Yuki Tsutsui. © Mroß

Die 0:6-Wertung der Auswärtspartie der Tischtennis-Frauen des TuS Uentrop bei der DJK Offenburg liegt TuS-Trainer Alexander Daun noch schwer im Magen. Auf einen offiziellen Protest verzichtet der Trainer des Zweitligisten aber.

Hamm – Die vergangene Woche wird Alexander Daun so schnell nicht vergessen: Innerhalb weniger Tage änderte sich die Gemütslage des Trainers und Managers der Tischtennis-Frauen des TuS Uentrop von heiter bis wolkig zu düster und frustriert. Mit einem Sieg bei der DJK Offenburg wollte der TuS am Sonntag seine Spitzenposition in der 2. Bundesliga festigen – am Ende bescherte Corona der Mannschaft viel Frust, ein kampflos verlorenes Meisterschaftsspiel und den Verlust der Tabellenführung.

Aufgrund eines Covid-19-Falls im Kader – die Nummer zwei des TuS, Solomiya Brateyko, war Mitte der Woche positiv getestet worden –, des Ausfalls von Ersatzspielerin Guo Pengpeng, die sich aufgrund von Infektionen ihrer Kinder in Quarantäne befand, und der aus beruflichen Gründen erfolgten Absage von Airi Avameri (als Ersatz gemeldet) standen Daun nicht genügend Spielerinnen für die Partie in Offenburg zur Verfügung. Der TuS hätte die knapp 500 Kilometer nach Baden-Württemberg mit nur drei Spielerinnen antreten müssen – um eine Partie zu bestreiten, in der kaum eine Siegchance vorhanden gewesen wäre.

Den Antrag des TuS auf Verlegung der Partie gab Staffelleiter Kolja Rottmann nicht statt. „Das ist eine Reaktion des DTTB, die ich nicht nachvollziehen kann“, hatte Daun noch am Freitag gesagt. Mittlerweile wurde das für Sonntag angesetzte Spiel mit 6:0 für Offenburg gewertet, das am gleichen Tag auch den schärfsten Konkurrenten der Uentroperinnen um den Aufstiegsplatz, MTV Tostedt, zu Gast hatte. Durch das 5:5 zog Tostedt mit nun 19:3 Punkten am TuS (16:4) vorbei auf Platz eins der Tabelle.

Unverständnis über die DTTB-Entscheidung bleibt

Das Unverständnis über die Entscheidung bei Daun ist geblieben, das unfreiwillig freie Wochenende hat er aber genutzt, um die Situation gedanklich aufzuarbeiten. „Tatsächlich habe ich Ruhe gehabt, um das sacken zu lassen“, sagt der TuS-Coach. „Der Frust ist schon noch da – aber gemildert. Wir haben halt Corona, Pandemie – da kann alles passieren, wie man jetzt sieht. Ich habe mir vorgestellt, wie viele Menschen, Firmen, Gruppen durch Corona an der Existenz kratzen. So versuche ich, es zu akzeptieren.“ Protest gegen die Wertung wird er daher nach reiflicher Überlegung nicht einreichen – auch wenn die Entscheidung für ihn nach wie vor nicht nachvollziehbar ist.

Noch in der Hinrunde war es möglich, Partien abzusagen, sobald nur eine Spielerin im Kader positiv war oder die Inzidenz am Spielort zu hoch. In der Rückrunde müssen es mindestens zwei positive Spielerinnen sein. Dass allerdings Guo Pengpeng laut Einschätzung des DTTB „im engeren Sinn nicht zur Stammmannschaft gehört“, weil sie bisher noch nicht zum Einsatz gekommen ist, kann Daun nicht nachvollziehen. Schließlich ist sie Bestandteil des Kaders und daher gerade für den Fall gemeldet worden, dass andere Spielerinnen aus dem Kader ausfallen.

„Wir haben das jetzt so akzeptiert“, sagt Daun, dem dennoch ein Rundschreiben des Verbandes vom vergangenen Freitag negativ aufstößt, in dem mitgeteilt wurde, dass „in der 3. Liga Nord diverse Partien offiziell abgesetzt worden sind, weil die Inzidenz dort zu hoch war“. Der Verdacht, dass beim DTTB nicht nach klaren Regel gehandelt wird, kann da schon aufkommen.

Kein Vorwurf an Offenburg

Dass Gegner Offenburg nicht in eine Spielverlegung eingewilligt hat, ist für Daun sogar nachvollziehbar. Schließlich hat die DJK für das Wochenende drei Partien angesetzt, um in bestmöglicher Aufstellung antreten zu können. „Damit handeln sie auf jeden Fall konform“, sagt der TuS-Trainer. „Man kann da nicht böse sein. Es kann durchaus sein, dass wir genauso reagiert hätten.“

Den Ärger um die verlorenen Punkte wollen die Uentroperinnen jetzt so schnell wie möglich zu den Akten legen. Für den Trainer-Manager gilt es daher, den Blick auf die kommende Aufgabe zu legen. „Unsere Chancen sind nicht weg, wir haben es weiter in der eigenen Hand, den Aufstieg klar zu machen“, sagt er. „Wir spielen noch gegen Tostedt, auch gegen Anröchte – aber diese Sache hat gezeigt, dass schnell etwas passieren kann. Das macht die Organisation schwierig, diesen geplanten Aufstieg umzusetzen. Das fängt ja schon bei der Spielersuche an, da zu diesem Zeitpunkt, wenn nicht schon geschehen, die Gespräche für die nächste Saison stattfinden. Die Planung ist für uns jetzt schwieriger geworden. Intern werden wir uns darüber unterhalten müssen, wie wir jetzt vorgehen.“

Das Heimspiel am Sonntag gegen den TTC Langwald (14 Uhr/Grundschule Uentrop) sieht Daun nicht gefährdet. „Solomiya hat am Montagmorgen einen PCR-Test gemacht, um zu sehen, wie der Stand ist“, sagt der Coach. „Am Freitag würde sie fliegen, wenn der negativ ausfällt. Und selbst, wenn der noch positiv sein sollte, kann sie sich am Mittwoch noch einmal testen lassen.“

Gesundheitlich dürfte es auch keine Komplikationen geben. „Zwei Tage hat sie gekränkelt. Jetzt geht es ihr gut“, sagt Daun, der dann doch noch einmal auf die verlorenen Punkte in Offenburg zu sprechen kommt. „Die Entscheidung des DTTB ist schwer tragbar. Aber eigentlich sind wir alle der Pandemie ausgeliefert – das ist das Problem.“

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