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TTC GW Bad Hamm: Gedankenspiele um Liga eins

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Legte mit zwei Erfolgen am oberen Paarkreuz den Grundstein für den GW-Sieg in Mainz: Gerrit Engemann, der nominell an Position drei aufgeboten ist.

Der TTC GW Bad Hamm, Tabellenführer der 2. Tischtennis-Bundesliga plant den Aufstieg in die TTBL.

Seit 2017 spielt der TTC GW Bad Hamm wieder in der 2. Tischtennis-Bundesliga. Der Sprung in die höchste deutsche Spielklasse, die TTBL, war für die Verantwortlichen um den 1. Vorsitzenden des Vereins, Martin Vatheuer, allerdings stets so weit entfernt wie eine Reise zum Mond. Als zu groß empfand Vatheuer das finanzielle Wagnis. Allein die Lizenzgebühr in der TTBL beträgt im ersten Jahr 10 000, danach 16 000 Euro. Dazu kommen weitere 10 000 Euro für die Mitgliedschaft im Trägerverein und Sonstiges.

Sportlich hätte die Mannschaft in den ersten drei Jahren in Liga zwei den Aufstieg zudem nur als Nachrücker realisieren können. Doch während der GW-Vorsitzende bisher selbst bei guter Ausgangslage stets früh abgewunken hatte, änderte er in der laufenden Serie seine Meinung. „Wir freunden uns gerade mit dem Gedanken an, dass wir das Aufstiegsrecht im Falle der sportlichen Qualifikation wahrnehmen werden“, lautet die Aussage des GW-Vorsitzenden, die die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht, dass in Hamm neben dem deutschen Rollhockey-Meister SK Germania Herringen bald ein zweiter Erstligist seine Meisterschaftsspiele austragen wird. „Die Unterlagen für die Bedingungen zur Spielberechtigung in der 1. Liga habe ich mir von der TTBL bereits kommen lassen.“

Warum er ausgerechnet jetzt den Sprung ins finanziell wie sportlich mit einem größeren Risiko behafteten Haifischbecken 1. Liga erwägt – trotz Corona-Pandemie, deren Auswirkungen den Vereinen die notwendigen Zuschauereinnahmen zurzeit unmöglich machen? Die Begründung findet Vatheuer im sportlichen Erfolgen seines Teams. „Es wäre ernüchternd für unsere jungen Leute, wenn sie eine tolle Saison gespielt haben, den Aufstieg schaffen würden und wir dann das Recht, hoch zu gehen, nicht wahrnehmen würden“, betont er. „Die Spieler sind Feuer und Flamme für den Aufstieg, tun alles dafür und haben es bisher richtig gut gemacht. Wenn du das siehst, brauchst du dir keine großen Gedanken mehr zu machen.“

Unverbindliche Gespräche mit dem aktuellen Kader wurden bereits geführt – unabhängig davon, ob diese Spieler tatsächlich das mögliche Erstligateam bilden würden. „Ich habe am Montag noch mit Gerrit Engemann gesprochen, der sofort sagte, dass es eine bombastische Sache wäre, den Schritt mit Grünweiß zu gehen. Ähnlich sieht es bei den Belgiern Laurens Devos und Olav Kosolosky aus.“

Starke Pokalleistungen

Der sportliche Erfolg des Teams im Pokalwettbewerb stärkte die Hammer zudem in ihren Bestrebungen. Denn mit dem 3:1-Sieg über Erstliga-Schlusslicht TTC Grenzau und dem damit verbundenen Einzug ins Viertelfinale sorgte GW deutschlandweit für Aufsehen. „Das hat uns gezeigt, dass die Jungs mithalten können“, zeigte sich Vatheuer beeindruckt. „Und selbst gegen Borussia Düsseldorf im Viertelfinale haben wir attraktive Spiele gesehen, obwohl wir ja eigentlich chancenlos waren.“

Das 0:3 beim Erstliga-Spitzenreiter und deutschen Rekordmeister brachte Vatheuer zudem den Spielmodus der 1. Liga mit Dreiermannschaften ein wenig näher. „Der Modus gefällt mir immer noch nicht so wirklich“, räumt er ein. „Als der Schritt von Sechser- zu Vierermannschaften kam, war ich aber auch Gegner davon. Das System finde ich jetzt gut. Weil weiter parallel an zwei Tischen gespielt wird – wenn die Partie an dem einen schlecht ist, guckst du eben am anderen. In Düsseldorf haben wir dann nur an einem Tisch gespielt und als Außenseiter relativ deutlich verloren – trotzdem waren die Spiele gut anzusehen.“

Nach bisher vier absolvierten Partien in der 2. Liga führen die Grünweißen die Tabelle mit 8:0 Punkten an und haben damit die Favoritenrolle auf die Meisterschaft, die ihnen die Konkurrenz im Vorfeld der Saison zugeschrieben hat, eindrucksvoll bestätigt. Da zudem die Partien der Rückrunde aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie vom Deutschen Tischtennis.-Bund (DTTB) ersatzlos gestrichen worden sind, sind die Hammer derzeit nur noch fünf Spiele vom Aufstieg entfernt, für den sich die beiden erstplatzierten Teams der Liga qualifizieren.

Doch vor allen Spekulationen und Träumen steht nach wie vor der Schweiß. Denn Vatheuer stellt klar: „Wenn aufsteigen, dann möchte ich schon die sportliche Qualifikation haben, also Rang eins oder zwei.“ So, wie es der TC indeland Jülich vor zwei Jahren gemacht hatte, der als Fast-Absteiger das Aufstiegsrecht als Nachrücker wahrgenommen hat, weil die Konkurrenz komplett dankend abgelehnt hatte, möchte Vatheuer nicht in die 1. Liga zurückkehren. Der hat der TTC GW bereits von 1976 bis 1988 mit einjähriger Unterbrechung angehört, ehe der Verein später gar den Rückzug in die Landesliga antreten musste (1998).

Ansporn für die Hammer war auch der Mut des TTC OE Bad Homburg nach der Vorsaison, der sein Aufstiegsrecht wahrgenommen hat und nun auf dem vorletzten Platz im Oberhaus rangiert. Ein Szenario, das auch den Grünweißen blühen könnte. Denn: „Sollten wir tatsächlich den Aufstieg schaffen, darf das kein Himmelfahrtskommando werden“, sagt Vatheuer. „Selbst, wenn das bedeutet, dass eine von uns finanzierbare Mannschaft von vorneherein zum Abstieg verdammt wäre, kann es sinnvoll sein, trotzdem den Schritt zu machen.“ Um Lehren aus dem Abenteuer für einen neuen Anlauf zu ziehen.

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